Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Klasse Kiste

Mitsubishi L200 - Sanfter Riese

Dinge, die Sie absolut nicht brauchen – aber garantiert haben wollen. Folge 24: Ein PickUp, der auch in hiesigen Breiten ein genialer Begleiter ist.

Sanfter Riese: Mit seinen Rundungen fällt der Misubishi in der Geländefraktion durchaus aus dem Rahmen. Doch das Konzept überzeugt.
Foto: Hamacher

Jeeps müssen Ecken und Kanten haben. Das sind Autos für ganze Kerle, für den Sommer, für den Strand, für entlegene Länder. Aber: Die Dinger sind auch automobile Fossile und haben in der Umweltzone keinen Platz mehr? Alles Quatsch. Dass auch großgewachsene PickUps hierzulande treue Begleiter seien können, beweist Mitsubishi mit dem L200.

Dafür spendieren die Japaner der Ladefläche am Heck des 5,18 Meter langen Ungetüms auf Wunsch eine Abdeckung oder gleich einen kompletten Aufbau. Damit steht am Heck des Riesen genug Raum für Gepäck, Baumaterialien oder Fender und Benzinkanister fürs Sportboot bereit. Letzteres darf auch gern groß sein. Denn bis zu 2,7 Tonnen zieht der Allradler mit seiner starr verbauten Anhängerkupplung locker weg. Dank des wuchtigen Motors und der knackigen Geländeübersetzung verlieren auch steile Slipstellen an Flussufern nahezu komplett ihren Schrecken.

Überhaupt erschüttert den Fahrer an Bord des L200 nicht viel. Dazu ist der Mitsubishi viel zu robust ausgelegt. Hat man das Cockpit über die unter den Türen integrierte Stufe geentert, kann das Raubein den Charme des Arbeitsgerätes nicht verbergen: Grobes Plastik, kein Schnick-Schnack, keine Spur von Lifestyle-Getue. Statt dessen präsentiert sich das Cockpit gut aufgeräumt. Einzig die Tankklappenentriegelung ist doch arg weit unters Lenkrad gerutscht. Sonst alles schick. Praktisch: Das Zündschloss ist dank eines Lichtrings auch im Dunkeln gut zu sehen.

Also: Schlüssel ins Schloss. Und los geht es. Der Motorsound verdient sich schon auf den ersten Metern das Prädikat „kernig“. Übermäßige Dämmung, die das Motorgeräusch wie bei vielen modernen SUV in ein sonores Säuseln verwandelt, sucht man im Mitsubishi vergebens. Der L200 ist ein Arbeitstier und daher braucht er auch keine tontechnische Antifaltencreme.

Verblüffend gut hängt das je nach Ausstattung über zwei Tonnen schwere Gefährt am Gas. Natürlich sieht man beim Ampelstart von Porsche und Co. nur die Rücklichter. Aber fürs zügige Mitschwimmen im Stadtverkehr reichen die bis zu 178 verbauten Pferdestärken locker hin. Was auffällt – und das durchaus im negativen Sinne: im unbeladenen Zustand haben die Blattfedern an der starren Hinterachse in schneller gefahrenen Kurven ihre liebe Mühe das Heck des PickUps im Zaum zu halten.

 - Kraftvolles Zugpferd: Der Mitsubishi zerrt bis zu 2,7 Tonnen schwere Anhänger mühelos davon.
Kraftvolles Zugpferd: Der Mitsubishi zerrt bis zu 2,7 Tonnen schwere Anhänger mühelos davon.
Foto: Hamacher

Zurückhaltende Fahrweise dankt der Mitsubishi aber auch noch an einer anderen Stelle spürbar: Den Konstrukteuren ist es gelungen, den Durst des Motors so weit zu begrenzen, dass der Riese sich mit zum Teil deutlich unter zehn Litern Diesel zufrieden gibt. Das ist für die Größe des Fahrzeugs wirklich ein beachtlicher Wert. Legt man die von Mitsubishi angegebenen Verbrauchswerte von 7,7 Litern zugrunde und tankt den gut 75 Liter fassenden Tank komplett voll, sollte der Spontanbesuch am Genfer See von Hannover aus ohne Tankstopp knapp zu machen sein.

