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3427,20 Euro!

Premium-Nepp per Premium-Eintrag?

Branchenbuch der Region: Ausgerechnet die Faxnummer und die Anschrift dieses Anbieters verweisen auf verschiedene Länder – keines davon heißt Deutschland.

Eine Menge Holz - Für 3427,20 muss ein Unternehmer lange buddeln.
Für 3427,20 muss ein Unternehmer lange buddeln.
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Und wieder geht ein Branchenbuch auf Kundenfang. Derzeit landen massenhaft Anschreiben in den Faxgeräten der Betriebe, das „Branchenbuch der Region“ verschickt seinen „Eintragungsvorschlag“. Nur mal schnell das Korrekturfeld ergänzen, das Blatt unterschreiben, zurückfaxen – und, zack, schon hat der Betriebsinhaber einen Premium-Eintrag an der Backe.

Und der kostet: „960 Euro zzgl. der gesetzlichen MwSt. pro Jahr.“ Und: „Die Laufzeit beträgt drei Jahre.“ Macht schlappe 2880 Euro vor Steuern. Insgesamt werden für den Eintrag auf der Internetseite branchen-local.com 3427,20 Euro fällig. Dafür – und auch das steht im Kleingedruckten – zeigt sich das Branchenbuch der Region großzügig: „Sie können für den Rückfaxversand bei Rechnungsausgleich einen Euro abziehen.“

Kurios: Faxnummer und Verlagsanschrift in verschiedenen Ländern – lesen Sie Seite 2.

„Das ist eine Sauerei!“
Sauerei - Die Faxe der Branchenverzeichnisse sorgen für Ärger.
Die Faxe der Branchenverzeichnisse sorgen für Ärger.
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Die Fliesenlegerei Jens Prigge im niedersächsischen Wohnste hat ganz aktuell ein Fax vom Branchenbuch der Region bekommen. Die Betreffzeile: „Erinnerung!!!“ Unternehmerfrau Heidi Prigge bewertet solche Schreiben so: „Eine Sauerei.“

Auch der Berliner Anwalt Thomas Meier warnt vor dem „Branchenbuch der Region“. Ein deutliches Zeichen, das bei den Betrieben für Stirnrunzeln sorgen sollte: Die Faxnummer auf den Schreiben verweist nach Großbritannien, im Absender steht dagegen eine Firma mit Sitz in Moldawien.

Weitere Signale, auf die Meier auf seiner Homepage hinweist:

  • Schon die Rechtsformen – SRL, sro, Ltd oder gar keine Rechtsform – sind grundsätzliche Warnsignale
  • Die Telekom hat Ihre Telefonnummer – warum sollte ausgerechnet die fehlen?
  • In dem Beiblatt wird "Druck" gemacht
Nächste Seite: Saudumme Unterschrift nach 14 Stunden im Betrieb. Dummheit schützt vor Strafe nicht? Falsch!
Gute Fragen - Lexfati S.R.L. hat unsere Presseanfrage nicht beantwortet.
Lexfati S.R.L. hat unsere Presseanfrage nicht beantwortet.

Hinter dem Branchenbuch steckt das Unternehmern Lexfati S.R.L. Unsere Presseanfrage an den Geschäftsführer blieb unbeantwortet. Leider. Denn der Mann hätte das Rätsel um die Achse Moldawien - Großbritannien auflösen können. Zudem hätte uns sein Kommentar zu dieser vorsichtig formulierten Aussage interessiert: „Juristen meinen, dass dieser Betrag [die sagenhaften 3427,20 Euro] in keinem angemessenen Verhältnis zu Ihrer Dienstleistung steht.“

Alte Hasen unter den Unternehmern des Handwerks sagen bei solchen Themen oft: „Dummheit schützt vor Strafe nicht“. Aber das sei nicht gerechtfertigt, meint Heidi Prigge: „Gerade Existenzgründer und junge Unternehmer haben einen langen Tag, manchmal 12, 13 oder sogar 14 Stunden auf der Uhr – da kann so etwas passieren.“

Und Thomas Meier ergänzt: „Wem das passiert ist, der sollte sich relativ leicht durch eine Anfechtung wieder lösen können. Allerdings muss man hier zumeist etwas Hartnäckigkeit zeigen.“

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