Ein Blumenstrauß auf Firmenkosten – reicht das für eine Kündigung?
Foto: K.- P. Adler - Fotolia
Ein Blumenstrauß auf Firmenkosten – reicht das für eine Kündigung?

Urteil

Fristlose Kündigung nach Blumenstraußkauf – geht das?

Reicht einmaliges Fehlverhalten aus, um einen Mitarbeiter fristlos zu feuern? Ein Streit um Blumen, Gebäck und eine Weihnachtsfeier landete vor Gericht.

Eine fristlose Kündigung darf nur aus einem wichtigen Grund erfolgen. Außerdem darf es für den Arbeitgeber nicht zumutbar sein, den Mitarbeiter bis zum Ende der Kündigungsfrist weiter zu beschäftigen. Ob ein Blumenstrauß, Gebäck und eine Weihnachtsfeier solche Gründe liefern können, hat jetzt das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz entschieden.

10 gute Gründe für eine fristlose Kündigung

Manchmal sind Mitarbeiter einfach nicht mehr tragbar. Hier sind 10 Gründe, die eine fristlose Kündigung rechtfertigen.
Artikel lesen

Der Fall: Der Leiter der Finanzabteilung hatte in den Augen seines Arbeitgebers gleich drei Gründe für eine fristlose Kündigung geliefert:

  • Er hatte einer kranken Mitarbeiterin seines Teams einen Blumenstrauß auf Firmenkosten zukommen lassen.
  • Für eine Besprechung mit anschließender Weihnachtsfeier ließ er Gebäck auf Firmenkosten liefern.
  • Nach Ende des dienstlichen Teils der Feier versäumte er, sich aus dem Zeiterfassungssystem abzumelden.

Der Arbeitgeber wertete das als Veruntreuung und Arbeitszeitbetrug und kündigte fristlos. Der Abteilungsleiter klagte.

Das Urteil: Das Landesarbeitsgericht entschied im Sinne des Mitarbeiters. Es liege weder ein Grund für eine fristlose, noch für eine fristgerechte Kündigung vor. Die Ausgaben für Gebäck und Blumen, insgesamt rund 130 Euro, seien durch die firmeninterne Repräsentations- und Bewirtungsrichtlinie im Wesentlichen gedeckt. Dass sich der Mitarbeiter bei der Weihnachtsfeier nicht aus dem Zeiterfassungssystem abmeldete, wertete das Gericht ebenfalls nicht als hinreichenden Grund, sondern als einmaliges Fehlverhalten. Eine Abmahnung hätte in allen drei Punkten ausgereicht, so die Richter. (LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 03. August 2021, Az. 8 Sa 361/20)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht  verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

Kleinbetrieb: Klage gegen Kündigung muss gut begründet werden

Klagt ein Mitarbeiter gegen seine Kündigung in einem Kleinbetrieb, muss er mögliche Fehler des Arbeitgebers beweisen können.
Artikel lesen

Tschüss Faulpelz! Wie kündige ich Low Performern?

Mitarbeitern zu kündigen, die zu wenig arbeiten, ist nur in Kleinstbetrieben einfach. Alle anderen müssen die Minderleistung beweisen.
Artikel lesen

Kündigungsgründe: Wann darf ich Mitarbeiter entlassen?

Wer mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt, fällt unter das Kündigungsschutzgesetz. Eine Kündigung muss dann gut begründet werden. Ein Überblick.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Drei Paletten einfach mitgenommen: Das ist laut Gericht zwar eine Pflichtverletzung, aber in dem Fall kein Grund für eine fristlose Kündigung.

Personal

Fristlose Kündigung nach Mitnahme von Europaletten rechtens?

Ein Betrieb kündigt einem Mitarbeiter fristlos: Der Mann hatte 3 Europaletten aus der Firma abtransportieren lassen – für ein Osterfeuer. Das sagt ein Gericht dazu.

    • Personal, Recht, Arbeitsrecht
Eine Kaffeepause während der Arbeit ist erlaubt, wenn sie dokumentiert wird.

Urteil

Heimliche Kaffeepause rechtfertigt fristlose Kündigung

Arbeitszeitbetrug ist kein Kavaliersdelikt, vor allem bei Vorsatz. Das erlebte jetzt eine Reinigungskraft, die zehn Minuten Kaffeepause unterschlug.

    • Personal, Recht, Arbeitsrecht
Porsche tanken kostet Mitarbeiter den Job: Denn er nutzte die Tankkarte seines Firmenwagens entgegen der betrieblichen Regeln mehrfach privat.

Fuhrpark

Tankkarte privat genutzt: Fristlose Kündigung gerechtfertigt?

Für dienstliche Fahrten mit dem Firmenwagen stellt ein Betrieb einem Mitarbeiter eine Tankkarte zur Verfügung. Doch der nutzt sie 38 Mal privat und tankt damit seinen Porsche.

    • Fuhrpark
Starke Strömung und Schiffsverkehr: Schwimmen im Rhein ist besonders unter Alkoholeinfluss gefährlich und kann im Arbeitsverhältnis eine Pflichtverletzung darstellen.

Personal

Firmenfeier: Fristlose Kündigung für Sprung in den Rhein?

Gute Stimmung auf dem Partyschiff: Doch dann geht ein Mitarbeiter im Rhein baden und ruiniert damit die Stimmung. Der Betrieb revanchiert sich mit der Kündigung.

    • Personal, Arbeitsrecht