Foto: Dennis Gauert

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Für beladene Gäste

Opel Vivaro Doppelkabine im Praxistest

Bei Opel rollt der Transporter Vivaro auf der gleichen Plattform wie der Pkw Zafira. Die Doppelkabine verbindet beide Welten. Wir waren mir ihr unterwegs.

Auf einen Blick:

  • Solider Arbeiter: Opel kombiniert beim Vivaro Doka 4,7 Kubikmeter Laderaum mit Platz für Fahrer und vier Mitfahrer.
  • Gut unterwegs: Der durchzugsstarke Dieselmotor, das sportlich konzipierte Schaltgetriebe und die Preispolitik sind Argumente für den Rüsselsheimer PSA-Abkömmling.
  • Schwammige Lenkung: Einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt die Lenkung. Gerade auf unebenen Untergründen lässt die Technik ein wenig die nötigen Rückstellkräfte
  • für einen soliden Geradeauslauf vermissen. Und auch bei der Traktion gibt es Abzüge in der B-Note: Der kraftvolle Motor hat oft einfach (zu) leichtes Spiel mit den schmalen Pneus.
  • Fazit: Die Rüsselsheimer kombinieren zu attraktiven Konditionen viel Laderaum mit reichlich Platz für Passagiere.

Opel hat dem Vivaro erst kürzlich die gleiche Basis wie dem Zafira gegeben: Die EMP2-Plattform aus dem PSA-Konzern. Ein Novum, denn beide Fahrzeuge sind dadurch als Nutzfahrzeuge aufgeteilt in Personentransporter und Kastenwagen. Der Zafira wurde als Van auf Pkw-Basis bisher aus dem Nutzfahrzeuggeschäft ausgegrenzt. Nun rollen Pritsche, Personentransporter, Transporter und ein Spezialfall, der Doka, auf gleicher Basis. Wir haben uns die Kombination aus beiden Welten angeschaut: Die Doppelkabine.

Zugegeben, die Doppelkabine ist ein Nischenprodukt. Der Großteil der Transporter befördert entweder möglichst viele Personen oder möglichst viel Ladung. Die Kombination richtet sich vor allem an Betriebe, die ihre Mitarbeiter und etwas Fracht befördern müssen. Dazu gehen noch 2.500 Kilogramm Anhängelast an den Haken. So ist die Baustelle auch bei Opel im Fokus. Gegen 6.500 Aufpreis fährt der Vivaro erstmals auch mit Allradantrieb, erhöhter Bodenfreiheit und Differenzialsperre durch den Staub.

Wer kurz will, kann nicht hoch

Abstriche gibt’s bei der mittleren Länge, die bei der Doppelkabine der Standard ist: Denn in der Länge M (4,95 Meter) gibt es nur die kleine Dachhöhe. Im Laderaum stehen ist also nicht möglich, bei dem kleinen Ladeabteil allerdings auch nicht nötig. Dafür kann mit der Dachhöhe von 1,90 Meter so gut wie jedes Parkhaus angesteuert werden – sofern nicht das Allradpaket mitbestellt wurde.

Tadellose Preispolitik

Doch auch so macht Opel beim Vivaro die Tüten voll. Mit 40.579 Euro wird der Transporter zur 150 PS starken mittellangen Doppelkabine. Unser Testwagen ist mit Zusatzoptionen im Wert von 5.450 Euro (alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer) ausgestattet. Und wir sagen bewusst „im Wert“, weil die Aufpreisliste mit Wucher nicht viel zu tun hat: beidseitige Schiebetüren kosten 440 Euro, die Rückfahrkamera 417 Euro, das HUD 357 Euro. Besonders das Fahrer-Assistenz-Paket 2, das mit 1.106 Euro zu Buche schlägt, ist empfehlenswert. Es beinhaltet unter anderem einen adaptiven Geschwindigkeitsregler, einen Frontkollisionsfahrer, ein Fahrerinfo-Display, ein Multimedia-Radio mit Sieben-Zoll-Touchscreen, einen Notbremsassistenten und statisches Abbiegelicht. Auf der Liste der Vorzüge steht auch die Rücksitzbank mit Staufach. Der Fahrersitz ist sechsfach einstellbar und mit Armlehne und Lendenwirbelstütze ausgerüstet.

