Frank Meyer hat viele Höhen und Tiefen gemeistert - die Fliegerei hat ihm dabei auf verschiedene Weise geholfen.
Foto: Denny Gille

Strategie

Rettung nach Pilotenplan – aus der Insolvenz geflogen

Fliegerei und Handwerk: Für Frank Meyer ist das die perfekte Kombination. Sogar aus der Insolvenz hat er sich so befreit – mit einer Notfalllehre für Piloten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Maurer, Pilot und Fluglehrer: Frank Meyer hat sich beruflich eine ungewöhnliche Kombination von Fähigkeiten angeeignet.
  • Fruchtbare Ergänzung: Über die Fliegerei hat der Handwerker manchen Auftrag für seinen Betrieb an Land gezogen. Außerdem half sie ihm durch schwere Zeiten.
  • Taugt als Rettungsplan für die Insolvenz: die Notfalllehre für Piloten. Die gibt eine feste Handlungsreihenfolge vor: Fliegen, Navigieren, Kommunizieren – das hat Meyer in seiner schwersten Phase als Unternehmer beherzigt. Mit Erfolg.
  • Fliegen schulte den Unternehmer: Als Pilot lernt man sich zu organisieren und Prioritäten zu setzen. „Das Fliegen hat mich zu einem besseren Handwerker gemacht“, sagt Meyer.
  • Video: Über den Dächern von Hannover berichtet der fliegende Maurer von seinen Erfahrungen und setzt zum Schwerelosigkeitsflug an.

Eng ist es im Cockpit der Cessna 172. Die Ausstattung des Fliegers: robust, schnörkellos. Die Tür schließt nicht von selbst. Dazu muss man einen Metallhebel umlegen. Ein Kippmechanismus öffnet die Seitenfenster. Frank Meyer ist gelernter Maurer. Er öffnet sein Fenster und steuert die Cessna – Kennzeichen D-EXBS – an den Rand der Startbahn. Pilot und Fluglehrer ist er auch.

„Delta-Echo-Xray-Bravo-Sierra auf Bahn zwo, sieben, rechts abflugbereit“, meldet er dem Tower. Schon knistert die Antwort aus den Kopfhörern: „Nach dem Okay, Linkskurve Richtung Stadt … Zwo, sieben, rechts startfrei.“ Meyer gibt Gas. Die Cessna beschleunigt, hebt sanft ab. Wir gewinnen an Höhe.

Abheben, Fliegen, Stürzen

„Die Fliegerei hat mich zu einem besseren Handwerker gemacht“, sagt Meyer. Beim Fliegen habe er gelernt, sich zu organisieren, Prioritäten zu setzen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es brenzlig wird. Meyer fliegt die Linkskurve Richtung Hannover. Wir schweben über den Dächern der Stadt. Dann drosselt er den Motor. Der Lärmpegel sinkt, dann fühlt es sich an, als würden einem die Eingeweide nach oben rutschen. Der Name dieser Unsitte: „Schwerelosigkeitsflug“, sagt Meyer. Er fängt die Maschine wieder ab. (Klicken Sie hier und sehen Sie das Video.)

Steil aufsteigen und plötzlich fallen. Damit hat Meyer nicht nur im Cockpit Erfahrung. Auch beruflich hat er schon einen Sturzflug hingelegt. Der allerdings war nicht so kontrolliert. „Das war eine Bruchlandung“, sagt Meyer. Dabei lief zunächst alles gut.

2000 hat sich der Maurer im Handwerk selbstständig gemacht. Die Auftragslage war gut. Auch sein zweites Standbein sorgte für stetes Einkommen. „Ich habe Bruchbuden gekauft, sie wiederhergestellt und verkauft.“ Zu einem geerbten Haus gesellte sich ein zweites dazu. „Dann wurde ich gierig“, sagt der Unternehmer. Überheblichkeit gepaart mit Unkenntnis haben ihn in die Insolvenz getrieben. Beruflich und privat. „Das war nicht sanft. Ich konnte manchen Partner nicht mehr bezahlen und habe zwei Häuser verloren.“

Der Piloten-Notfallplan für die Insolvenz

Doch Meyer ist es gelungen, seinen Absturz in eine Zwischenlandung zu verwandeln. Dabei half ihm die Notfalllehre aus der Fliegerei. Für Piloten in Notsituationen gilt eine feste Handlungsreihenfolge zum besonnenen Handeln.

