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Lehrlinge als Geldmaschine?

Lehrlinge als Geldmaschine?

Vor den finanziellen Lockmitteln einer "privatwirtschaftlich organisierten Lehrlingsvermittlungsagentur" warnt die Handwerkskammer Lübeck. Das Unternehmen lasse sich seine Dienstleistung teuer bezahlen und verleite die Betriebe mit einem zweifelhaften Bonus-System zur Unterschrift.

Vor den finanziellen Lockmitteln einer "privatwirtschaftlich organisierten Lehrlingsvermittlungsagentur" warnt die Handwerkskammer (Hwk) Lübeck. Das Unternehmen lasse sich seine Dienstleistung teuer bezahlen und verleite die Betriebe mit einem zweifelhaften Bonus-System zur Unterschrift.

17.000 Euro für jeden neuen Azubi: Mit dieser Summe will die "Gesellschaft für privatwirtschaftliche Mittelstandsförderung i. G." die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe belohnen. Der Haken aus Hwk-Sicht: Die Betriebe müssen vorab 1.000 Euro an Gebühren bezahlen.

Es dränge sich sogar der Verdacht auf, dass auch die Familien der Auszubildenden "abgezockt" werden, sagt Hwk-Sprecher Ulf Grünke. Offenbar bitte die Agentur die Verwandten der Lehrlinge in spe mit "so genannten Zeichnungsscheinen" zur Kasse. 2500 Euro kosten nach Kammerinformationen solche stillen Beteiligungen, die erstmals nach 24 Monaten gekündigt werden könnten.

"Wenn man meine Oma früher gefragt hätte, ob sie zahlt, wenn ihr Enkel dafür einen Ausbildungsplatz bekommt, dann hätte sie das auch gemacht", verdeutlicht Grünke.

Die Agentur mit dem wenig einprägsamen Kürzel "GfpwMf" wehrt sich offensiv gegen die Vorwürfe.

Das Angebot der Gesellschaft aus der schleswig-holsteinischen Ortschaft Karby beschränke sich schließlich nicht nur auf die "Schaffung von Anreizen zur Bereitstellung neuer Lehrstellen".

Vielmehr qualifiziere die GfpwMf auch Schüler und Auszubildende. Natürlich könne diese Leistung nicht kostenfrei sein. Berücksichtige man die üblichen Preise derartiger Leistungen, seien 1000 Euro ein "überaus sozialverträglicher Satz".

"Wir treten als Vermittler auf, helfen den Betrieben bei der Personalstruktur - die meisten Betriebe schaffen das nicht allein", sagt GfpwMf-Geschäftsführer Rainer Karow auf Nachfrage von handwerk.com. Seit Anfang des Jahres biete die Gesellschaft ihre Dienstleistung an.

Und was hat es mit den 17.000 Euro auf sich? Die Unternehmen, die mit GfpwMf-Hilfe ausbilden, könnten über ein Unterstützungskonto eine "nicht rückzahlbare Förderung" erhalten, denn die ersten anderthalb bis zwei Jahre der Ausbildung würden den Betrieben unzmutbare Lasten aufbürden, antwortet Karow.

Dieses Bonus-Konstrukt will die Agentur über ein nicht näher definiertes "Sponsoringsystem" finanzieren. Was sind das für Sponsoren? Die Antwort auf diese Frage bleibt eher vage. Karow nennt lediglich "Förderer aus dem privaten wie gewerblichen Bereich". Und auch die Zahl der Betriebe, die bereits bei GfpwMf unterschrieben haben, bleibt im Dunkeln: "Hierüber darf und kann ich Ihnen keine Auskunft erteilen, da kein Betrieb genannt werden möchte, wenn er Geld erhält."

Die Handwerkskammer Lübeck lassen Karows Erklärungsversuche unbeeindruckt. "Wir haben den Fall an die Staatsanwaltschaft übegeben", sagt Grünke. Es sei bedauerlich, dass die Methoden einer privaten Agentur die Arbeit der Ausbildungsplatz-Akquisiteure der Kammern erschwere.

Ob positiv oder negativ: Wie sind Erfahrungen mit privaten Lehrlingsagenturen? Sind Sie - auch außerhalb von Schleswig-Holstein - von ähnlichen Unternehmen kontaktiert worden? Schreiben Sie an die Redaktion.

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