Die elektronische Lohnabrechnung zum Selbstabruf erfordert laut einem Urteil, dass Mitarbeiter dieser Form der Übermittlung zustimmen müssen.
Foto: thodonal - stock.adobe.com
Die elektronische Lohnabrechnung zum Selbstabruf erfordert laut einem Urteil, dass Mitarbeiter dieser Form der Übermittlung zustimmen müssen.

Urteil

Lohnabrechnung zum Selbstabruf: Mitarbeiter müssen zustimmen!

Statt gedruckter Lohnabrechnungen erhält ein Mitarbeiter nur noch eine elektronische Version. Damit ist er nicht einverstanden und verklagt seinen Arbeitgeber – mit Erfolg.

Inzwischen stellen viele Betriebe die Lohnabrechnung in elektronischer Form zum Selbstabruf aus. Sie sparen so Papier, doch dürfen Betriebe so einfach auf eine gedruckte Abrechnung verzichten? Ein aktuelles Urteil liefert die Antwort.

Der Fall: Der Mann hat seine Abrechnungen seit September 2019 nicht mehr in Papierform erhalten. Stattdessen stellt ihm sein Arbeitgeber die Dokumente auf einem Online-Portal zur Verfügung, wo er sie mit Hilfe eines Passworts abrufen kann. Doch darauf verzichtet der Angestellte und klagt auf die Herausgabe von 15 Lohnabrechnungen in gedruckter Form.

Zettelwirtschaft adé: Meister schafft Tablets fürs Team an

Sie wollen digitalisieren und fürchten, dass sich ältere Mitarbeiter schwer tun könnten? Das ging diesem Meister auch so – aber er irrte.
Artikel lesen

Das Urteil: Der Betrieb muss die geforderten Abrechnungen erteilen, urteilt das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm und schließt sich dem Urteil der Vorinstanz an. Mit der auf dem Online-Portal abrufbaren Lohnabrechnung erfülle er seine Verpflichtung zur Erteilung einer Lohnabrechnung nicht.

Gemäß § 108 Abs. 1 Gewerbeordnung seien Arbeitgeber verpflichtet, eine Lohnabrechnung in Textform zu erteilen. Die Textform setze nicht nur die bloße Zurverfügungstellung voraus. Vielmehr müsse die Lohnabrechnung so auf den Weg gebracht werden, dass sie in den Machtbereich des Arbeitnehmers gelangt und er „unter gewöhnlichen Umständen von der Erklärung Kenntnis nehmen könne“.

Daran habe es in diesem Fall gefehlt. Denn der Zugang der Abrechnung in elektronischer Form sei nur dann gesetzeskonform möglich, wenn der Arbeitnehmer dieser Art des Zugangs „ausdrücklich oder konkludent“ zugestimmt hat. (LAG Hamm, Urteil vom 23.9.2021, Az. 2 Sa 179/21)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden! 

Auch interessant:

Bis März 2022: So zahlen Sie die steuerfreie Corona-Prämie richtig!

Bis zu 1.500 Euro als steuerfreie Corona-Prämie – das dürfen Chefs im Handwerk ihren Mitarbeitern zahlen. 7 Tipps, was Sie dabei beachten müssen.
Artikel lesen

Prozesse und Umsätze im Handwerk werden digitaler

Viele Handwerker wollen einer Studie zufolge in effizientere Prozesse durch Digitalisierung investieren. Auch digitale Märkte und Bezahlformen werden wichtiger.
Artikel lesen

Betriebliche Übung: Wenn nette Gesten zur Pflicht werden

Wer seinen Mitarbeitern Gutes tun will, sollte wissen, ab wann der Arbeitnehmer die Vergünstigung einfordern kann. Das Wichtigste zur Betrieblichen Übung.
Artikel lesen

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Handwerk Archiv

Lohnabrechnung via Internet

Lohnabrechnung via Internet

Mit einem für Deutschland neuen Dienstleistungsangebot geht lohndirekt.de auf den Markt.

    • Archiv

Digitalisierung + IT

Handwerker berichten: Darum nutzen wir digitale Zeiterfassung!

Vier Betriebe, vier verschiedene Zeiterfassungsapps – keine Sehnsucht nach dem alten Lohnzettel. Diese Handwerker verraten, wie sie mit digitaler Zeiterfassung Zeit und Nerven sparen und mehr Kontrolle über ihre Projekte bekommen.

    • Digitalisierung + IT, Personal, Software
Handwerk Archiv

Verlorene Zeit im Büro

Spaß zu Tode normiert

Formulare, Normen, Hürden: Eine besonders unnütze bürokratische Hürde zeigt, dass die aktuelle „Frustdebatte“ kein dummes Gerede ist – Handwerksunternehmer sind zu recht genervt.

    • Archiv

Digitale Zeiterfassung

Der Stundenzettel als digitale App

Das gesetzlich geforderte Berichtswesen am Bau ist nicht ohne. Viel Papierkram, viel Erfassung am Rechner im Büro. Einfacher geht das mit dem Smartphone. Vor allem dann, wenn ein Bauunternehmer hinter der Entwicklung steckt.

    • Digitalisierung + IT