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Management

Ruhestand mit Nebenverdienst

Sozialabgaben trotz Rente? Wer nach der Übergabe weiter im Betrieb mitarbeitet, könnte von den Versicherungen noch einmal zur Kasse gebeten werden.

Sozialabgaben trotz Rente? Wer nach der Übergabe weiter im Betrieb mitarbeitet, könnte von den Versicherungen noch einmal zur Kasse gebeten werden.

von Jörg Wiebking

Hermann Müller ist 70 Jahre alt, doch von Ruhestand keine Spur: Die Tischlerei in Fürstenberg wird zwar längst von seinem Sohn Uwe geführt, doch ein bis zwei Stunden am Tag arbeitet der Tischlermeister noch mit. Einfach aufhören, das habe sein Vater nicht gewollt, berichtet Uwe Müller: Jetzt kümmert er sich um die Bestattungen. Von der Arbeitsteilung profitieren beide: Der Vater kann sich schrittweise aus dem Berufsleben zurückziehen, der Sohn weiß eine erfahrene Kraft an seiner Seite. Dass der Vater dafür keinen Lohn will, ist ein angenehmer Nebeneffekt für Uwe Müller: Finanziell hat mein Vater alles so geregelt, dass er sich darüber keine Gedanken machen muss.

Doch nicht immer lässt sich die finanzielle Seite der Nachfolge so problemlos organisieren. Will oder muss der Senior nach der Übergabe noch im Betrieb mit anfassen, dann taucht regelmäßig eine Frage auf: Wie lässt sich die Mitarbeit für beide Seiten finanziell sinnvoll gestalten. Das ist in der Beratung immer wieder ein Thema, berichtet Wolfgang Miethke von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Modelle gebe es viele, vom regulären Arbeitsvertrag bis zur Beratertätigkeit. Doch bevor solche Details besprochen werden, sollten sich beide Parteien über einen grundlegenden Punkt klar werden, warnt Miethke: Wo es möglich ist, sollten Übertragung und Mitarbeit sauber getrennt werden. Andernfalls seien die Risiken beträchtlich: Was passiert zum Beispiel, wenn der Senior irgendwann nicht mehr arbeiten kann, aber auf den Lohn angewiesen ist? Oder wenn der Junior trotz Liquiditätssorgen nicht aus dem Arbeitsvertrag kann? In der Praxis ließen sich Nachfolge und Mitarbeit nicht immer sauber trennen, aber zumindest sollten sich beide Seiten vorher über die Risiken klar werden und vertraglich Vorsorge treffen.

Spätestens wenn das geklärt ist, taucht eine zweite Frage auf: Wie lässt sich die Mitarbeit so gestalten, dass möglichst wenig Abgaben fällig werden? Und wie lässt sich das klären, ohne die Sozialversicherungen sofort einzubeziehen? Daran führt kaum ein Weg vorbei. Natürlich könnte der Steuerberater oder ein Anwalt unverbindlich bei der Kranken- und Rentenversicherung vorfühlen. Doch verbindliche Auskünfte gibt es erst, wenn die Versicherungsträger den Sozialversicherungsstatus des Seniors festgestellt haben.

Das ist wie bei jedem Arbeitsverhältnis, erläutert ein Sprecher der IKK. Dass der Senior früher Unternehmer war, spiele dabei keine Rolle. Werde er als Arbeitnehmer eingestuft, dann sei er entsprechend versicherungspflichtig. Welche Versicherungen in welcher Höhe fällig werden, hänge dann vom Alter und Einkommen ab. Zwar sei es auch denkbar, dass der Übergeber für den Betrieb als freiberuflicher Berater tätig ist. Wer jedoch nur für einen Auftraggeber tätig ist, könnte als scheinselbstständig eingestuft werden. Das Risiko: Spätestens bei einer Betriebsprüfung fliegt das auf und dann muss der Arbeitgeber nachzahlen.

Wer kriegt was?

Diese Beiträge fallen an, wenn der Senior nach der Übergabe sozialversicherungspflichtig mitarbeitet.

Rentenversicherung: Der Arbeitgeber wird unabhängig von Alter und Rente des Mitarbeiters Arbeitgeberbeiträge zahlen. Der Rentner selbst zahlt zwar keine Arbeitnehmerbeiträge, jedoch gibt es Zuverdienstsgrenzen. So darf ein Vollrentner, der noch nicht 65 ist, maximal 350 Euro monatlich dazu verdienen, sonst wird die Rente gekürzt. Ab 65 gibt es für den Rentner jedoch keine Zuverdienstgrenzen mehr.

Krankenversicherung: Ist der Senior freiwillig oder pflichtversichert Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung, dann fallen für ihn und den Arbeitgeber Beiträge an, allerdings ab 65 zum ermäßigten Beitragssatz und ohne Anspruch auf Krankengeld. Für privat krankenversicherte Rentner ändert sich nichts, da deren Beiträge vom Einkommen unabhängig sind.

Arbeitslosenversicherung: In der Arbeitslosenversicherung sind Rentner ab 65 Jahren versicherungsfrei gestellt. Bis zum 65. Lebensjahr zahlen Rentner und Arbeitgeber regulär Beiträge.

Minijobs: Wer als Minijobber für maximal 400 Euro monatlich im Betrieb weiter mitarbeitet, muss keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Dafür kassiert die zuständige Bundesknappschaft pauschal 30 Prozent Abgaben vom Arbeitgeber.

Quellen: IKK, Bundesknappschaft, Deutsche Rentenversicherung, Bundesagentur für Arbeit, Verband der privaten Krankenversicherungen.

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