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Smartphone-Nutzung im Betrieb

Private Handys? Das Maß ist voll!

Ein Unfall mit Handy am Ohr. Die Folgen: dramatisch – nicht nur für die Mitarbeiter. Ein Unternehmerpaar zog daraus die Konsequenzen.

Legen Wert auf konzentriertes Arbeiten: - Jörn und Anja Packmohr
Jörn und Anja Packmohr
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Es geschah im Dezember 2014 in Dänemark: Ein Geselle griff nach seinem Werkzeugkoffer und machte sich auf den Weg von seiner Unterkunft zum Kunden. Er war dort für die Energietechnik Packmohr GmbH im Einsatz. Das Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Wrestedt hat bereits viele Aufträge in Skandinavien abgewickelt. Diesmal ging es darum, einen neuen Laden in Kopenhagen mit der passenden Technik auszustatten – die Eröffnung stand kurz bevor.

Jede Menge Ärger und Kosten
Auf einmal machte sich das Handy bemerkbar ­– mit einer privaten Nachricht. Der Geselle schaute auf das Display, tippte, schaute, tippte und stolperte. Wenig später saß er schon im Zug nach Deutschland. Er hatte sich den Handwurzelknochen gebrochen und fiel deshalb etwa zehn Tage aus. Firmenchef Jörn Packmohr hatte daraufhin eine Menge Ärger: Der Kunde machte Druck. Er musste einen Monteur von einem deutschen Kunden abziehen, der das überhaupt nicht gut fand. Und er musste noch einmal die kompletten Reise- und Auslösekosten tragen.

"Das ist bei manchen wie eine Sucht"
Durch den Unfall wurde den Firmenlenkern Jörn und Anja Packmohr endgültig klar, dass es so nicht mehr weitergehen konnte mit der privaten Handynutzung im Betrieb. Dieses Ereignis war nämlich nur des Gipfel des Problems: Kunden hatten sich darüber beschwert, dass bestimmte Mitarbeiter während der Arbeitszeit zu oft und zu lange mit ihrem Smartphone beschäftigt seien. Und Jörn Packmohr war irritiert darüber, dass es während der Baubesprechungen ständig in den Jackentaschen vibrierte oder bimmelte und die Konzentration dadurch massiv nachließ. „Das ist bei manchen wie eine Sucht“, sagt er.

Was für Konsequenzen die Packmohrs aus dem Unfall gezogen haben, lesen Sie auf Seite 2.

Zu viel Ablenkung: - Das Privathandy ist jetzt tabu.
Das Privathandy ist jetzt tabu.
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Klare Regeln aufgestellt

Im Zuge der Zertifizierung ihres Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001 stellte das Unternehmerpaar einige Regeln auf. Sie betreffen unter anderem das äußere Erscheinungsbild, Sauberkeit und Ordnung und die private Internetnutzung mit dem Firmen-PC. In dieser Betriebsanweisung, die alle Mitarbeiter unterschreiben müssen, findet sich auch der folgende Passus: „Das private Handy ist nur im Notfall zu benutzen. SMS schreiben usw. während der Arbeitszeit ist untersagt.“

Das Verbot scheint zu wirken
Und was hat das Verbot bislang gebracht? „Wenn wir die Monteure anrufen, ist jetzt öfter die Mailbox dran“, sagt Jörn Packmohr. Und auch die Besprechungen verliefen wesentlich effektiver, seit die markanten Klingeltöne der Ehefrauen und Partnerinnen nicht mehr zu hören seien. Als weiteres Indiz für die Wirksamkeit führt er an, dass die Zahl der Kundenbeschwerden rund um das Handy-Problem zurückgegangen sei. Die höhere Zufriedenheit der Kunden spiegele sich auch in den Monteurbewertungsbögen wider. „Aber wirklich kontrollieren lässt sich die private Handynutzung natürlich nicht“, räumt der Unternehmer ein. „Das ist immer auch eine Vertrauenssache.“

Wie haben Sie die Handy-Nutzung im Betrieb geregelt? Und mit welchem Erfolg? Schreiben Sie uns unter funck@handwerk.com oder verfassen Sie einen Kommentar.

(afu)

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