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Social Media Marketing

Mit Facebook zu mehr Kunden

Wer online-affine Zielgruppen im Internet erreichen will, kann für seinen Betrieb einen Facebook-Account einrichten. Aber Vorsicht: Nur, wer auch wirklich präsent ist, für den lohnt sich der Aufwand.

 - Foto: MEV, Montage: Reis
Foto: MEV, Montage: Reis

von Martina Jahn

Fotos von frischen Frisuren, Ankündigungen von neuen Aktionen, freie Termine im Salon: Friseurmeisterin Andrea Bohlke nutzt den Facebook-Auftritt ihres Betriebs (hier geht`s zu ihrer Seite) in Damme vielfältig. "Erst durch meinen privaten Account bin ich auf die Idee gekommen, eine Firmenseite einzurichten", sagt die 42-Jährige. "Ganz locker" wolle sie mit Kunden und Kontakten auf der Online-Plattform umgehen. "Ich sehe das nicht nur als reines Marketinginstrument, sondern auch als Kommunikationsmittel", sagt Andrea Bohlke.

"Ob sich eine Unternehmensseite bei Facebook lohnt, hängt von dem Betriebe selbst und seiner Zielgruppe ab", sagt Jutta Westphal aus Düsseldorf, Beraterin auf diesem Gebiet. Wer eine online-affine und junge Zielgruppe bediene, könne sie da er­reichen, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen – im Internet. Fest stehe, dass sich so genannte Fans einer Unternehmensseite Mehrwert versprechen. "Der kann in Form von Gewinnspielen, vorzeitigen Informationen oder bestimmten Aktionen ver­mittelt werden", betont Westphal. Wer ausschließlich ­Pressemitteilungen auf Facebook veröffentliche, brauche nicht auf viele Besucher der Seite hoffen.

130 Fans in drei Monaten
Handwerksmeisterin Bohlke hat offenbar ein Händchen für Facebook. Denn innerhalb von drei Monaten sind über 130 Mitglieder auf ihre Seite aufmerksam geworden. Wie ist sie vorgegangen? "Ich habe geschaut, wer von unseren Kunden hier aktiv ist und habe ungezwungen Anfragen gestellt", berichtet die Unternehmerin. Dass das so unkompliziert war, freut sie besonders.

 - Foto: Privat
Foto: Privat

Auch ihre Mitarbeiter sind bei Facebook aktiv und gestalten die Fanseite mit. "Alle identifizieren sich mit dem Betrieb, sind motiviert und Kunden gegenüber aufgeschlossen", sagt sie. Sonst würde das Konzept wohl nicht aufgehen. Dass nicht zwangsläufig nur der Chef oder die Chefin den Account befüllen müssen, bestätigt Expertin Westphal: "Online-affine und zielgruppennahe Mitarbeiter kommen sicher auch gut an." Entscheidend sei, dass der Betriebsinhaber hinter dem Projekt steht und seinem Team auch die Zeit gibt, sich dienstlich mit Facebook zu beschäftigen.

Neukunden durch Facebook
Chefin Andrea Bohlke befüllt die Seite vom Computer im Geschäft aus und wenn sie unterwegs ist, nutzt sie dafür ihr iPhone. Einen Fotoapparat hat sie im Salon immer griffbereit. Die Bilder von der neuesten Frisur oder ein Vorher-Nachher-Vergleich sind also schnell hochgeladen. Bevor Infos und Bilder von Kunden ins Netz stellt, holt sie sich das Einverständnis.

Dass Kunden sie auf ihren Auftritt bei Facebook ansprechen, motiviert die Unternehmerin. "Wir generieren sogar Neukunden mit dem Online-Auftritt bei Facebook", berichtet sie. Angst, dass ihre Daten in falsche Hände geraten könnten, hat die Handwerksmeisterin nicht. "Der Betrieb steht sowieso in der Öffentlichkeit, das kann ich gar nicht verhindern", sagt die Chefin von sechs Mitarbeitern. Sie sei sich dennoch bewusst, dass sie auch bei Facebook ausschließlich auf einer niveauvollen Ebene kommuniziert – im Internet genauso wie im Salon oder anderswo.

ÜBRIGENS: Auch wir sind mit handwerk.com auf Facebook aktiv. Schauen Sie doch mal vorbei!

Tipps für die Einrichtung und Betreuung einer Facebook-Fanseite haben wir auf der nächsten Seite für Sie zusammengetragen.

