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Betriebskindergarten im Aufbau

Mehr für Mitarbeiter machen

Starke Idee im Kampf um Fachkräfte: In Oldenburg haben 14 Betriebe eine Genossenschaft gegründet. Ihr Ziel: Eine Kinder­tages­stätte, wo Mitarbeiter ihren Nachwuchs unterbringen können.

 - Der Betriebskindergarten soll Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
Der Betriebskindergarten soll Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
MEV

„Die Idee ist vor knapp einem Jahr entstanden“, sagt Bernd Weber. Eigentlich leitet er das Audi-Zentrum Oldenburg. Seit Kurzem sitzt er aber auch der Genossenschaft „KiTaP (KinderTagesGroßpflegestätte) Mühlengarten eG” vor. „Unser Ziel ist es, den Kindergarten am 1. Juli kommenden Jahres zu eröffnen“, berichtet er.

Und warum der ganze Aufwand? Allein Weber rechnet, dass er derzeit gut einen halben Tag Zeit in das Projekt steckt.

„Es wird künftig weniger um die letzten zehn Euro auf dem Gehaltsstreifen gehen, als viel mehr um die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter“, antwortet Uwe Becker. „Die sogenannte Generation Y ist mobiler“, meint der Oldenburger Malermeister. Daher werde es immer wichtiger, Mitarbeiter längerfristig ans Unternehmen zu binden. Das gehe nach seiner Einschätzung weit über das Berufliche hinaus – hinein ins Private. Passen die Rahmenbedingungen, wächst die Bindung und die Mitarbeiter bleiben, sagt Becker. Weil er das weiß, hat er reagiert und ist der Genossenschaft beigetreten.

Was die Aktiven konkret auf die Beine stellen wollen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

1. Juli 2015
  - Die Mitglieder der Genossenschaft KiTaP Mühlengarten wollen ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
Die Mitglieder der Genossenschaft KiTaP Mühlengarten wollen ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.
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Ziel der „KiTaP Mühlengarten eG” ist die Gründung einer sogenannten Großtagespflegestätte im Gewerbegebiet Tweelbäke vor den Toren Oldenburgs.

Offenstehen soll der Kindergarten vor allem dem Nachwuchs der Mitarbeiter, die bei den Betrieben im Gewerbegebiet arbeiten, aber auch weiteren Kindern in Oldenburg. Ein Novum in der Region – vor allem, weil kein einzelnes Unternehmen hinter dem Projekt steht, sondern aktuell 14. Die Spanne reicht vom Audi Zentrum über Beckers Maler-Betrieb und anderen Handwerksunternehmen, wie die Werbeexperten „Die Druckmacher“, bis hin zu Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich.

Aktuell arbeiten inzwischen drei Ausschüsse auf Hochtouren, damit die KiTa-Pläne nach und nach Gestalt annehmen. Besonders aktiv ist laut Weber das Gremium, das sich um die pädagogische Ausrichtung der künftigen KiTaP kümmert. „Die sehen sich derzeit verschiedene Einrichtungen an und vergleichen die Konzepte“, sagt Weber. „Die sind richtig Feuer und Flamme.“ Steht das pädagogische Konzept, kümmert sich der Bauausschuss um die Umsetzung. Parallel verhandelt der Finanzausschuss mit potenziellen Betreibern der Großtagespflegestätte.

Was der nächste große Meilenstein auf dem Weg zur KiTa ist, lesen Sie auf Seite 3.

Auf Wachstum ausgelegt
 - Das neue Gebäude soll erweiterbar werden.
Das neue Gebäude soll erweiterbar werden.
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Ein nächster großer Meilenstein auf dem Weg zur Eröffnung der KiTaP am Mühlengarten ist im September die Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt Oldenburg. „Dort erfahren wir, wie sich die Stadt finanziell an dem Projekt beteiligt“, sagt Weber. Grundsätzlich habe die Stadt schon Unterstützung signalisiert, doch dann werden Fakten folgen. Ziel ist es, in dem Gewerbegebiet, in dem rund 3500 Beschäftigte in 120 Betrieben arbeiten, ein ganztägiges Betreuungsangebot zunächst für 8 bis 15 Kinder zu schaffen.

