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Neue Regeln bei MyHammer

MyHammer macht dicht - für Nicht-Handwerker

Alles streng nach Handwerksordnung: Beim Auftragsportal MyHammer können künftig nur noch eingetragene Handwerker Handwerksaufträge gewinnen. Lesen Sie, welche Regeln dabei gelten - und wo trotzdem kleine Schlupflöcher für Schwarzarbeiter bleiben.

MyHammer scheint ernst zu machen: Schwarzarbeiter sollen im Auftragsportal keine Chancen mehr haben. Handwerksaufträge gewinnen können nach Angaben des Portals künftig nur noch

  • Inhaber einer Handwerkerkarte (zulassungspflichtige Gewerke)
  • oder einer Gewerbekarte der Handwerkskammer (zulassungsfreie und handwerksähnliche Gewerke)
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Ansage von MyHammer: "Wollen Handwerker auch weiterhin an MyHammer-Ausschreibungen für Handwerksaufträge teilnehmen, müssen sie einen dieser Nachweise bei MyHammer vorlegen."

Für MH-Vorstand Markus Berger-de León dient das dem "Schutz aller qualifizierten und zugelassenen Handwerker". Gleichzeitig erhöhe das Portal so die Sicherheit der Auftraggeber.

So soll es funktionieren:
Die Teilnahme an Ausschreibungen wird technisch reguliert:

  • Betriebe nach Anlage A der Handwerksordnung (= zulassungspflichtige Gewerke) werden technisch von keinem Auftrag ausgeschlossen.
  • Betriebe nach den Anlagen B1 und B2 (= zulassungsfreie und handwerksähnliche Gewerke) werden technisch von zulassungspflichtigen Aufträgen ausgeschlossen.
  • Alle Nicht-Handwerker sind von allen Aufträgen nach den Anlagen A, B1 und B2 ausgeschlossen.

Dann wäre also Schluss mit Hausmeisterdiensten und Umzugsfirmen, die sich für Elektroinstallationen und Malerarbeiten bewerben.

Aber ein Malermeister könnte sich weiterhin für Elektroarbeiten bewerben. Warum eigentlich? Und wo ist da der versprochene faire Wettbewerb?

Die MyHammer- Antworten auf diese Fragen lesen Sie auf der nächsten Seite!

MyHammer will Daten aus der Handwerkerkarte veröffentlichen

Eine Abgrenzung der Aufträge streng nach Gewerken will MyHammer wie bisher nicht vornehmen. "Ich kann den Wunsch verstehen, aber das ist technisch nicht realistisch. Wenn das technisch so einfach zu kontrollieren wäre, dann würde es in diesem Land überhaupt keine Schwarzarbeit mehr geben", sagt MyHammer-Vorstand Berger-de León.

Stattdessen setzt das Portal weiter auf Selbstregulierung durch Kunden und Auftragnehmer: "Das sind alles Meisterbetriebe. Wenn die sich untereinander nicht gegenseitig an die Handwerksordnung halten, dann können wir das auch nicht."

Eine Hilfestellung gibt es dabei allerdings:

  • MyHammer prüft die Einträge auf den Handwerkerkarten und Gewerbekarten.
  • Und es veröffentlicht auf seiner Seite die Betriebsnummer und die auf der Karte eingetragenen Tätigkeiten, für die ein Betrieb zugelassen ist.

So könnten Kunden genauer prüfen, ob sich ein Betrieb für bestimmte Arbeiten überhaupt eignet. Außerdem könnten Wettbewerber dann Verstöße gegen die Handwerksordnung leichter erkennen und gezielter dagegen vorgehen.

Wenn da nicht das Problem mit veralteten Angaben auf den Handwerker- und Gewerbekarten wäre.

Nächste Seite: der Schwachpunkt im System - veraltete Handwerkerkarten!

Zwei Schwachpunkte - und ein Wunsch nach Kooperation

Zwei Schwachpunkte hat das neue System von MyHammer allerdings:

  • Handwerkskammern geben zwar Handwerker- und Gewerbekarten aus. Sie ziehen sie aber nicht wieder ein, wenn ein Betrieb schließt. Eine mögliche Hintertür für Schwarzarbeit.
  • Tätigkeiten von Betrieben ändern sich mit der Zeit - und nicht jedes Mal lässt sich ein Unternehmen eine neue Karte ausstellen. Das heißt, es könnten auch Arbeiten angeboten werden, zu denen ein Handwerker nicht mehr berechtigt ist. Oder er könnte von Arbeiten ausgeschlossen werden, zu denen es eigentlich berechtigt ist, weil sie noch nicht auf der Karte stehen.
  • Das Problem kennt auch MyHammer-Chef Berger-de León, doch er sieht hier die Handwerkskammern in der Pflicht: "Wir fordern seit Jahren eine Schnittstelle zu den Handwerkskammern. Dann hätten wir diese Probleme nicht. Dann hätten wir die Daten immer auf aktuellem Stand.

    Dafür würden wir uns auch die Genehmigung unserer Mitglieder einholen, sodass es keine datenschutzrechtlichen Probleme gäbe. Die Kammern würde damit allen Marktteilnehmern das Leben einfacher machen."

    Nächste Seite: Was sich MyHammer von diesem Schritt verspricht - außer "Qualität"

    MyHammer hofft auf bessere Zahlungsmoral seiner Kunden


    MyHammer geht es dabei allerdings nicht nur um die Qualität und fairen Wettbewerb. Nicht zuletzt erhofft sich das Portal eine bessere Zahlungsmoral bei den eigenen Kunden!

    Etwas umständlicher drückt das der MyHammer-Vorstand in seinem Bericht zum Halbjahresergebnis 2011 aus: "Zugleich erwarten wir uns von dieser Ausrichtung auf solide Handwerksbetriebe, das sich die Realisierung unserer Gebührenforderungen verbessert, der Aufwand durch Wertberichtigungen deutlich sinkt und die Ertragskraft unseres Unternehmens dadurch steigt."

    Nächste Seite: Wird das funktionieren - was sagen MyHammer-Betriebe?

    Wird das funktionieren: Was sagen MyHammer-Betriebe?


    Die Diskussion in den User-Kommentaren ist bei MyHammer voll entbrannt. Erfahrene selbstständige Meister scheinen für die Neuerungen zu sein.

    Probleme sehen eher andere. Ein paar Beispiele:

    • User "Gunnar" zum Beispiel, der meint, als Generalunternehmer könne er jede Arbeit per Subunternehmer anbieten und daher Probleme auf sich zukommen sieht (Antwort von MH: Für jedes Gewerk mit Subunternehmern die entsprechende Karte einreichen)
    • User "K. Zeuner", der seit Jahren ohne Karte und Kammer als Bodenleger tätig ist und nun darüber nachdenkt, bei MH zu kündigen
    • ein Maler-Altgeselle mit Ausnahmegenehmigung der Kammer und Karte, der sich Sorgen macht, künftig keine Aufträge mehr zu bekommen (warum eigentlich nicht - mit Karte?) und wie bisher lieber die Kunden frei entscheiden lassen möchte, auch wenn das für die ein größeres Risiko bedeutet
    • andere User stellen den Wert des Meisterbriefs in Frage ("habe keinen Meister in meiner Firma, beschäftige nur Gesellen, die jeden Meister in die Ecke stellen")
    • aber auch ein gelernter Kfz-Meister, der Zweifel an der unterstellten Qualität in Meisterbetrieben hat - und ob das alles überhaupt der Handwerksordnung entspricht.

    Und was halten Sie von den Änderungen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Leserbriefe!

    (jw)

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