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Erfolg mit aktiver Kundenbeteiligung

Mitmachkonzept lockt Kunden an

Wie bleibt man im harten Wettbewerb erfolgreich? Norbert Arnold setzt auf Neugierde – und kreative Kunden.

Norbert Arnold -
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Wie gut ist das Geheimnis gehütet, wie man Ringe herstellt? „Das können Sie heute komplett googlen“, sagt Norbert Arnold. Der Geschäftsführer der Hildesheimer Goldschmiede Arnold nimmt es gelassen. Er liebt sein Handwerk – Illusionen macht er sich darüber aber keine. Im Gegenteil.

Der Unternehmer beobachtet den Markt genau, sucht Nischen, um in jeder Zeit einen Platz zu finden. Und wie sieht die heutige Zeit aus? „Sie ist zunehmend von großen Ketten geprägt“, erklärt Arnold, „die arbeiten heute mit CNC-Fräsen und morgen mit 3D-Druckern.“

Eine spannende Entwicklung sei das. „Ich betrachte sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, gesteht der Unternehmer, der den Trend zwar verfolgt, sich ihm zunächst aber nicht angeschlossen hat. Stattdessen hat sich die Goldschmiede eine Nische ausgebaut, in der die handwerkliche Fertigung im Vordergrund steht. Die Spezialisierung: individuelle Trauringe. „Wir wollen die Leute einladen, selbst kreativ zu werden“, sagt Arnold.

Am Anfang war  Wachs - Das Wachsmodell dient als  Vorlage für den Guss des Ring-Rohlings aus Edelmetall.
Das Wachsmodell dient als Vorlage für den Guss des Ring-Rohlings aus Edelmetall.
Foto: Denny Gille

Kunden designen Ringe am Computer
Das fängt beim interaktiven Trauringkonfigurator an. Zwei Jahre hat seine Entwicklung gedauert, seit 2011 steht er allen Besuchern der Homepage zur Verfügung. Alles was einen Ring ausmacht, können die Kunden darin selbst bestimmen: Größen, Materialien, Oberflächen, Steine. So designen manche Kunden ihre Wunschringe komplett selbst. „Oder sie nutzen den Konfigurator als Orientierungshilfe, um sich über ihre Vorstellungen klarer zu werden“, sagt Arnold. Dem Betrieb erleichtert das die Beratung. Die Kunden fühlen sich stärker in die Gestaltung eingebunden.

Transparenz ist dem Unternehmer wichtig. Schon im Konfigurator sehen die Kunden bei jeder Veränderung, wie sich der Preis mit verändert. Und auch mit den handwerklichen Besonderheiten geht der Betrieb offen um. Wenn ohnehin alles im Internet steht, kann man die Kunden auch detaillierter anleiten. Das macht die Goldschmiede in Trauringkursen, in denen Paare ihre Wunschringe selbst fertigen.

"Morgens sind unsere Kunden verzweifelt"
Die Besonderheit: Trauringe sollen aus einem Guss sein, ohne Nahtstelle. „Deswegen werden die Ringe in unseren Kursen nicht einfach montiert, sondern auch gegossen“, sagt Arnold. Dabei geht es oft emotional zur Sache, denn anfangs sehe man den teuren Rohlingen nicht an, dass aus ihnen echte Schmuckstücke werden. „Morgens sind unsere Kunden verzweifelt, Mittags lächeln sie und Abends sind sie super stolz“, erzählt der Goldschmied.

Goldschmiedin mit Leib und Seele -
"Wir sind neugierig, das ist in unserem Geschäft eine Tugend", sagt Goldschmiedegesellin Nadine Feldmann.
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Mitarbeiter mit Verantwortung - und speziellen Fähigkeiten
Der Unternehmer verzichtet auf diese emotionalen Achterbahnfahrten. Er leitet die Kurse nicht mehr selbst. „Dafür haben wir tolle Gesellen, die den Teilnehmern die Ängste nehmen und sie motivieren“, sagt der Chef von drei Mitarbeitern. Der Unternehmer kümmert sich um das Tagesgeschäft. Da macht der Goldschmied Vieles noch selbst, Schweißarbeiten etwa, das Setzen der Steine oder Uhrenreparaturen. Aber er muss nicht alles allein machen. Norbert Arnold vertraut seinem Team. Und fördert Spezialisierungen.

Zum Beispiel bei der Gesellin Nadine Feldmann, die sich die japanische Schmiedetechnik Mokume Gane angeeignet hat. Dabei werden Schichtblöcke aus Metall geschmiedet. So bekommt der Ring eine Maserung, ähnlich wie man sie von Damaszener-Messern kennt. Die Technik ist anspruchsvoll. „Wir haben bei den Versuchen Protokolle geführt, um uns die optimale Technik systematisch zu erarbeiten“, sagt Arnold.

Man muss flexibel bleiben
„Wir sind neugierig, das ist in unserem Geschäft eine Tugend“, ergänzt Gesellin Feldmann. Und Innovation ist auch für den Geschäftsführer der Schlüssel zum Erfolg. Kann er sich dann vorstellen, irgendwann doch noch mit CAD-Technik und 3D-Drucker Ringe zu bauen? „Ich persönlich nicht“, sagt der 57-jährige. Doch wenn die Nachfrage weiter wächst und jemand neugierig auf die Technik ist, würde er es unterstützen. Schließlich ließen sich mit den modernen Fertigungstechnologien Schmuckstücke kreieren, die mit traditionellen Fertigungsmethoden undenkbar wären. Als Unternehmen müsse man da flexibel bleiben. „Uns ist immer etwas eingefallen, um erfolgreich zu bleiben.“ (deg)

Ring mit Maserung - Auch die  komplizierte japanische  Schmiedetechnik Mokume Gane gehört zum Leistungsspektrum der Goldschmiede.
Auch die komplizierte japanische Schmiedetechnik Mokume Gane gehört zum Leistungsspektrum der Goldschmiede.
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