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Studienaussteiger im Handwerk

Leistungsträger gibt es nicht auf Knopfdruck

Studienabbrecher sind im Handwerk willkommen, besonders als Führungsnachwuchs. Doch wie kommt man an sie ran – und was wollen sie?

Studienaussteiger als Nachwuchs für das Handwerk - So ködern Sie Studienabbrecher: Handfeste Perspektiven, klare Karrierepläne und schnelle Ausbildungsschritte!
So ködern Sie Studienabbrecher: Handfeste Perspektiven, klare Karrierepläne und schnelle Ausbildungsschritte!
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Woher kommt eigentlich in Zukunft der Führungsnachwuchs im Handwerk? Eine interessante Quelle könnten Studienabbrecher sein. Von denen gibt es eine ganze Menge: Fast jeder dritte Student steigt irgendwann aus.

Doch die Studienaussteiger denken nicht automatisch an „Handwerk“, wenn sie sich neu orientieren. Und auch für die Chefs im Handwerk ist es eine Umstellung.

So ticken die Studienabbrecher
Worauf sich die Betriebe einstellen müssen, weiß Dieter Mertens, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta. Dort läuft seit einem Jahr das Projekt „Masterplan Handwerk". 20 Studienabbrecher für 20 Handwerksbetriebe, das war das Ziel, berichtet Mertens. Dieses Ziel hat er erreicht und kann nun wertvolle Einblicke und Erfahrungen an andere Betriebe weitergeben.

Gute Allgemeinbildung
„Studienabbrecher sind eine interessante Zielgruppe für Handwerksbetriebe“, betont Mertens. Denn sie bringen eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung mit.

Zudem sei bei ihnen die Gefahr gering, dass sie sich im Anschluss an die Ausbildung einen Studienplatz suchen – wie es häufig bei Abiturienten der Fall sei, die direkt nach der Schule eine Ausbildung machen.

Älter und diskussionsfreudig
„Studienabbrecher sind zwar deutlich älter als ein durchschnittlicher Auszubildender. Dafür haben sie aber auch mehr Lebenserfahrung“, sagt Mertens.

Eine Folge: Sie kommunizieren mehr und stellen Dinge auch infrage. Ihnen gehe es darum, die Arbeit möglichst gut zu machen. „Dafür muss man sich die Zeit nehmen, das kann sich lohnen“, sagt Mertens.

Eines sei jedoch ganz klar: Azubis stehen ganz unten in der Hierarchie, das gelte auch für Studienabbrecher. „Sie müssen damit zurechtkommen, dass es Mitarbeiter gibt, die vielleicht jünger sind und kein Abitur haben, aber die Fachkompetenz und das Sagen.“

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Studienabbrecher wollen Perspektiven

Mertens ist sich sicher, dass sein Projekt „Masterplan Handwerk“ vor allem durch den straffen Zeitplan für die Ex-Studies interessant ist: „Unser Hauptziel im Projekt ist immer der Meister“. Und das soll schnell gehen. Im Idealfall machen die Studienabbrecher binnen 2,5 Jahren ihren Meister.

„Die Bewerber stehen nach dem Abbruch vor dem Nichts und brauchen eine Perspektive. Da sind eine handfeste Ausbildung und eine Meisterprüfung attraktiv.“ Auch finanziell: Wer zum Beispiel ein Ingenieurstudium abbricht, könne als Meister ähnlich viel verdienen, wie mit einem abgeschlossenen Studium, sagt Mertens.

Studienabbrecher sind keine günstigen Arbeitskräfte!
Die wichtigste Konsequenz für die Arbeitgeberseite: Als günstige Arbeitskraft taugt der Abbrecher in der Ausbildung nicht, betont Mertens. Denn um es in nur 2,5 Jahren zum Meister zu bringen, müssen sie die Ausbildungszeit maximal verkürzen und den Meister in Vollzeit machen.

Die Folge: „Die Produktivität als junger Meister ist am Anfang nicht so hoch, das kommt dann mit der Praxis“, sagt Mertens. Mit anderen Worten: „Einen Studienabbrecher auszubilden, rechnet sich erst mittelfristig – das ist eine Investition.“

Daher sind Studienabbrecher vor allem für etwas größere Betriebe interessant, die langfristig planen und Führungsnachwuchs suchen. „Man bekommt Leistungsträger nicht auf Knopfdruck, die haben Lieferzeit.“

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Wie findet man Studienabbrecher?

Das ist nach Mertens Erfahrung gar nicht so einfach. „Sie laufen uns nicht zwangsläufig zu, da muss man sich schon bemühen.“

Sein Rat: „Es gibt kein Patentrezept. Aber bevor man in Anzeigen und Flyer investiert, sollte man sich lieber erste einmal im Bekanntenkreis umhören. Es studieren mittlerweile so viele und es gibt so viele Abbrecher – irgendwo ist immer einer, bei dem es nicht läuft. Die sollte man persönlich ansprechen.“ Auch soziale Netzwerke im Internet seien eine Möglichkeit.

Zudem sollte man sich bei Kammern und Innungen nach Projekten erkundigen. Immer mehr von ihnen kooperieren mit Universitäten und Fachhochschulen, um dieses Potenzial zu nutzen.

So geht es auch: Lehrstellenbörse!
Einen überraschend einfachen Weg kennt Konditormeister Bernd Leutbecher: Er hat bei der Lehrstellenbörse von AOK und Radio ffn mitgemacht und dort Ausbildungsplätz als Konditor und als Restaurantfachfrau angeboten. Das Ergebnis: 30 Bewerbungen – darunter gleich mehrere Studienabbrecher. „Aber nur für die Backstube, nicht eine für den Service“.

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(jw)

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