Im Handwerk stellen Mitarbeitern ihren Chefs ein gutes Zeugnis aus.
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Personal

Platz 1: Gute Noten für Chefs im Handwerk

Laut einer aktuellen Umfrage beurteilen Fachkräften im Handwerk ihre Führungskräfte am besten von allen Branchen. Aber es gibt auch Schattenseiten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Führungskräfte im Handwerk schneiden laut einer Umfrage von meinestadt.de unter allen Branchen am besten ab.
  • In kleinen Unternehmen werden grundsätzlich Chefs eher gut bewertet.
  • Gleichzeitig ist in kleinen Betrieben der Anteil derer, die schon mal wegen eines Vorgesetzten gekündigt haben, mit 36 Prozent besonders hoch.
  • Besonders positiv wurden Wertschätzung der Arbeit durch die Vorgesetzten und Unterstützung bei persönlichen Problemen bewertet.
  • Einen idealen Führungsstil scheint es laut Umfrage nicht zu geben: Während sich ein Teil der Befragten einen starken Chef wünscht, möchte der Großteil der Fachkräfte an Entscheidungen beteiligt werden.

Chefs im Handwerk werden von ihren Mitarbeiten positiv bewertet. Bei einer aktuellen Umfrage des Online-Portals meinestadt.de schnitten die Führungskräfte im Handwerk mit einer Durchschnittsnote von 2,43 im Vergleich mit anderen Branchen am besten ab. Insgesamt fielen die Noten für Führungskräfte in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern mit 2,56 deutlich besser aus als in Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern (2,71).

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Wer nur „befriedigend“ vergibt, hat eine schwache Bindung an den Betrieb

Befragt wurden insgesamt 2.085 Fachkräfte mit Berufsausbildung im Alter von 25 bis 65 Jahren. Sie sollten unter anderem ihren Chef mit einer Schulnote bewerten. Im Durchschnitt erhielten die Führungskräfte eine 2,67, also eine Drei plus. Rund die Hälfte der Befragten bewerteten ihren Vorgesetzten mit gut oder sehr gut, gut 20 Prozent mit ausreichend oder schlechter. Ein Viertel vergab die Note befriedigend.

Und hier sehen die Autoren der Umfrage bereits ein Problem. Die emotionale Bindung an den Betrieb mache sich häufig an der Person des Vorgesetzten fest. Eine befriedigende Bewertung lasse auf eine niedrige Bindung und damit auf einen möglichen Wechselwillen schließen.

Positiv: Wertschätzung und Anerkennung. Negativ: Mobbing und Inkompetenz

Neben den Schulnoten konnten die Befragten auch von den schönsten und schrecklichsten Erlebnissen mit Führungskräften berichten. Dabei zeigte sich: Als positiv wurden vor allem Wertschätzung oder Anerkennung der geleisteten Arbeit oder der Person durch den Vorgesetzten wahrgenommen. Bei sehr vielen Fachkräften wirkt es zudem dauerhaft positiv nach, wenn die Vorgesetzten auf persönliche Not oder Stresslagen Rücksicht nehmen, fürsorglich reagieren und „ihren Leuten“ den Rücken freihalten. In kleinen Handwerksbetrieben, wo sich das Team untereinander gut kennt, sind solche Dinge oft selbstverständlich.

Negative Berichte gab es vor allem über cholerische Chefs, Mobbing, Inkompetenz, Anschreien und Bloßstellungen vor versammelter Mannschaft.

Unternehmen, die solche Verhaltensweisen dulden, sollten sich nicht gleichzeitig über den Fachkräftemangel beklagen, schreiben die Autoren. Schlechte Führung habe Konsequenzen: Ein Drittel der Fachkräfte (30,2 %) gab an, schon einmal wegen eines Vorgesetzten den Job gekündigt zu haben. In kleinen Unternehmen (unter 50 Mitarbeitern) ist dieser Anteil mit 36 Prozent deutlich höher als in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern: Hier haben 25,4 Prozent schon einmal den Job wegen des Vorgesetzten gekündigt.

Erwartungen an Führungskräfte sehr unterschiedlich

Gleichzeitig sind allerdings auch die Erwartungen an eine gute Führungskraft unterschiedlich. In der Umfrage wurden die Mitarbeiter aufgefordert, ihrem Chef einen persönlichen Ratschlag zu geben. Dabei zeigte sich: Ein Teil der Befragten ist stark von einem traditionellen Führungsbild geprägt: Der Chef soll durchsetzungsstark sein und Entscheidungen aus sich selbst heraus treffen, um dann zu ihnen zu stehen.

Das Gros der konkreten Ratschläge lasse jedoch einen moderneren, mitarbeiterorientierten Führungsstil als Idealbild durchscheinen, meinen die Autoren der Studie. Hier gehe es vor allem darum, Mitarbeiter einzubeziehen und ihre Sicht der Dinge einzuholen.

Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass sowohl ein klassischer als auch ein moderner Führungsstil für Mitarbeiter in Ordnung sei. Es komme darauf an, „die Art, wie geführt wird, möglichst nachvollziehbar darzustellen“.

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