Die Vermittler der Notdienste verdienen kräftig mit.
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Notdienst-Ärger: Ein Name fällt immer wieder

Handwerker-Notdienste: Über ein „perfides System“ berichtet das TV-Magazin plusminus. Bei ihrer Recherche sind die NDR-Reporter auffällig oft über denselben Namen gestolpert.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Überteuerte Rechnungen: plusminus zeigt neue Fälle besonders dreister „Handwerker“.
  • Der NDR nennt den Namen des Mannes, der den Einsatz der Firmen vermittelt.
  • Wir haben den Chef von der-handwerkerengel.de und anderen Sites damit konfrontiert. Thomas Mannstaedt wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Die Recherche beginnt in Lübeck. Ein Kunde hat ein Problem mit der Toilettenspülung, er sucht über einen Internetdienst Hilfe – und wird schnell fündig. Nur die Rechnung, die ist ein „Schock“. Der Arbeitseinsatz dauert 30 Minuten, dafür soll der Auftraggeber 679,92 Euro bezahlen.

Als sich die plusminus-Reporter mit dem Fall befassen, entdecken sie weitere Auffälligkeiten.

Reichlich Handwerker – und immer wieder ein Name

Im Impressum der Site, die den Handwerker vermittelt hatte, steht der Name Savas P. Aber: Nach plusminus-Informationen ist der Besitzer der Domaine ein Mann namens Thomas Mannstaedt. Das NDR-Team reist quer durch die Republik zu Kunden, die überteuerte Rechnungen von Notdienst-Handwerkern bezahlen sollen, und immer wieder stolpern die Reporter über seinen Namen.

Für die Verbraucherschützerin Gunda Lauckenmann (verbraucherschutz.de) ist Mannstaedt kein Unbekannter. Jede Woche, sagt sie in die Kameras, würden sich „drei bis vier Geschädigte“ melden, denen über Mannstaedts Notdienstseiten Handwerker vermittelt wurden: Schlüsseldienste, Rohrreinigungsfirmen, Elektronotdienste, Kammerjäger – die Liste ist lang.

Mannstaedt arbeite mit vielen kleinen Subunternehmern zusammen, berichtet Lauckenmann: „Ich habe mal gehört, es sollen 500 bis 600 Leute verteilt auf ganz Deutschland sein, die eigentlich aus ihrer Privatwohnung heraus agieren.“

10.000 bis 15.000 Aufträge monatlich

Lauckenmanns Quellen scheinen nicht schlecht zu sein. Auf Nachfrage von handwerk.com bestätigt Thomas Mannstaedt: „Tatsache ist, dass wir zurzeit mit etwa 500 Firmen zusammenarbeiten. Wir bearbeiten je Monat zwischen 10.000 und 15.000 Aufträge.“

Bei dieser Menge und einem „wechselnden Pool an Vertragspartnern“ könne es „natürlich“ zu Beschwerden kommen, sagt Mannstaedt: „Ich gehe davon aus, dass dies je nach Gewerk und Monat bei circa 1 bis 3 Prozent der Aufträge der Fall ist.“

Allerdings habe er in den vergangenen Wochen die Zusammenarbeit „mit mehreren Handwerkern“ eingestellt, die „wir auf Grund der Rückmeldungen unserer Kunden ebenfalls als unseriös einstufen“.

Seit Jahren Warnungen im Internet

Im Netz gibt es einige Warnungen vor Geschäften mit Firmen, die über Mannstaedts Sites vermittelt wurden. Und das nicht erst seit gestern. „Schlüsseldienste zocken in der Notlage dreist ab.“ Diese Schlagzeile der Mittelbayerischen Zeitung (MZ) stammt aus dem Jahr 2011, es ging um Betriebe, die Kunden in Not über die Site „Die Aufsperrengel“ gefunden hatten. Damaliger Geschäftsführer laut MZ: Thomas Mannstaedt.

Ins Fernsehen schaffte es Mannstaedt bereits 2017, vor laufenden Kameras stritt er sich mit dem Abzocke-Experten Peter Giesel. Auch der Kabel eins-Reporter war in seinen groß angelegten Notdienst-Tests auf Mannstaedts Vermittler-Sites gestoßen. Giesels Frage: „Warum sind Sie im ganzen Land als Abzocker verschrien?“

Mannstaedts Antwort: „Warum labern Sie so einen Scheiß?“

Mannstaedt fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt. Seine Sites würden „fälschlicherweise für die Vergehen einzelner Handwerker verantwortlich gemacht“, schreibt er in der Antwort auf die Presseanfrage von handwerk.com. Laut focus.de sind die Vermittlerzentralen für die hohen Rechnungen verantwortlich: „Sie nehmen Aufträge an, reichen sie an Subunternehmer weiter und verlangen dafür 60 bis 70 Prozent der Rechnungssumme. Das führt zu Preistreiberei.“

Entspricht diese Darstellung den Tatsachen, Herr Mannstaedt? Diese Frage hat der „Vermittlungs-Boss“ (eine Formulierung von focus.de) bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Gerichtsverfahren werden häufig eingestellt

Auf der Site „Der Handwerkengel“ bietet Mannstaedt ein "umfassendes Leistungsspektrum" an. Von A wie Abflussrohrreinigung bis S wie Schlüsseldienst. Der Firmensitz der GmbH ist Regensburg. Der Obermeister der dortigen Elektroinnung sieht die Arbeit der Handwerkervermittler in seiner Stadt überaus kritisch, im plusminus-Beitrag sagt Gerhard Gröschl: „Da läuft eine Riesensauerei ab. Und alle schauen ein bisschen weg. Die muss man stoppen.“

Eine Stimme aus dem Off kommentiert Gröschls Forderung so: „Die Ermittlungen nach Anzeigen der Geschädigten werden meist eingestellt.“

Dass solche Verfahren häufig im Sande verlaufen, können wir bestätigen. Nur ein Beispiel: 2016 berichteten wir über die oft anrüchige Welt der Rohrreiniger. Damals hatten sich Kunden über die überteuerten Rechnungen der 1a Rohrservice GmbH beschwert. Auch das Landgericht Oldenburg hatte sich seinerzeit mit der Firma befasst, es ging um den Verdacht des Wuchers in 3 Fällen. Im Februar 2018 haben wir beim Landgericht Oldenburg nachgefasst. Was wurde aus dem Verfahren? Es sei eingestellt worden, antwortet eine Sprecherin des Landgerichts: „Gemäß § 153 Stvo.“

Paragraf 153 der Strafprozessordnung regelt übrigens das „Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit“.

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