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Lieferantenkredit

Lieferantenkredite sind teuer

Lieferantenkredite sind bequem: Erst einkaufen und später zahlen. Dabei gibt es nur ein Problem. Sie verderben Ihre Rendite.

von Jörg Wiebking

Sabine Hesse (31) hat es längst erkannt: Lieferantenkredite kosten viel Geld. Wo immer es geht, bezahlt die Chefin der HesseDruckGmbH in Stade ihre Lieferanten sofort.

„Wir versuchen immer Skonto zu ziehen. Bei 75 Prozent unserer Einkäufe funktioniert das“, berichtet die Druckingenieurin. So spare sie „eine Menge Geld“ und habe es in Verhandlungen über Konditionen und bei Reklamationen leichter. „Die Lieferanten sehen, dass wir Skontozahler sind und kommen uns mehr entgegen.“

Lieferantenkredite sind teuer
„Der Lieferantenkredit ist nur scheinbar ohne Kosten zu haben“, sagt Wolfgang Miethke von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen.

„Der Lieferant hat bei der Kalkulation des Kaufpreises bereits den Skontobetrag berücksichtigt. Wer das Skonto nicht zieht, zahlt faktisch Zinsen.“ Und die liegen sehr hoch. Wie hoch genau, das hängt vom Skonto und der Skontofrist ab.

Wer zum Beispiel bei einem Zahlungsziel 30 Tagen und drei Prozent Skonto eine Skontofrist von acht Tagen verstreichen lässt, kommt auf einen Zinssatz von 49,1 Prozent. Zum Vergleich: Ein Kontokorrentkredit kostet höchstens zwölf bis 14 Prozent.

Einfach aber gefährlich
Lieferantenkredite seien zudem gefährlich, warnt Miethke. „Lange geht das gut, selbst wenn ein Handwerker das Zahlungsziel nicht einhält, aber was passiert, wenn sich die Verbindlichkeiten aufgehäuft haben und der Lieferant sein Geld plötzlich schneller will?“

Höhere Rendite dank Skonto
Wo immer es möglich ist, sollten Handwerker Skonto ziehen, rät Miethke. Das gehe nicht ohne eigene Anstrengungen. Denn abgesehen davon, dass auch ein Bankkredit Zinsen kostet, verweigere die Hausbank oft die Umschuldung.

Interne Lösungen seien aber auch möglich: „Der erste Schritt sollte es sein, die eigenen Forderungen schneller einzutreiben und das Geld für die Skontofrist zu nutzen“ Wenn das nicht reicht, könne es sich auch lohnen, Eigenkapital zuzuführen, zum Beispiel als Ehegattendarlehen oder aus eigenem Vermögen.

„Wer Skonto zieht, hat eine traumhafte Rendite“, betont Miethke. „Darüber sollte man vorher aber mit seinem Steuerberater oder einem Betriebsberater reden.“

Planvoll vorgehen
Ideal sei es, bei allen Lieferanten das Skonto zu nutzen. Wenn es mit der Finanzierung nicht gleich klappt, seien auch kleine Schritte sinnvoll. „Dann muss man seine Lieferanten analysieren“, rät Miethke: Wer macht den meisten Druck? Wer bietet das höchste Skonto? Wer ist unersetzlich? „Die müssen zuerst bezahlt werden.“

Selbst Skonto anbieten
Wer den Skontoabzug einkalkuliert, kann den Spieß auch umdrehen, rät Miethke: „Wenn der Kunde das Skonto zieht, hat der Handwerker trotzdem keine Erlösschmälerung aber sofortige Liquidität. Und wenn nicht, dann hat er eine sehr gute Verzinsung.“

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