Foto: Hersteller, Montage: handwerk.com

Fuhrpark

Elektro-Nutzfahrzeuge 2018: Lust auf Zukunft?

Immer mehr namhafte Hersteller bieten recht alltagstaugliche Nutzfahrzeuge mit Elektromotor für das Handwerk an. Preise: erschwinglich. Eine Marktübersicht.

Auf einen Blick

  • Der Markt erwacht: Immer mehr Hersteller haben Elektrofahrzeuge im Angebot. Sie ziehen auch bei den Nutzfahrzeugen nach.
  • Interessant für manchen Einsatz: Mit Zuladungen bis knapp einer Tonne und realen Reichweiten bis zu 200 Kilometer, eignen sich einige Elektronutzfahrzeuge auch für den Einsatz im Handwerk.
  • Kostenvergleich: Berechnungen des ADAC zeigen, dass Elektrofahrzeuge immer günstiger werden. Einige Modelle haben ihre Verbrenner-Pendants sogar schon überholt.
  • Marktübersicht: Diese Elektro-Nutzfahrzeuge könnten Sie schon jetzt in Ihrem Fuhrpark haben.

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von Denny Gille

Schummelsoftware, Tierversuche, drohende Fahrverbote: Mit dem Dieselmotor ist die Automobilindustrie gehörig ins Kreuzfeuer geraten. Ob er – zumindest in der Stadt – überhaupt noch eine Zukunft hat, wird zunehmend ungewiss.

Auf der Straße selten zu sehen

Der Elektromobilität müsste das eigentlich helfen, doch können ihre Anhänger von den Absatzzahlen der Dieselverbrenner weiterhin nur träumen. Die Zahlen des Kraftfahrtbundesamts zeigen: An den Neuzulassungen 2017 war der Diesel noch zu einem Drittel beteiligt. Der Anteil an Elektroautos lag dagegen bei mageren 0,7 Prozent. Das allein im PKW-Bereich, wo inzwischen ein gutes Dutzend namhafter Hersteller Elektromodelle im Angebot hat.

Lohnt es sich da für Handwerker überhaupt, ernsthaft über die Anschaffung eines Nutzfahrzeugs mit Elektroantrieb nachzudenken? Sind sie nicht viel zu teuer, die Reichweiten zu gering und die Transportkapazitäten kaum alltagstauglich?

Einige dieser Kritikpunkte treffen sicher noch zu. Wahr ist aber auch: Bei den Preisen haben Elektrofahrzeuge inzwischen aufgeholt, sind teilweise sogar günstiger als die Verbrennerkonkurrenz. Zwar mögen die Elektroflitzer sich selten als alleiniges Fortbewegungsmittel im Fuhrpark eignen. Zur Unterstützung der Flotte aber können sie interessant sein. Etwa als Service-Fahrzeug im Stadtgebiet. Da genügen die realen Reichweiten von bis zu 200 Kilometern und Nutzlastspannen zwischen 500 und knapp 1000 Kilogramm schon den Mindestanforderungen vieler Gewerke (siehe unsere Übersicht aktuell verfügbarer Elektro-Nutzfahrzeuge).

Förderung: Diese Unterstützung gibt es auch für E-Nutzfahrzeuge

Der größte Kostenfaktor der Elektrofahrzeuge sind die Ausgaben für die Batterie. Sie belasten die Rechnung mit ein paar Tausend Euro mehr. Die Bundesregierung wirkt diesem Kostentreiber mit zwei Fördermitteln entgegen:

  • Geldgeschenk: Wer ein neues Elektroauto kauft, bekommt 4000 Euro Zuschuss. Davon kommen 2000 Euro aus der Staatskasse für Modelle, auf die der Hersteller ebenfalls 2000 Euro Nachlass gewährt. Welche Modelle das genau sind, steht in der Liste der förderfähigen Fahrzeuge des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).
  • Steuererbefreiung: Wer bis spätestens 31. Dezember 2020 ein Elektrofahrzeug neu zulässt, ist ab dem Tag der Erstzulassung zehn Jahre lang von der Kfz-Steuer befreit.

Anschaffung und Unterhalt: Wie konkurrenzfähig sind die Stromer?

Wie ist es also um die Kosten der Elektrofahrzeuge bestellt? Der ADAC kennt die Kosten für Dieselautos, Benziner und Elektromodelle. Demnach sind Elektroautos in der Anschaffung teurer, dafür aber günstiger im Unterhalt:

  • Elektrofahrzeuge kosten weniger im Betrieb, weil Strom günstiger ist als Sprit. Je mehr Kilometer Ihr Elektroauto zurücklegt, desto schneller amortisiert es sich gegenüber Benziner und Diesel.
  • Elektrofahrzeuge sind weniger wartungsintensiv, weil zum Beispiel keine Öl- und Filterwechsel nötig sind.
  • Neben der entfallenden Kfz-Steuer kann auch die Versicherung günstiger sein, denn einige Versicherungen vergeben laut ADAC Öko-Boni für Elektroantriebe.

So haben einige Elektroautos die Verbrennerkonkurrenz in den Gesamtkosten bereits geschlagen. Das zeigt der ADAC in einem aktuellen Kostenvergleich zwischen Elektromodellen und ihren konventionell angetriebenen Pendants (Stand Januar 2018). Zum Teil können Elektroautos schon mehrere Cent pro Kilometer einsparen. Häufig aber müssen sie noch Boden gutmachen – nicht selten 5 Cent pro Kilometer.

Beispielrechnung: Nissan NV200 und e-NV200

Das Nutzfahrzeug, für das der ADAC bereits genügend Daten zum Kostenvergleich zwischen Elektromotor und Diesel hat, ist der Kleintransporter Nissan NV200, beziehungsweise seine Elektrovariante e-NV200.

Ausgehend von einer fünfjährigen Haltedauer mit 15000 Kilometern Jahresfahrleistung, liegt die Premium-Dieselversion bei Kosten von 47,6 Cent pro Kilometer. Für das elektrisch angetriebene Premium-Modell vergleichbarer Motorleistung gibt es zwei Varianten: Kaufpreis inklusive Batterie oder Miete der Batterie. Beide Elektroversionen sind laut Kostenauswertung NV200 und e-NV200 günstiger als der Diesel. Während die Version mit Batteriemiete 46,6 Cent pro Kilometer kostet, punktet das Modell bei Batteriekauf mit noch günstigeren 44,9 Cent pro Kilometer. (Die Rechnung stammt aus einem halbautomatischen Vergleich mit dem ADAC-Kostenrechner. Die Kosten pro Kilometer weichen dort im Zehntel-Cent-Bereich von den Werten in der ADAC-Übersicht "Kostenvergleich E-Fahrzeuge" ab).

Neugierig geworden? Das sind die verfügbaren Elektronutzfahrzeuge.

Aber welche Fahrzeuge können Sie überhaupt schon jetzt kaufen? Wir haben uns im Markt umgesehen und die aktuell verfügbaren Elektro-Nutzfahrzeuge für Sie in der Übersicht Elektronutzfahrzeuge zusammengefasst. Sieben Modelle sind in der angehängten Tabelle enthalten. Bei der Auswahl haben wir uns auf Fahrzeuge beschränkt, die auch nach der Bafa-Liste mit 4000 Euro Zuschuss förderfähig sind.

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