Kaufmännische Prozesse rücken in den Fokus. Es geht um mehr Effizienz.
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Studie

Prozesse und Umsätze im Handwerk werden digitaler

Viele Handwerker wollen einer Studie zufolge in effizientere Prozesse durch Digitalisierung investieren. Auch digitale Märkte und Bezahlformen werden wichtiger.

Auf einen Blick:

  • Laut einer aktuellen Datev-Studie schreiten Handwerksbetriebe in der Digitalisierung schneller voran, wenn sie mit einem Steuerberater zusammenarbeiten.
  • Viele planen Investitionen in effizientere Prozesse in Rechnungserstellung, Belegverarbeitung und Archivierung.
  • 31 Prozent der befragten Handwerker bieten Leistungen auf unterschiedlichsten digitalen Plattformen an.
  • Zudem bieten 31 Prozent ihren Kunden digitale und mobile Bezahlsysteme an.

Die Digitalisierung kaufmännischer Prozesse im Handwerk schreitet voran. Dabei setzen die Betriebe verstärkt auf ihren Steuerberater. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Datev. Demnach nutzen Betriebe, die regelmäßig mit einer Steuerkanzlei zusammenarbeiten, häufiger digitale Lösungen für ihre internen kaufmännischen Prozesse als Betriebe ohne Steuerberater. So nutzen zwischen 50 und 60 Prozent der Befragten mit Steuerberater digitale Lösungen bei der Rechnungserstellung, Lohnabrechnung und Finanzbuchführung. Bei Betrieben ohne Steuerberater liegen die Werte laut Datev bei diesen internen Prozessen zwischen 32 und 44 Prozent. An der Studie beteiligten sich 509 Betriebe, die nach Datev-Angaben damit repräsentativ ist.

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Viele Prozesse sind noch nicht effizient

Stefan Wunram, Leitender Berater Trends & Strategien der Datev, sieht „noch Luft nach oben“ bei der effizienten Gestaltung der kaufmännischen Prozesse. Das gelte zum Beispiel für die automatische Weiterverarbeitung von kaufmännischen Belegen über digitale Schnittstellen. So erreichten mehr als 80 Prozent aller Belege die Betriebe per E-Mail, hinzu kämen Briefe und Faxe. Selbst digitale Belege per Mail führten erfahrungsgemäß oft zu Medienbrüchen und hohen Aufwänden bei der weiteren Verarbeitung – wie auch bei Briefen und Faxen. Hingegen nutzen nur 15 Prozent der Unternehmen laut Studie digitale Schnittstellen zur automatischen Verarbeitung von Belegen. Zudem betrieben 90 Prozent der Betriebe eine doppelte Archivierung – digital und in Papierform.

Betriebe wollen investieren

Laut der Befragung wollen 37 Prozent in den kommenden zwölf Monaten in effizientere digitale Lösungen für ihre kaufmännische Verwaltung investieren. Bei den Betrieben ohne Steuerberater planen das lediglich 16 Prozent. Besonders investitionsfreudig sind das Lebensmittelhandwerk (39 Prozent) und das Bauhauptgewerbe (34 Prozent). Potenzial für Prozessverbesserungen sehen rund die Hälfte der Betriebe bei der Rechnungserstellung sowie der Belegarchivierung und -verwaltung. Unter den Betrieben ohne Steuerberater planen nur 38 beziehungsweise 39 Prozent entsprechende Vorhaben.

Mangels Zeit und Kapazitäten bietet es sich nach Wunrams Einschätzung an, mit der Digitalisierung der kaufmännischen Abläufe diese ganz oder teilweise an den Steuerberater auszulagern. Infrage kämen dabei neben der Finanzbuchführung und Lohnabrechnung auch das Mahnwesen, die Abwicklung von Ein- und Ausgangsrechnungen sowie die Beleg- und Kassenarchivierung.

Umsätze in Portalen und Bezahlsysteme sind gefragt

Digitale und mobile Bezahlangebote gewinnen an Bedeutung: So bieten zum Beispiel 31 Prozent ihren Kunden Paypal an, 17 Prozent Girocard kontaktlos, 12 Prozent Girocard mobile, 8 Prozent Google Pay und 2 Prozent per Go4Q.

Die Umfrage zeigt zudem, dass 31 Prozent der Befragten bereits Leistungen über eines oder mehrere der zahlreichen Portale anbieten, etwa bei Amazon (14 Prozent), Ebay (12 Prozent) und My-Hammer (8 Prozent), aber auch bei kleineren Plattformen wie Wirsindhandwerk, Blauarbeit und DeineHelfer24 (jeweils 4 Prozent), Etsy (3 Prozent), sowie Thermondo, Homebell, Weissmaler, Doozer, Homify und Renovago (jeweils 2 Prozent).

Insgesamt beschäftigen sich Handwerker bisher jedoch kaum mit den Chancen und Risiken der Plattformökonomie. Nur 18 Prozent der Befragten kennen diesen Begriff bereits. Dabei geht es um im Internet entstehende große Plattformen, die handwerkliche Leistungen anbieten – mit oder Beteiligung von Handwerkern.

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