370 Newtonmeter sind mehr als nur Transport

Wir sind mit dem 2.0-Liter-Turbodiesel unterwegs. Er entspricht der Abgasnorm Euro 6d-Temp und stellt 150 PS bereit. Ein üppiges Angebot, wenn man bedenkt, dass der Vivaro in mittlerer Länge nur maximal 1.826 Kilogramm Leergewicht auf die Waage bringt. Das kurz übersetzte, knackige Sechs-Gang-Schaltgetriebe sorgt mit dem schon bei 2.000 U/min voll ansprechenden Selbstzünder für echten Fahrspaß. Ganze 370 Newtonmeter sorgen auch bergauf für beeindruckenden Vortrieb. So darf sich die Doppelkabine mit einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 12,6 Sekunden brüsten, bei etwa 170 km/h wird der Vivaro dann abgeregelt. Theoretisch soll er 182 km/h schaffen.

Müde Lenkung, schwache Traktion

Das Dirigieren hingegen fällt mitunter schwer. Die Servolenkung ist zwar relativ kurz übersetzt, fühlt sich aber schwammig an. Auch die Rückstellkräfte sind zu gering, um einen stabilen Geradeauslauf auf unebenen Untergründen oder Spurrillen zu gewährleisten. Das ist ziemlich schade, da sich der Vivaro auch als Doppelkabine wie ein normaler Van um die Ecken zirkeln lässt. Schwächen offenbart auch das Antriebskonzept. So greift das kräftige Drehmoment an regnerischen Tagen ins Leere – speziell wenn es ums Abbiegen geht. Breitere Reifen hätten hier Wunder bewirken können.

Realverbrauch beladen um die 7,5 Liter

Da ein Transporter nur hintergründig für den Fahrspaß gebaut wird, besinnen wir uns auf die wichtigen Fähigkeiten: Unbeladen und mit strammer Fahrweise im Gebirge gönnt sich der Vivaro 7,5 Liter Diesel. Mehr dürften es auch bei voller Ladung in der Ebene nicht sein. Recht kostengünstig können damit 1.234 Kilogramm auf dem universellen Radstand von 3,28 Metern transportiert werden. Ob die Zuladungsgrenze bei dem Doppelkabinen-Ladevolumen von maximal 4,7 Kubikmetern überhaupt erreicht wird? Unwahrscheinlich.

Tolle Bedienung durchschnittlich verarbeitet

Der Innenraum, der bei der Doppelkabine traditionell im Fokus steht, folgt einem soliden Bedienkonzept. Alle notwendigen Tasten und Schalter sind logisch angeordnet und leicht erreichbar. Das Lenkrad lässt sich in der Höhe und Tiefe voll auf den Fahrer anpassen, auch der Fahrersitz bietet viel Raum für individuelle Wünsche. Nicht so positiv fällt die Verarbeitung auf. Gespickt mit robustem Kunststoff und nüchtern designten Bedienelementen bleibt der Nutzfahrzeug-Charakter der PSA-Basis auch bei Opel erhalten. Positiv sticht das vergleichsweise niedrige Geräuschniveau hervor, das entspanntes Reisen für mehrere Passagiere ermöglicht. Hinzu kommen clevere Lösungen wie eine Durchlade für Leitern und ähnliche Gegenstände und das praktische Staufach unter den Rücksitzen.

Fazit:

Insgesamt gibt der Vivaro sich als solider Arbeiter im unteren bis mittleren Preissegment. Der durchzugsstarke Dieselmotor, das sportlich konzipierte Schaltgetriebe und die Preispolitik sind Argumente für den Rüsselsheimer PSA-Abkömmling. Nachteile beim Vivaro sind die für die Leistung zu schmale Bereifung und die Tatsache, dass es in der Länge M kein Hochdach gibt. Der Doppelkabine steht dieser Fakt nicht wirklich im Wege, bei einem reinen Transporter wird der eine oder andere potenzielle Kunde aber einen Blick herüber zur Konkurrenz werfen – oder von vornherein die teurere Länge L bestellen und das Hochdach ankreuzen.

Daten

Name: Opel Vivaro Doppelkabine Innovation
Motor: 2,0-Liter-Turbodiesel, 1.997 ccm
Leistung: 150 PS (110 kW) bei 4.000 U/min
Max. Drehmoment: 370 Nm von 2.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 12,6 Sek.
Testverbrauch: 7,5 Liter
CO2-Emissionen: 141 g/km (Euro 6d-Temp)
Tankinhalt: 70 Liter
Länge x Breite x Höhe (in m): 4,96 x 2,01 x 1,90
Radstand (m): 3,28
Leergewicht: max. 1.826 kg
Ladevolumen: max. 4,7 Kubikmeter
Zuladung: 1.234 kg
Wendekreis: 12,4 Meter
Maximale Anhängelast: 2.500 Kilogramm
Basispreis Doka M Innovation: 40.579 Euro
Testwagenpreis: 46.897 Euro

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