Und wie Alltagstauglich ist der L200? Das lesen Sie auf der nächsten Seite.

Wie schlägt sich der Riese im Alltag?

Ziemlich gut! Natürlich kann man das 5,18 Meter lange Gefährt nur mit sehr viel Fantasie als Parkplatzsuchgerät bezeichnen. Allein durch die Länge überschreitet der PickUp die meisten Parkflächen ein gutes Stück weit. Was dazukommt: Um den Riesen in eine Parklücke zu zwängen ist viel Kurbellei am Lenkrad erforderlich. Das geht zwar dank der kraftvollen Unterstützung der Servos angenehm leicht. Da aber von einem Vollausschlag der Räder zum anderen mehrere volle Umdrehungen des Lenkrades erforderlich sind, kann das den ein oder anderen Moment dauern.

 - Große Klappe: Unter der Abdeckung nimmt der L200 bei Bedarf reichlich Gepäck an Bord. Fast 900 Kilo Zuladung sind kein Problem.
Große Klappe: Unter der Abdeckung nimmt der L200 bei Bedarf reichlich Gepäck an Bord. Fast 900 Kilo Zuladung sind kein Problem.
Foto: Hamacher

Als seeehr sinnvoll erweist sich mit Blick auf die nicht enden wollende Ladefläche (trotz zweier Sitzreihen im beachtlich großen Fahrerhaus ist die Ladefäche über eineinhalb Meter lang) akustische Parksensoren – zumindest am Heck. Denn auch wenn man bei einem PickUp durchs Rückfenster ziemlich deutlich sieht, wo das Auto zu Ende ist, helfen die kleinen piepsenden Dinger doch sehr gut, den Riesen zu dirigieren.

Und wie verhält sich der Geländegänger Abseits der geteerten und fein aufgeräumten Zivilisation? Lesen Sie weiter auf Seite 3.

Stark auch im Gelände

Dank permanentem Allradantrieb und guten 20 Zentimeter Bodenfreiheit macht der PickUp auch im Gelände eine gute Figur. Er hat allein schon durch den langen Überhang der Ladefläche über die Hinterachse hinaus, nicht die Kletterqualitäten eines Jeep Wranglers. Trotzdem schlägt sich der Große dank Differenzialsperre und Geländeübersetzung wacker.

 - Ein Begleiter für alle Fälle: Ob auf der Baustelle oder auf dem Weg mit dem Boot ans Wasser. Der L200 macht eine gute Figur. Noch dazu fällt der Spritdurst des Riesen positiv auf.
Ein Begleiter für alle Fälle: Ob auf der Baustelle oder auf dem Weg mit dem Boot ans Wasser. Der L200 macht eine gute Figur. Noch dazu fällt der Spritdurst des Riesen positiv auf.
Foto: Hamacher

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Handwerk Archiv

Pick-Up

Robuste Alleskönner mit guten Manieren

Pick-ups erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit.

    • Archiv
Handwerk Archiv

Praxistest Nissan NP300 Navara

"Ein perfektes Auto fürs Land-Leben"

Gute Verarbeitung, gewaltige Zugkraft, geniale Assistenten - der neue Nissan NP300 Navara erntet bei Susan Jäger viel Lob. Trotzdem passt der 5,33 Meter lange Pick-up einfach nicht in den Fuhrpark der Handwerkerin.

    • Archiv
Handwerk Archiv

Fahrbericht

Unterwegs mit dem neuen Mitsubishi L200

Theoretisch erreicht der neue L200 die entlegensten Baustellen. Praktisch macht der neue Pick-up von Nissan in erste Linie einfach nur Spaß

    • Archiv
Handwerk Archiv

Übersicht

Baujahr 2016: Alle Pick-ups auf einen Blick

Lastesel oder Lifestylelaster? Diese Frage lässt sich beim Pick-up nicht immer eindeutig beantworten. Vielleicht wird die Fahrzeuggattung gerade daher immer beliebter. Die wichtigsten technischen Daten liefert Ihnen unsere Übersicht.

    • Archiv