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Personal

Mitarbeitersuche: Ein Maler macht Abstriche

Rechenprobleme beim Farbenmischen und dann auch noch ständig Burnout-gefährdet: Ein Malermeister hat bei der Mitarbeitersuche viel Pech gehabt. Jetzt versucht er es auf die beißend-witzige Art.

Auf einen Blick:

  • Der Handwerksmeister Patrik Lalk sucht verweifelt nach neuen Mitarbeitern. Seine Ansprüche musste er schon herunterschrauben, aber er hat bestimmte Mindestanforderungen.
  • Kürzlich hat er es mit einer sarkastisch formulierten Stellenanzeige in der Zeitung versucht und damit für Reaktionen gesorgt.
  • Um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können, sollte er strategisch an das Problem herangehen, rät ein Experte.

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von Astrid Funck

Patrik Lalk ist zermürbt. Vom langen Suchen nach geeigneten Mitarbeitern. Von den vielen Enttäuschungen, die ihn mitunter zum Lachen und oft zum Kopfschütteln bringen. Sinnbild seines Frusts ist ein kariertes Blatt Papier. Der Chef der Firma „Lalk die Malermeister GmbH“ mit Sitz in Großburgwedel hat es aus seinem Briefkasten herausgefischt, ohne Umschlag und zweimal gefaltet. „Hiermit bewerbe ich mich bei Ihrem Unternehmen“, hatte jemand mit Kugelschreiber daraufgekritzelt. Dann die Unterschrift, mehr nicht.

Verzweiflungstat: Auf die witzige Tour

Mitte September schaltete der sarkastisch veranlagte Unternehmer in den Burgwedeler Nachrichten einen ungewohnt formulierten Anzeigentext, den er irgendwo gelesen und übernommen hatte:

„Du bist nicht komplett verpeilt, bist in der Lage, Dich selbst im Supermarkt mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, scheiterst nicht am EC-Terminal, brauchst nicht in den nächsten fünf Wochen ein Urlaubssemester, weil Du erst mal zu Dir selbst finden musst, Du kannst die Uhr lesen, musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben, Facebook checken, beherrscht die Grundrechenarten, kannst Dich in deutscher Sprache verständigen, Du kannst dir vorstellen, mindestens fünfmal die Woche zu arbeiten, ohne gleich an einem Burnout-Syndrom zu erkranken…“

Die Anzeige endet mit der Aufforderung, sich bei der Firma zu melden. Das taten dann auch einige, auf ernsthafte Kandidaten wartet Patrik Lalk aber nach wie vor vergebens.

Mindestanforderungen an einen Handwerker

Dass Mitarbeiter noch etwas dazulernen müssten, sei ja nicht das Problem, sagt der 50-Jährige. Aber es gebe eben bestimmte Mindestanforderungen: Zuallererst handwerkliches Geschick und das Beherrschen der Grundrechenarten. Manche seien schon an der Frage gescheitert, wieviel Wasser sie bei einem Farbmischungsverhältnis von 1 zu 50 nehmen müssen.

Weitere Mindestanforderungen seien Pünktlichkeit, gute Manieren im Umgang mit Kunden und ein Mindestmaß an Belastbarkeit. Der Unternehmer erzählt von einem gelernten Maler, der die Probezeit erst gar nicht überstand: „Von neun Wochen war der sieben Wochen jeden Mittwoch krank."

Zurzeit beschäftigt Patrik Lalk in seinem Betrieb neun Mitarbeiter. Seit dem vergangenen Jahr hat er zwei Gesellen verloren: Einer wechselte in den öffentlichen Dienst, ein zweiter zu einem Konkurrenten – ob von sich aus oder abgeworben, das weiß er nicht. Noch vor Weihnachten würde er gern einen neuen Gesellen einstellen. Nach Ende des Winters einen weiteren. Und zwei Auszubildende im Sommer. Doch wie soll er das bewerkstelligen? Auf die üblichen Stellenanzeigen hin meldeten sich ihm zufolge ausschließlich Zeitarbeitsfirmen – gelernte Maler hatte keine von ihnen in der Kartei.

Fachkräftesicherung strategisch angehen

Dass qualifizierte und zuverlässige Mitarbeiter zurzeit schwer zu finden und daher hart umworben sind, davon weiß auch Andreas Gliem zu berichten. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen erzählt von Headhuntern, die gezielt versucht hätten, Gesellen aus einzelnen Mitgliedsunternehmen abzuwerben. Und von einer Chiffre-Anzeige im Göttinger Tageblatt: Ein SHK-Betrieb lobte dort eine Prämie von 10.000 Euro aus, um Mitarbeiter zum Firmenwechsel zu bewegen. Gliem rät daher dringend dazu, das Thema Fachkräftesicherung strategisch anzugehen. Hier sind seine Tipps:

  • Das eigene Profil als Arbeitgeber schärfen: "Der Betrieb bewirbt sich mittlerweile eher um die Mitarbeiter als umgekehrt", meint Gliem. Deshalb gelte es, die besonderen Pluspunkte hervorzuheben, statt Floskeln wie "Es erwarten Sie ein gutes Betriebsklima und ein toller Chef!" zu verwenden.
  • Über sämtliche Kanäle kommunizieren: "Mit Zeitungsanzeigen erreiche ich viele junge Leute nicht mehr", sagt Gliem. "Daher muss ich zum Beispiel auch Social-Media-Kanäle wie Facebook nutzen oder direkt den Kontakt suchen."
  • Nachwuchskräfte früh an das Unternehmen binden: Andreas Gliem empfiehlt, systematisch Kontakte zu Schulen zu knüpfen, Jugendliche über Praktika für eine Ausbildung zu interessieren und dabei auf den "Klebeeffekt" zu setzen.

Lichtblick in Gestalt eines Förderschülers

Patrik Lalk hofft ebenfalls auf diesen Klebeeffekt und pflegt dafür Kontakte zu Schulen. Ein Jugendlicher von der Förderschule hat in seinem Betrieb zwei Praktika absolviert. „Er war nett und freundlich, erschien jeden morgen pünktlich zur Arbeit und ist einfach ein super Typ“, freut sich der Firmenchef. Deshalb habe er ihm für das nächste Jahr eine Lehrstelle angeboten, auch wenn er schulisch wahrscheinlich Hilfe brauchen werde.

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