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Kommunikation

Reden Sie endlich Klartext!

Alle reden über Klartext, aber keiner spricht es aus. Warum? Weil Klartext oft unangenehm ist. Dabei kann er Betriebe voranbringen und wirtschaftlicher machen. So schaffen Sie es, endlich Klartext zu reden.

Klartext reden heißt: - Sagen, was Sache ist, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Sagen, was Sache ist, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
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Sagen, was Sache ist, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder besonders nette Worte zu finden. Das ist Klartext.

Autor und Marketing-Experte Dominic Multerer hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Und gibt Tipps, wie Betriebe Klartext in ihren Alltag integrieren - ohne Rumeiern, ohne Schnickschnack. Denn er ist davon überzeugt, dass Klartext Betriebe wettbewerbsfähiger macht. Seine Begründung: Wer Probleme und Fehler rechtzeitig und offen anspricht, kann schneller darauf reagieren.

Wozu Klartext?
„Klartext braucht es in Unternehmen grundsätzlich für zwei Ziele: Entweder es geht darum, besser zu werden, oder es geht darum, ein Problem zu lösen“, sagt Multerer.
Aus seiner Erfahrung in der Beratung von Unternehmen, rät er:

  • Ohne Klartext geht es nicht. Klartext muss die Regel sein, nicht die Ausnahme.
  • Klartext ist nicht negativ, sondern produktiv. Klartext kann wehtun, aber das macht nichts. Am Ende profitieren alle von Klartext.
  • Mit Klartext kann man nicht früh genug anfangen. Harte Worte mitten in der Krise sind meistens Tacheles, aber kein Klartext.
Das Ziel jedes Unternehmens sollte laut Multerer deshalb sein: Klartext reden, im Betrieb und nach außen.
Das machen jedoch nicht viele Chefs oder Mitarbeiter. Der Grund: Klartext kann unangenehm sein. Keiner möchte der Spielverderber sein und Dinge aussprechen, die die gute Laune verderben.

Deswegen wird in vielen Betrieben nur in Krisenzeiten Klartext gesprochen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Wie integrieren Betriebe Klartext in den Alltag?
Multerer hat für Unternehmen einen Drei-Punkte-Plan entwickelt, wie Klartext nicht nur „Notfallprogramm“ ist, sondern sich in den Alltag integrieren lässt:

  • Ins Handeln kommen: Es sind die Mitarbeiter in der Führungsebene oder die Chefs, die damit beginnen sollten. Einzelne Mitarbeiter reden selten von sich aus Klartext. Wichtig: Beginnen Sie in guten Zeiten damit, als Vorbild zu handeln und Klartext zu reden. Dann nimmt sich das gesamte Team ein Bespiel daran.
  • Zeichen setzen: Dabei geht es weniger darum, dass Sie über etwas sprechen, sondern es geht um konkrete Taten.
  • Gelegenheiten für Klartext schaffen: Das bedeutet, dass Chefs sich das Feedback ihrer Mitarbeiter einholen oder zur Diskussion anregen. Zum Beispiel darüber, wie man Abläufe und Prozesse besser machen kann. Als Anfang könnte dafür beispielsweise eine Projektgruppe gegründet werden oder alle Mitarbeiter treffen sich regelmäßig und tauschen sich zielgerichtet über das Thema aus.
  • Beispiel: eine Klartext-Übung
    Klartext zu verankern geht nicht von heute auf morgen. Es sollte eher als langfristiges Ziel angesehen werden. „Überfordern Sie Ihr Team nicht“, sagt Multerer. Seine Empfehlung: Fangen Sie klein an, um kleine Erfolge zu erzielen. Zum Beispiel mit einer einfachen Übung:  

    Benennen Sie einen „Tag der ungeschönten Wahrheiten“: An diesem Tag soll jeder ungefiltert sagen, was er denkt. Vorausgesetzt, alle verpflichten sich, dass kein Wort, das an dem Tag gefallen ist, später gegen jemanden verwendet werden darf. Alles soll an dem Tag auf den Tisch kommen.

    Die Übung kann einiges bewirken. Wenn Sie sich als erfolgreich betrachten, können Sie diese Übung wiederholen und kommen dem Klartext im Alltag immer ein Stück näher.

    ... sagt Autor Dominic Multerer.
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    Damit Klartext ankommt – darauf sollten Sie achten
    Nicht jeder Mensch wird das, was Sie ihm als Klartext vermitteln wollen, auch ebenso verstehen. Sie müssen also wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Wie tickt Ihr Gesprächspartner? Wie können Sie ihn mit Ihrem Appell aufrütteln, ohne ihm auf die Füße zu treten? Diese Fragen sollten Sie sich stellen, bevor Sie jemanden mit unangenehmen Fakten konfrontieren.

    Wichtig ist auch das jeweilige Umfeld und die Situation. Als Chef beispielsweise sollten Sie wissen: Wann kann ich mir was erlauben? Was ist die Konsequenz meiner Aussage?

    Machen Sie sich außerdem bewusst, wie Ihre Aussagen wahrgenommen werden. Wenn ein Betrieb kurz vor der Pleite steht, kann man das auch genau so sagen. Oder man kann sagen „Wir müssen dringend aktiv werden, wenn wir etwas verändern wollen“. Das ist weniger intensiv, regt aber zum Handeln an und hat das Ziel, eben nicht Pleite zu gehen. „Wenn ich Klartext rede, muss ich mich immer fragen, wie laut oder leise ich sein darf, damit es bei meinem Gegenüber richtig ankommt“, betont Dominic Multerer.

    Beispiel: Schreit ein Chef einen Azubi auf der Baustelle an, weil er einen Fehler gemacht hat, bringt das gar nichts.

    • Der Azubi ist verletzt.
    • Der Fehler wird nicht aufgeklärt.
    • Der Kunde bekommt einen schlechten Eindruck und die Mitarbeiter auch.
    Stattdessen hilft es, den Azubi beiseite zu nehmen und genau zu erklären, was schief gelaufen ist. Und ihm beispielsweise anzubieten, vorher noch einmal zu fragen, wenn er sich bei bestimmten Arbeiten nicht sicher ist. So kommen Sie aus der Situation heraus. Und gehen auf Nummer sicher, dass Ihre Botschaft auch ankommt. Nicht zuletzt wird das Team so eher hinter Ihnen stehen, als wenn Sie den Lehrling vor versammelter Mannschaft zur Schnecke machen.


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