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Vorsorge vom Chef

Mehr vom Lohn ohne Mehrkosten

Mitarbeiter könnten mehr aus ihrem Lohn machen - mithilfe des Chefs: Entgeltumwandlung stärkt Motivation und Finanzen.

Mehr Netto vom Brutto – für Klaus Böckmann ist das keine politische Forderung, sondern betriebliche Praxis. „An den Steuergesetzen können wir nichts ändern, aber wir haben andere Möglichkeiten, unsere Mitarbeiter zu unterstützen, damit sie mehr von ihrem Gehalt haben“, sagt der Chef der Böckmann Fahrzeugwerke GmbH in Lastrup.

Telefon, Internet und Altersvorsorge per Entgeltumwandlung

Der Unternehmer setzt auf Entgeltumwandlung: Einen Teil ihres Bruttolohns können die 250 Mitarbeiter vom Arbeitgeber umwandeln lassen – in betriebliche Altersvorsorge, aber auch in die private Nutzung von Dienstwagen, Telefon oder Internet. Die eine Variante bringt deutlich mehr Rente im Alter, die andere sofort etwas mehr Geld im Portemonnaie. „Aber die Altersvorsorge ist für die Mitarbeiter das Wichtigste, sie lohnt sich finanziell auch am meisten“, betont Böckmann.

Mehr Motivation ohne Mehrkosten

„Die Entgeltumwandlung führt zu einem höheren Reallohn, ohne dass dabei die Personalkosten steigen“, bestätigt Dr. Cord Imelmann von der Status Beratungsgesellschaft für moderne Vergütung mbH in Oldenburg. Für Imelmann ist sie „eine optimale Möglichkeit, die Motivation der Mitarbeiter zu steigern“.

Beispiel Handy: Ein Drittel der Kosten sparen

Wie das funktioniert, erläutert der Experte an einem Beispiel: Will ein Mitarbeiter ein neues Smartphone samt Flatrate für 50 Euro monatlich anschaffen, so könnte auch der Arbeitgeber das Gerät kaufen, die 50 Euro monatlich vom Bruttolohn des Arbeitnehmers zahlen und ihm das Gerät zur privaten Nutzung überlassen.

Die Folge: Das zu versteuernde Einkommen des Arbeitnehmers sinkt und damit seine Steuerlast. „Netto bekommt der Arbeitnehmer nicht 50 Euro weniger ausgezahlt, sondern je nach Steuerklasse und Einkommen sind es vielleicht nur 35 Euro“, sagt Imelmann. Mit anderen Worten: Der Mitarbeiter verfügt über das Handy und spart jeden Monat 15 Euro.

Per Vertrag vereinbaren Chef und Arbeitnehmer dessen Nutzungsanspruch ebenso wie seinen Anspruch, das Gerät bei Ausscheiden aus dem Betrieb oder am Ende der Abschreibungsfrist zu übernehmen.

Betriebliche Altersvorsorge bringt am meisten

Die Entgeltumwandlung habe der Gesetzgeber allerdings unter anderem auf Telefone, Computer, Dienstwagen und die betriebliche Altersvorsorge beschränkt, berichtet Imelmann. „Bei der betrieblichen Altersvorsorge ist dafür der finanzielle Vorteil für die Mitarbeiter besonders groß, denn sie ist bis zu einer gesetzlichen Höchstgrenze nicht nur von Steuern, sondern auch von Sozialabgaben befreit.“

Zahle zum Beispiel ein Mitarbeiter mit 2000 Euro Bruttolohn und Steuerklasse I monatlich 200 Euro in die betriebliche Altersvorsorge ein, so koste ihn diese Rücklage netto lediglich 106,30 Euro. Auch der Arbeitgeber spart dabei Sozialversicherungsbeiträge. Klaus Böckmann streicht diese Summe allerdings nicht selbst ein. „Wir wandeln die Ersparnis in einen Arbeitgeber-Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge um“, betont der Unternehmer. „Wir wollen unser Team ja zur Altersvorsorge motivieren und nicht daran verdienen."

Für jeden Betrieb geeignet

Dass die Entgeltumwandlung in betriebliche Altersvorsorge keine Frage der Unternehmensgröße ist, bestätigt Andreas Fritzsching: „ Wir haben sechs Mitarbeiter, fünf von ihnen nutzen die betriebliche Altersvorsorge“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter der Leto Kunststoff-Technik GmbH amp; Co KG in Wilhelmshaven.

Auch Fritzsching steckt die eingesparten Sozialabgaben komplett in die Altersvorsorge seines Teams. „Das kostet uns nichts, und für die Mitarbeiter ist es ein Anreiz, etwas für ihre Altersvorsorge zu tun. Denn netto sind die Kosten für sie minimal.“

So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Wie die Entgeltumwandlung in betriebliche Altersvorsorge funktioniert, erläutert Vergütungsexperte Dr. Cord Imelmann aus Oldenburg:

Anspruch: Mitarbeiter haben einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Fordert ein Mitarbeiter Entgeltumwandlung, muss der Arbeitgeber ein Angebot machen.

Formen: Frei sind Arbeitgeber bei der Wahl des Durchführungsweges. Infrage kommen Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse, Direktzusage und Pensionsfonds. Die Wahl hängt von vielen Faktoren ab, etwa vom Preis-Leistungs-Verhältnis wie auch von Aufwand und Haftung des Arbeitgebers.

Förderung: Gefördert werden Einzahlungen bis zu vier Prozent der gesetzlichen Beitragsbemessungsgrenze (in 2010: 2640 Euro jährlich). Diese Zahlungen bleiben steuer- und sozialabgabenfrei.

Gesetzliche Rente: Durch die Abgabenfreiheit sinkt der gesetzliche Rentenanspruch leicht. Kompensieren können Arbeitgeber das, indem sie den eingesparten Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben (teilweise) in einen Zuschuss zur Vorsorge umwandeln.

Besonderheiten: Für die Rente fallen im Alter Steuern, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. Da Alterseinkünfte meist niedriger sind als heutige Einkünfte, fallen die Abgaben niedriger aus.

Ab 2019 können Mitarbeiter einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge verlangen – aber nur bei Entgeltumwandlung.
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Vorsorge

Entgeltumwandlung im Überblick

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So können Sie den Nettolohn Ihrer Mitarbeiter aufstocken.
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