Fest steht, dass für die KiTaP ein neues Gebäude errichtet werden soll. Auch darüber ist man bereits mit der Stadt als Eigentürmerin der Fläche im Gespräch. Errichtet wird das Gebäude in modularer Bauweise. „Wenn das Angebot also gut angenommen wird, sind wir auf Wachstum ausgelegt.“

Weber selbst hat in seinem Betrieb schon zwei Aspiranten auf jeweils einen Kindergartenplatz. Werbespezialist Stefan Sander hat aktuell keinen – „auch wenn wir inzwischen in jeder Abteilung zumindest eine Frau haben.“ Doch Sander hat noch einen ganz anderen Aspekt im Hinterkopf und schlägt in die gleiche Kerbe wie Malermeister Becker: „Die Verbindung von Familie und Beruf nimmt an Bedeutung immer weiter zu. Mit einem entsprechenden Angebot wächst die Attraktivität als Arbeitgeber“, sagt der Werbetechniker.

Außerdem könne eine solche Einrichtung helfen, mit außergewöhnlichen Situationen umzugehen. Wie wichtig das sein kann, hat Sander vor ein paar Jahren erlebt, als die Frau eines Mitarbeiters gestorben ist. „Plötzlich stand der Angestellte als alleinerziehender Vater da“, erinnert sich Sander.

Zwar habe er auch damals mit seinem Mit­arbeiter eine für beide Seiten tragfähige Lösung gefunden. Doch die Möglichkeiten, die eine nahegelegene Kindertagesstätte bietet, seien auch in weit weniger dramatischen Situationen ein Riesenvorteil.

Und warum eine Genossenschaft? Mehr über die Beweggründe sich für diese Rechtsform zu entscheiden, lesen Sie auf der letzen Seite.

Genossenschaft schnell Konsens
  - Auch wenn der edle Renner noch nicht das erste Spielzeug der neuen KiTa ist, haben die Macher hinter der Genossenschaft KiTaP Mühlengarten sichtlich Freude daran.
Auch wenn der edle Renner noch nicht das erste Spielzeug der neuen KiTa ist, haben die Macher hinter der Genossenschaft KiTaP Mühlengarten sichtlich Freude daran.
Hamacher

Als die Idee einer gemeinsamen Betriebs-Kindertagesstätte etwas gereift und die ersten Mitstreiter gefunden waren, stand die Frage nach der Rechtsform der Betreibergesellschaft im Raum. Ein Gespräch mit Abteilungsleiter Harald Lesch vom Genossenschaftsverband Weser-Ems lenkte die Macher auf das Modell einer gemeinsamen Genossenschaft. „Erst hatten wir an einen Verein gedacht, doch die Flexibilität der Genossenschaft ist viel besser“, sagt Bernd Weber, Vorstands­vorsitzender der KiTaP Mühlengarten eG.

Was ihn und die anderen Gründungsmitglieder überzeugt hat: „Vieles ist von vornherein klar geregelt und muss nicht, wie bei einem Verein, erst selbst entwickelt werden“. Was Weber ­außerdem lobt: „Die Beratung durch den Verband in Oldenburg. Das hat alles gar nicht lange gedauert, dann hatten wir ein Modell, was genau auf unsere Anforderungen passte.“

„Wir bieten unseren angehenden Mitgliedsgenossenschaften mehrere Beratungsbausteine in der Gründungsphase an“, erläutert Lesch, der beim Verband unter anderem für die Gründungsberatung zuständig ist. „Mit Hilfe einer unserer Berater wird dann das für die jeweilige Geschäftsidee passende Konzept ausgearbeitet.“

In den zurückliegenden Jahren erfreue sich die genossenschaftliche Idee wieder wachsender Beliebtheit in Weser-Ems – und das in ganz unterschiedlichen Bereichen.

Interessantes Modell? Könnten Sie sich vorstellen, dass das auch an Ihrem Standort zu realisieren wäre? Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzung. Nutzen Sie gern die Kommentarfunktion am Ende des Textes oder schreiben mir eine Mail an: hamacher@handwerk.com.

(ha)

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