Diese Tipps sollten Sie beachten

Wie Sie Ihren Betrieb über Facebook bekannter machen, erklärt Beraterin Jutta Westphal aus Düsseldorf.

Fanseite vs. Profilseite: Vielen Usern bekannt sind private Profilseiten. Per Freundschaftsanfrage vernetzen sich die Facebook-Nutzer untereinander, schreiben sich Nachrichten oder einen Spruch auf der Pinnwand. Eine Fanseite funktioniert anders: Eine Firma richtet sie mit Informationen für seine Nutzer oder Kunden ein. Der größte Unterschied zur Profilseite ist, dass man nicht Freund mit der Firma wird, sondern Fan – bzw. man bekennt sich durch einen Klick dazu, dass einem der Betrieb oder das Produkt gefällt.

Pro amp; Contra: Bevor Sie starten, überlegen Sie genau, wer Ihre Zielgruppe ist. Gut gemachte Seiten stoßen auf positive Resonanz, halbherzige Seiten lohnen den Aufwand nicht.

Kommunikation: Wer eine Facebook-Seite eröffnet, sollte jeden Tag draufschauen. Schnelle Reaktion auf Fragen ist ein Muss. Wer eine Seite eröffnet und sie nicht entsprechend begleitet, macht etwas falsch.

Interessenten gewinnen: Auf eine Firmenseite kann man nicht gezielt einladen. Bitten Sie Geschäftspartner, Kunden und Mitarbeiter darum, andere darauf aufmerksam zu machen. Auch Newsletter oder Pressemitteilungen sind dafür geeignet. Aufmerksamkeitsstark ist auch ein Hinweis auf Briefkopf oder Signatur.

Zeitaufwand: Wieviel Sie investieren, hängt von der Betriebsgröße und der Anzahl der Fans ab. Einer im Betrieb muss permanent zuständig sein. 15 Minuten am Tag reichen aus. Aktionen, Einstellen von News und Gewinnspielen zählen extra.

Datenschutz: Ungewollt kann eigentlich nichts im Netz landen. Unter „Einstellungen“ können Sie definieren, wer welche Bereiche einsehen darf. Erlauben Sie es, Ihren "Fans" Fotos etc. auf Ihre Seite hochzuladen, müssen sie das beobachten. Im Zweifelsfall sind Sie datenschutzrechtlich angreifbar. Wichtig ist deshalb, dass Sie Ihre Seite moderieren. Authentizität und Offenheit ist das A und O im Social Web.

Auf einer privaten Profilseite sollten Sie genau prüfen, welche Daten Sie preisgeben. Facebook ist schon mehrmals von Verbraucherschützern kritisiert worden. Beachten Sie unbedingt die Einstellungen unter "Privatsphäre".

Einen Buchtipp zum Thema Facebook finden Sie auf der nächsten Seite.

Fast alle machen schon mit
 - Cover: Ueberreuther
Cover: Ueberreuther

Ein Profil bei Facebook kostet nichts und bringt viel - nicht nur Privatpersonen, sondern auch Firmen profitieren von dem Internetdienst. Viele Unternehmen haben wegen des enormen Marketing-Wertes sogar ihre Homepages komplett durch einen Facebook-Auftritt, schreibt Jakob Steinschaden.

In seinem Buch "Phänomen Facebook" gibt der Österreicher einen umfangreichen Überblick zum Thema Facebook. Firmen, die den Dienst nutzen rät er, sich bewusst mit der Arbeitsweise auseinanderzusetzen, denn das "Phänomen Facebook" greife in alle Lebensbereiche ein und nur die Wenigsten wüssten, wie man richtig damit umgeht.

Facebook habe inzwischen weite Kreise gezogen, betreffe mittlerweile das Berufs- und Privatleben. Unternehmen, die viel mit Social Media arbeiten, rät der Experte, der selbst Journalist ist, so genannte "Social Media Guidelines" einzusetzen. Sie regeln, wie beispielsweise ein Facebook-Account im Sinne des Arbeitgebers genutzt werden soll und darf. Wer sich noch nicht mit der Betreuung von Firmenseiten in dem Netzwerk beschäftigt hat, für den ist die Lektüre durchaus lohnenswert.

Jakob Steinschaden: „Phänomen Facebook: Wie eine Website unser Leben auf den Kopf stellt“, Überreuther (2010), 207 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-80007-488-4

(ja)

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