Das rechtfertigt im Fall eines Arbeitnehmers die fristlose Kündigung, so das Landesarbeitsgericht Hessen.
Foto: Halfpoint - stock.adobe.com

Recht

Personalgespräch heimlich aufgezeichnet: Kündigung ist gerechtfertigt

Audiomitschnitte sind per Smartphone kein Problem. Doch diese Funktion in einem Personalgespräch heimlich zu nutzen, ist weit mehr als ein Kavaliersdelikt.

Der Fall: Ein Mitarbeiter bezeichnet seine Kollegen in einer E-Mail unter anderem als „faule Mistkäfer“. Die schickt er an seine Vorgesetzten. Daraufhin erhält der Mann zwei Abmahnungen – eine schriftliche und eine mündliche. Einige Zeit später beleidigt der Mann erneut zwei Kolleginnen, nennt sie „faule Schweine“ und „Low-Performer“. Der Arbeitgeber reagiert, lädt den Mitarbeiter zum Personalgespräch. Das schneidet der Mann heimlich per Smartphone mit. Was zunächst unbemerkt bleibt, fliegt nach zwei Monaten auf. Konsequenz: Der Arbeitgeber kündigt dem Mann fristlos und sicherheitshalber auch außerordentlich. Damit will sich der Arbeitnehmer nicht abfinden und zieht vor Gericht.

Das Urteil: Die fristlose Kündigung ist gerechtfertigt, entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Hessen. Das heimliche Mitschneiden eines Gesprächs durch den Arbeitnehmer sei rechtswidrig, da dadurch das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Gesprächsteilnehmer verletzt sei. Das ist durch Artikel 2 des Grundgesetzes geschützt. Deshalb kann jeder selbst bestimmen, wer sein Wort aufnehmen und die aufgezeichnete Stimme abspielen darf.

Arbeitsverhältnisse können grundsätzlich nur aus wichtigem Grund gekündigt werden. Dabei müssen Gerichte die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern abwägen. In diesem Fall sahen die Richter trotz der langen Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters keine positive Prognose für das Arbeitsverhältnis. Das Verhältnis sei schon vor der heimlichen Aufzeichnung durch die E-Mail des Mannes schwer belastet gewesen.

LAG Hessen, Urteil vom 23. August 2017, Az.: 6 Sa 137/17

Auch interessant:

Mitarbeiter beleidigt Chef – und was dann?

Ist die Stimmung im Betrieb gereizt, geht Mitarbeitern schon mal ein beleidigendes Wort über die Lippen. Doch zu welchen Mitteln dürfen Chefs in so einem Fall greifen?
Artikel lesen >

Geht nicht: fristlose Kündigung für „Dusselkopf“

Eine Mitarbeiterin bezeichnet ihren Chef in einer Whatsapp-Nachricht als "Dusselkopf". Mit seiner fristlosen Kündigung kam er aber nicht durch. Das Arbeitsgericht Köln hat dafür einen guten Grund.
Artikel lesen >

Recht

Ist die Kündigung bei einer Haftstrafe erlaubt?

Zwei Jahre und acht Monate Haft für einen Mitarbeiter. Darf der Betrieb in so einem Fall kündigen? Das Landesarbeitsgericht Hessen hat diese Frage eindeutig entschieden.

Recht

Kündigung nach Beleidigung mit Emoticons möglich

Ein Mitarbeiter beleidigte seinen Vorgesetzten mit Emoticons bei Facebook: im Prinzip ein Kündigungsgrund, entscheidet ein Gericht. Doch es kommt auf die Umstände an.

Recht

In einer Minute zweimal geblitzt: Das ist nur ein Verstoß!

Die Polizei misst bei einem Fahrer zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen innerhalb von einer Minute. Das ist nur ein Verstoß, urteilte jetzt ein Gericht.

Recht

Rechtfertigt eine Morddrohung die fristlose Kündigung?

Ein Mitarbeiter droht anonym am Telefon, seinen Chef zu erstechen. Doch der erkennt den Anrufer. Die Folge: Der Mann erhält eine fristlose Kündigung von seinem Arbeitgeber. Ist das gerechtfertigt?