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Ein Friseurmeister im Portrait

"Normal" ist für diesen Handwerker zu wenig

Mit ausgefallenen Ideen und dem Sinn für sein Handwerk hat sich Dirk Teß Ansehen in seiner Branche erarbeitet. Sein Ziel: Er will den Ruf seines Gewerks aufwerten und sich von der Billig-Konkurrenz abgrenzen.

 - in seinem Salon in Neu Wulmstorf
in seinem Salon in Neu Wulmstorf
Foto: Jahn

Montagmorgen. Nur für unser Gespräch öffnet Dirk Teß den Salon im Zentrum von Neu Wulmstorf, vor den Toren Hamburgs. Montag ist sein freier Tag – dennoch klingelt das Smartphone oft und Klebezettel mit To-Dos sind nicht zu übersehen. Der Friseurmeister ist in der Branche bekannt und vernetzt. Den Salon „Friseur Stümpel Team Teß“ führt er gemeinsam mit seiner Frau Silvia. Es ist einer von 300 Betrieben in Deutschland, die sich „Intercoiffure“ nennen dürfen. Die weltweite Vereinigung der „Friseurelite“ hat sich einen Ehrenkodex auferlegt. Aufgenommen wird nur, wer strenge Kriterien erfüllt.

Für den Norden Deutschlands arbeitet Dirk Teß aktiv an den Entscheidungen mit. „Wir wollen ein Sprachrohr der besten Betriebe der Branche sein und freuen uns über jedes neue Mitglied“, sagt der 52-Jährige. Dabei setzen die Intercoiffure-Partner auf Qualität, Mitarbeiterzufriedenheit und Weiterbildung. „Es geht nicht nur um den Namen. Es geht darum, den Ruf der Friseure aufzuwerten und uns von den preis-agressiven Friseuren abzugrenzen“, stellt der gebürtige Hamburger klar. Betriebe, die das Siegel tragen, können nach außen im Marketing bei den Kunden punkten. Und intern bieten sie Mitarbeitern ein großes Spektrum an Weiterbildungen und Seminaren – mit Partnern in der ganzen Welt. Er selbst gehört seit fast zehn Jahren dazu.

Seine Friseurlehre schloss Dirk Teß mit Bestnoten ab. Diesen Anspruch hat er bewahrt und gibt ihn an sein Team weiter. Unter den 15 Mitarbeitern sind vier Auszubildende. Von ihnen verlangt er den Willen, eine gute Ausbildung zu machen. Ein Stück seines Ehrgeizes gibt er an den Nachwuchs weiter. „Ich habe früher auch jede freie Minute mit meinem Schwiegervater schneiden geübt, er hat den Laden damals aufgebaut“, erinnert sich Teß. Das Geschäft entwickelt er ständig weiter – nicht nur optisch: Seit eineinhalb Jahren nutzt das Team Teß eine Friseur-App, die nicht nur der Terminvereinbarung dient. Wer sie sich kostenfrei herunterlädt, kann sich eigene Styles und Trends zusammenstellen. Und erhält, gesteuert durch den Salon, exklusive Angebote und Treuepunkte. Die können beim nächsten Friseurbesuch eingelöst werden. „Mit der App endet der Termin bei uns nicht mit dem Verlassen des Salons“, betont Dirk Teß. Der Friseur kann das Profil der Kunden einsehen und entscheiden, welche Aktionen er dem Kunden anbietet. Außerdem kann er die Bewertungen der Kunden einsehen. „Dadurch bekomme ich auch Dinge aus dem Salon mit, wenn ich gar nicht da bin“, erklärt der Unternehmer. Zudem ist die App eine gute Gelegenheit für Mitarbeiter, mit Kunden ins Gespräch zu kommen.

In diesem Jahr hat Teß sich für den Handwerkspreis der Lünale beworben. Das Thema: „Bestes Nachwuchs-Marketing“. Der Friseurmeister möchte mit seiner Marke Intercoiffure punkten. Vor allem mit der Aus- und Weiterbildung, die er dem Handwerksnachwuchs damit bieten kann. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Als einer der drei möglichen Preisträger wurde er zur Verleihung nach Lüneburg eingeladen und hat den zweiten Platz belegt. „Es war eine tolle Veranstaltung“, berichtet Dirk Teß. „Ein feierlicher Rahmen und intensive Gespräche mit anderen Handwerkern.“ www.friseur-stuempel.de

(ja)

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