Mit den Plasma-Luftreinigern ist der Betrieb über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Es gibt sie für Viehställe und auch Büros.
Foto: Martina Jahn

Weniger Keime, niedriger Krankenstand

Saubere Luft – tolles Betriebsklima

In diesem Betrieb geht der Krankenstand gegen Null. Erreicht hat er das mit einem eigens entwickelten Luftreiniger, der Bakterien und Keime entfernt. Eine Innovation für Mensch und Tier.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Edelstahlnord im niedersächsischen Hildesheim entwickelt Luftreinigungsanlagen. Sie sorgen für eine Reduzierung von Keimen, Bakterien und Gerüchen.
  • Was eigentlich für gesunde Tiere in Aufzuchtställen gedacht war, ist auch auf andere große Räume übertragbar: In Büros, Praxen oder Kantinen kommen die Plasma-Reiniger ebenfalls zum Einsatz.
  • Durch den Einsatz von Luftreinigungsanlagen in den eigenen Büroräumen hat der Betrieb den Krankenstand massiv reduziert.
  • Das schlägt sich auch auf das Betriebsklima nieder: Torsten Lühr, einer der Geschäftsführer, entwickelt das Luftreinigungssystem kontinuierlich weiter. Die gute Stimmung im Betrieb ist sein Antrieb.

Was gut für Tiere ist, kann auch gut für Menschen sein.Nach diesem Motto hat Edelstahlnord gehandelt. Der Betrieb in Hildesheim hat ein Luftreinigungssystem entwickelt, das Keime und Bakterien mithilfe von Plasma aus der Luft entfernt. Ursprünglich wurde das System für die Keimreduktion in Viehställen entwickelt. Heute stehen die Reinigungsanlagen im Kleinformat nicht nur in den Büroräumen des edelstahlverarbeitenden Handwerksbetriebes. Auch in Arztpraxen, Kantinen oder anderen Räumen mit hoher Keimbelastung und Größe kommen sie zum Einsatz.

Staatspreis auf der Handwerksmesse

„Die Raumluftreiniger sind eigentlich nur ein Abfallprodukt“, berichtet Torsten Lühr. Er ist einer der drei Geschäftsführer des 85-Mann-Unternehmens, das auf Edelstahlverarbeitung spezialisiert ist. Lühr verantwortet den Bereich Luftreinigung. Seit der Markteinführung des ersten Geräts 2015 hat er mit den Luftreinigern unter dem Namen Plasma Nord einiges erreicht.

So wurde das Unternehmen während der Internationalen Handwerksmesse in München 2018 mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Derzeit führt das Unternehmen nach Lührs Angaben Gespräche mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. „Unsere Idee haben wir vorgetragen und hoffen, dass wir die Projektzusage noch im Frühjahr erhalten“, sagt der Unternehmer. Der Betrieb rechnet mit einer sechsstelligen Fördersumme für die Entwicklung eines neuen Prototypen zur Luftreinigung.

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Tierwohl steht an oberster Stelle

Die Filteranlagen wurden eigentlich entwickelt, um die Luft in Viehställen so zu reinigen, dass keine Keime und Bakterien überleben und somit Tiere vor Krankheiten geschützt sind. Bisher stehen die in Hildesheim gebauten Anlagen vorwiegend in Ställen in Österreich. Dort hat sich gezeigt: Das System trägt maßgeblich zur Gesundheit der Tiere bei. „Damit sparen sich Landwirte Antibiotika im Futtermittel – ein weiterer positiver Aspekt auch für Verbraucher“, betont Lühr.

In Deutschland hat sich das System noch nicht durchgesetzt. Hierzulande liegt das Augenmerk auf der Reinigung der Stallluft, die nach außen dringt. „Für die Tiergesundheit wird bisher leider wenig getan“, sagt der 56-Jährige. Das will Torsten Lühr ändern: Mit einem großen Hersteller von Reinigungsanlagen, die in deutschen Viehställen stehen, hat er Kontakt aufgenommen. Die erste Versuchsanlage hat er in Kooperation mit dem Marktführer aufgestellt. Sein Ziel: als Mittelständler den deutschen Markt erschließen und das Tierwohl in den Ställen erhöhen.

Wie das System funktioniert

Die Reinigung funktioniert stufenweise: Nach dem Ansaugen der zu reinigenden Luft durch einen Ventilator wird sie durch das Filtersystem geleitet. Zunächst entfernt ein Partikelfilter Feststoffe und Kleinpartikel aus der Luft. Das Kernstück des Filtersystems ist ein elektrisch erzeugtes nichtthermisches Plasma.

Geruchsmoleküle, Keime, Bakterien und Pollen werden in der Plasmazelle zerstört und somit beseitigt. Am Ende filtert ein Aktivkohlefilter das übrig gebliebene Ozon heraus. Was im Staubfilter zurückbleibt, könne man einfach abspülen oder in den Geschirrspüler tun, meint Lühr.

Das Ergebnis der Plasmareinigung: eine Reduzierung von Gerüchen, Keimen, Bakterien und sonstigen Schadstoffen in der Luft von bis zu 100 Prozent – das hat der Betrieb durch Vorher-Nachher-Kontrollen von bestehenden Anlagen nachgewiesen.

Die Arbeitsatmosphäre stimmt

Edelstahlnord sorgt auch für saubere Luft in den eigenen Räumen: In den Büros am Standort Hildesheim haben die Luftreiniger dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter deutlich seltener krank sind. Das sei „ein großer Vorteil für uns als Arbeitgeber“, betont Lühr. Denn das Team arbeite motivierter und sei produktiver.

Auch Torsten Lühr hat es von Anfang an das Betriebsklima angetan. Der gelernte Maschinenbauer hatte bereits in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, bevor er 2009 als Betriebsleiter bei den Hildesheimern einstieg. „Damals stand ich kurz vor einem Burn-out, war müde und lustlos“, räumt Lühr ein. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems und die steigende Verantwortung, die er im Betrieb übernehmen durfte, sind sein Antrieb. Und der hat Sogwirkung: Seit den knapp zehn Jahren, die er nun in Hildesheim arbeitet, ist die Mitarbeiterzahl um mehr als das Dreifache gestiegen.

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