Dem Rechtsanwalt zufolge können sich Handwerker durchaus aus der Haftungsfalle befreien.
Foto: DOC RABE Media - Fotolia.com

Recht

Leistungsbeschreibung: Vorsicht vor diesen Haftungsfallen

Baumängel können aus Fehlern in der Leistungsbeschreibung resultieren. Das kann für Handwerker teuer werden. Diese 5 Haftungsfallen sollten Sie kennen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Handwerker haften für Baumängel, die sie selbst verursacht haben. Das gilt grundsätzlich auch, wenn diese Mängel auf fehlerhafte Vorgaben in der Leistungsbeschreibung zurückzuführen sind.
  • Allerdings können sich Handwerker laut Rechtsanwalt Marco Röder durchaus aus dieser Haftungsfalle befreien, wenn sie dem Bauherrn ihre Bedenken gegen die geplante Bauausführung richtig mitteilen.
  • Wichtig ist dem Juristen zufolge, die Bedenken grundsätzlich schriftlich mitzuteilen. Denn nur so könnten sie im Streitfall beweisen, dass sie ihren Pflichten nachgekommen sind.
  • Zudem müssten Handwerker darauf achten, dass sie ihre Bedenken beim richtigen Ansprechpartner platzieren und Anweisungen vom richtigen Ansprechpartner bekommen.

Für Baumängel gibt es viele mögliche Gründe. Sie können zum Beispiel auf fehlerhafte Vorgaben in der Leistungsbeschreibung aber auch auf Anordnungen des Auftraggebers zurückzuführen sein. Für Handwerker kann das zum Haftungsproblem werden: „Bauausführende Unternehmen haften grundsätzlich bei Mängeln“, sagt Marco Röder, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei der Kanzlei Deubner & Kirchberg in Karlsruhe. Doch Betriebe könnten sich aus der Haftungsfalle befreien, wenn sie diese 5 Fehler nicht machen.

Preisdrücker: „Manche Architekten machen mich fassungslos“

Würden Sie teures Material monatelang kostenlos vermieten? Das hat ein Architekt von dieser Handwerksmeisterin verlangt. Er biss auf Granit.
Artikel lesen >

Fehler Nr. 1: Pläne einfach ausführen

Der Kunde hat den Auftrag erteilt und die Handwerker sind bereits auf der Baustelle im Einsatz. Doch bei der Bauausführung wird klar: Das, was der Auftraggeber in der Leistungsbeschreibung vorgegeben hat, funktioniert so nicht. Den Auftrag trotz Bedenken einfach so auszuführen, ist keine gute Idee: „In der Regel stehen Handwerker in solchen Fällen zu einem großen Teil in der Verantwortung“, sagt Rechtsanwalt Marco Röder. Das kann im Streitfall bedeuten, dass sie für Ausführungsfehler geradestehen müssen. Und das kann teuer werden.

Doch was ist zu tun, wenn Handwerker Bedenken gegen die geplante Bauausführung haben und kein unnötiges finanzielles Risiko eingehen wollen? „In solchen Fällen müssen sie ihre Bedenken dem Bauherrn schriftlich mitteilen“, sagt der Baurechtler. Das könnten sie beispielsweise per E-Mail oder per Fax machen, es müsse jedenfalls im Streitfall nachweisbar sein. „Schließlich schreibt die VOB/B nicht umsonst die Schriftform vor“, sagt Röder.

In ihrem Schreiben sollten Handwerker nach Ansicht des Juristen klar mitteilen:

  • welches Problem ihnen aufgefallen ist und
  • was sie alternativ vorschlagen.

„Zudem sollten Handwerker den Bauherrn um eine Anordnung bitten“, sagt Röder. Bevor sie weiterarbeiten können, müssten sie eine Entscheidung des Bauherren abwarten.

Fehler Nr. 2: Nur mündlich Bedenken anmelden

Bauherr und Architekt sind regelmäßig auf der Baustelle unterwegs. Da mag es naheliegen, Probleme direkt vor Ort zu besprechen. Doch dabei ist Vorsicht geboten: „Es reicht nicht, Bedenken mündlich beim Bauherren anzumelden“, betont Baurechtler Marco Röder. Das Problem daran: „Im Streitfall wird sich vor Gericht kein Architekt oder Bauherr an ein solches Gespräch erinnern.“ Aus diesem Grund rät der Rechtsanwalt Handwerkern dazu, Bedenken immer schriftlich anzumelden, um sich abzusichern. Die heutige Informationstechnologie erlaube es, direkt von der Baustelle eine Mail abzusetzen. „Davon sollte Gebrauch gemacht werden“, meint der Baurechtler.

Fehler Nr. 3: Bedenken nur dem Planer oder Architekten melden

Ein häufiger Fehler von Handwerkern ist laut Rechtsanwalt Marco Röder, dass sie ihren Bedenkenhinweis beim falschen Ansprechpartner platzieren. Das Problem: Handwerker wenden sich damit oft an den Planer und Architekten. „Die Bedenken müssen aber immer beim Bauherrn angemeldet werden“, erläutert Marco Röder.

Recht

So funktioniert eine Baubehinderungsanzeige

Verzögerungen im Bauablauf können für Betriebe teuer werden – auch wenn sie daran keine Schuld tragen. Mit einer Baubehinderungsanzeige können Sie sich rechtzeitig absichern.

Baurecht

Was Handwerker bei Kostenvoranschlägen beachten müssen

Kostensteigerungen oder eine Vergütung für den Kostenvoranschlag können zu Ärger mit Kunden führen. Ein Baurechtler erklärt, was Handwerker beachten müssen.

OLG-Urteil

Vorgaben des Auftraggebers: Wer haftet für Baumängel?

Ein Betrieb führt Arbeiten so aus, wie es der Auftraggeber vorgibt. Die Folge sind Baumängel. Dafür muss das Unternehmen haften.

Recht

Leistungen aus Gefälligkeit: Wer haftet bei Mängeln?

Kleine Gefälligkeiten sind auf dem Bau Gang und Gäbe. Aber solche Zusatzleistungen können Betriebe teuer zu stehen kommen. Das Problem: die Haftung bei Mängeln.