  • Aviate (fliegen): Die Kontrolle über die eigene Situation behalten. Das hat oberste Priorität.
  • Navigate (navigieren): Das Wissen, wo man sich befindet und welches Ziel man erreichen will.
  • Communicate (kommunizieren): Wichtige Personen über die eigenen Pläne und Erfordernisse informieren.

Nach diesem Schema hat sich Meyer aus der Insolvenz manövriert. Die erste Lektion nahm er wörtlich. „Die Berufspilotenlizenz hat mir in der Zeit sehr geholfen“, sagt Meyer. „Ich konnte ohne Materialeinsatz gutes Geld verdienen.“ So hat er Maschinen etwa von Amerika nach Europa überführt. „Fliegen konnte man das oft nicht nennen“, erzählt der Maurer. „Ich bin in alten, kaputten Kleinmaschinen durch die Luft gerattert.“

Lektion Nummer zwei hat Meyer dabei stets im Auge behalten. Navigate – wo soll es hingehen? Meyer wollte mindestens dorthin zurück, wo er einmal stand. Nach überstandener Insolvenz startete der Maurer den zweiten Versuch als Handwerksunternehmer. „Ich wollte wieder mit den Händen arbeiten.“

Die letzte Lektion – Communicate – bedeutete für Frank Meyer, die Hilfe seines Umfelds in Anspruch zu nehmen. „Mir haben Familie und Freunde viel geholfen, dass ich beruflich und finanziell wieder auf die Beine kam.“

Lektionen gelernt – Start in den Neuanfang

Hatte sich der Maurer im Jahr 2000 noch mit zulassungsfreien Gewerken wie Fliesen-, Platten- und Mosaikleger selbstständig gemacht, holte er nun einige Prüfungen nach, um im Maurergewerk als Selbstständiger tätig sein zu dürfen. „Dabei hat mir die Handwerkskammer unheimlich geholfen“, sagt Meyer.

Und Kommunikation ebnete ihm auch als Fluglehrer den Neuanfang im Handwerk. „Flugschüler sind meist zahlungskräftige Kunden“, betont Meyer. Dabei kann eine Flugstunde ein ruhiges Umfeld für eine berufliche Plauderei bieten, sobald die Maschine das Einzugsgebiet des Flughafens verlässt und der Funkverkehr abebbt. „Dann erzählst du von dir, outest dich als Maurer und dein Flugschüler hat zufällig gerade ein Mehrfamilienhaus zu verputzen oder Arbeiten an seinem Privathaus zu vergeben“‚ erzählt Meyer. Erst Anfang August brachte ihm das wieder einen größeren Auftrag ein.

Künftig Kleinkram: das senkt das Risiko

So steht der Unternehmer heute mit beiden Beinen im Leben. Der Betrieb floriert, am Wochenende reicht die Zeit für eine entspannte Flugstunde. „Ich bin jetzt an einem Punkt, wo gerne alles so bleiben darf wie es ist“, erzählt der 49-Jährige. Beruflich geht Meyer weniger Risiken ein. „Ich mache viel Kleinkram – sollte da etwas schiefgehen, kann ich das verkraften.“

Das sei ähnlich wie Cessna fliegen: Kleine Maschine, wenig Instrumente, „da kann wenig passieren.“ Meyer lenkt die Cessna in eine lange Kurve zum Landeanflug. Butterweich setzt der große Maurer den kleinen Flieger auf die Landebahn.

Hier im Video: Cockpit-Lektionen mit dem fliegenden Maurer

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