Stefan Bohlken hofft auf breite Unterstützung aus dem Handwerk
Foto: Wiebking

Petition

Kommt jetzt die Unterschriftenwelle für die Meisterpflicht?

Er ist wieder da: Stefan Bohlken kämpft für die Meisterpflicht – jetzt soll eine Online-Petition mit 50.000 Unterschriften die Politik von der Dringlichkeit überzeugen. Die Unterschriften kommen im Minutentakt.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Stefan Bohlken sammelt Unterschriften für die Meisterpflicht. 50.000 braucht seine Online-Petition, dann muss die Bundespolitik wieder ran an das Thema.
  • Er hofft nicht nur auf Unterschriften aus dem eigenen Gewerk: Kollegen aus anderen Branchen und Kunden haben auch ein Interesse daran, betont der Handwerksmeister.
  • Ob das klappt? Es wäre jedenfalls nicht sein erster virale Hit: 2017 sahen fast 400.000 Menschen sein Video zur Meisterpflicht.

„Ihr habt den Meisterbrief kaputt gemacht, jetzt macht ihn wieder heil!“ Mit dieser Forderung sprach Fliesenlegermeister Stefan Bohlken in einem Video vielen Handwerkern aus der Seele. Fast 400.000 Menschen haben sein Video gesehen, geliked, geteilt – darunter auch viele Kollegen aus anderen Gewerken.

Keine 24 Stunden online – die Unterschriftenwelle rollt an

Jetzt legt der Handwerker aus dem niedersächsischen Oldenburg nach: Seit gestern steht eine Petition an den deutschen Bundestag im Internet. Darin fordert Bohlken die „Wiedereinführung der Meisterpflicht für Fliesenleger“. 50.000 Unterschriften will er für die Petition sammeln – und sie dann dem Petitionsausschuss des Bundestages vorlegen.

Dabei hofft er auf breite Unterstützung von Kollegen aus allen Gewerken, mit und ohne Meisterpflicht. „Die Probleme sind doch überall ähnlich, wir müssen uns gegenseitig unterstützen“, betont der Handwerksmeister.

Das scheint zu funktionieren: Bisher kannten den Link nur ein paar Freunde Bohlkens, doch seit einer Stunde kommen teilweise im Minutentakt neue Unterschriften hinzu.

Hier geht es zur Petition:

Petition soll Druck auf die Politik erhöhen

Mit der Petition will er den Druck auf die Politik erhöhen. Denn die Resonanz nach seinem Video-Hit war für den Unternehmer ernüchternd: Einige Gespräche, ein paar aufmunternde Worte, das sei alles gewesen, was von den Politikern kam. „Das war vor den Wahlen, seitdem haben sich die Politiker nicht mehr gerührt“, klagt Bohlken.

So ganz stimmt das allerdings nicht: Immerhin hat es der „Meisterbrief“ in den Koalitionsvertrag der neuen Berliner Regierung geschafft. Union und SPD wollen nun „prüfen, wie wir ihn für einzelne Berufsbilder EU-konform einführen können“. Das ist zu wenig, sagt Bohlken. „Die sollen nicht prüfen, ob eine Rückkehr möglich ist, sondern wie sie möglich ist.“ Deswegen jetzt also die Petition an den Bundestag: „Damit dieses wichtige Anliegen nicht einfach versandet.“

Unterschriften auch von Kunden!

In seiner Petition hat Bohlken alle Argumente für den Meisterbrief aufgelistet: Mit denen will er nicht nur Kollegen ansprechen, sondern ebenso die Kunden zur Unterschrift motivieren. „Den Kunden kann es auch nicht egal sein, wenn in diesem Gewerk keine Fachleute mehr ausgebildet werden, weil es an den Meistern fehlt.“ Schließlich gehe es auch in seinem Gewerk um die Vermeidung von Gesundheitsschäden und Unfällen, betont der Handwerker: Unsachgemäße Abdichtungsarbeiten könnten zu Schimmelschäden und gesundheitlicher Beeinträchtigung führen. Auch der fachgerechte Umgang mit Asbest gehöre in seiner Branche zur täglichen Arbeit. „Wir haben in sehr vielen Wohngebäuden Asbest in den Fliesenklebern. Meistergeführte Betriebe wissen, wie sie damit umgehen müssen, denn dort gehört das zur Ausbildung und Verantwortung auch als Arbeitgeber.“

Warum nicht gleich eine Petition für alle Gewerke?

Jetzt sei es wichtig, möglichst schnell die 50.000 Unterschriften zu sammeln, betont Bohlken. „Je schneller, desto besser, denn das macht deutlich, wie wichtig das Thema vielen Menschen ist.“

Bleibt nur noch eine Frage: Warum nicht gleich eine Petition für die Rückkehr zur Meisterpflicht in allen Gewerken? „Wir haben so viele Gewerke, die die Meisterpflicht verloren haben, und bei jedem gibt es Besonderheiten. Da kann ich nur für mein Gewerk sprechen“, sagt Bohlken.

Also ein Alleingang, aber mit Kalkül: „Wenn es uns gelingt, dann ist das ein guter Aufhänger, um auch bei allen anderen Gewerken noch einmal genau hinzuschauen, was für ein Schaden diese Novelle dem Handwerk zugefügt hat.“

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