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Umsatzsteuer-Befreiung

Mit wie viel Geld kann ein Handwerker auskommen?

Kann ein Handwerker mit 17.500 Euro Jahresumsatz auskommen – oder muss er schwarz dazuverdienen? Genau darum dreht sich die Diskussion um die Abschaffung der Umsatzsteuerbefreiung für Kleinstbetriebe.

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Bau- und Ausbaugewerke fordern Ende der Umsatzsteuer-Befreiung
Auch andere sehen das Problem. "Erschreckend viele Betriebe liegen unter dieser Einkommensgrenze", sagt Rudolf Voos, Geschäftsführer des Fachverbandes der Fliesenleger. "Manche nutzen die Steuererleichterung nur, um einen Eintrag bei der Handwerkskammer zu haben und treiben dann ihr Unwesen", sagt Voss. Die Konsequenz: Die Fliesenleger sind gegen die Befreiung.

"Schwarzarbeit ist auch am Bau ein massives Problem", bestätigt Barbara Rosset, Rechtsanwältin beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Rosset ist sich sicher, dass viele Betriebe den Jahresumsatz bewusst niedrig halten und sich mit Schwarzarbeit etwas dazuverdienen. Was fehlt, seien strengere Kontrollen.

 

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"Wer kann von 500 Euro im Monat leben?"

Für die Friseure ist eines klar: Das Steuer-Privileg muss weg. Und: Mit einem Jahresumsatz von 17.500 Euro kann man eigentlich gar nicht leben. "Ich kenne niemanden, ausgenommen Existenzgründer, bei dem der Laden so schlecht läuft", sagt René Krombholz, Friseurmeister aus Düsseldorf und Betreiber des Portals friseur-news.de.

Betriebe, die die Umsatzsteuer nicht abführen müssen, haben seiner Meinung nach einen riesengroßen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb. Seine Rechnung: Wer 17.500 Euro im Jahr, also etwa 1450 Euro im Monat Umsatz hat, trägt bei einer Gewinnspanne von 17 bis 22 Prozent etwa 500 Euro im Monat Gewinn nach Hause. "Wer kann davon leben?“, fragt der Unternehmer. Schwarzarbeit oder Hartz IV sind nach seiner Auffassung die Mittel zur Aufstockung.

Kann man das auch anders sehen? Durchaus, meint handwerk.com-User Tobias Claren und macht die Gegenrechnung auf. Wie das funktioniert? Das lesen Sie auf der nächsten Seite!

 

"Auf Stastussymbole verzichten – dann reichen 500 Euro"

Eigentlich wollte Tobias Claren in seinem Kommentar nur auf die Kritik an den angeblich zahllosen Billig-Handwerkern auf MyHammer antworten. Doch seine Argumentation passt nahtlos in die Diskussion über Umsatzsteuer-Befreiung und Schwarzarbeit:

Claren: " … So ein satter niedergelassener Handwerker hält es für normal, seine € 2500 – € 4000 oder mehr im Monat zu haben, oder? Hält es für normal, ein Einfamilienhaus zu haben. Hält es für normal, alle paar Jahre einen Neuwagen ab € 35.000 zu fahren. Hält es für normal, zwei Mal im Jahr für € 2000 zu verreisen. Nur um das klar zu stellen, das ist KEIN Neid …

Diese satten Typen halten es für selbstverständlich, dass jemand Firmenräume hat. Das geht bei vielen Handwerkern auch von daheim ... Dass jemand einen Fuhrpark oder speziellen Firmenwagen hat. Das ist auch unnötig … Wenn man das alles nicht hat, kann man wahrscheinlich auch einen €-1000-Auftrag für € 200 anbieten.

Wenn jemand € 500/Monat zum Leben reicht, oder die Person aus was für Gründen auch immer einen gesicherten Lebensunterhalt hat, können die Preise sogar willkürlich gering sein (natürlich reale Kosten deckend), und sind immer noch erst gemeint. …"

Clarens ganzen Kommentar finden Sie hier

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Der Zoll wird das schon regeln
Friseurmeister Krombholz aus Düsseldorf -
Foto: Privat

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