Foto: Jonathan Stutz - stock.adobe.com

Urteil

Schlägerei unter Kollegen kann Arbeitsunfall sein

Zwei Arbeitskollegen streiten sich auf dem Nachhauseweg. Der Höhepunkt: eine Prügelei. Jetzt muss die Unfallversicherung für die Folgen aufkommen.

Der Fall: Nach Ende des Arbeitstages treten drei Männer gemeinsam den Heimweg in einem Firmenwagen an. Während der Fahrt kommt es zum Streit. Denn der Fahrer besteht darauf, dass die Fenster wegen des Fahrtwindes geschlossen bleiben. Einer der beiden Mitfahrer beharrt hingegen – wegen angeblichen Schweißgeruchs im Innenraum – auf Frischluftzufuhr. Vor der Haustür des Mannes eskaliert der Streit schließlich. Er schlägt den Fahrer mit der Faust zu Boden. Anschließend tritt er ihn in den Kopfbereich. Folge: eine Schädelprellung. In einem Strafverfahren wird der Mann deshalb zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Fahrer verlangt von der gesetzlichen Unfallversicherung zudem, dass der Fall als Arbeitsunfall gewertet wird. Doch die lehnt ab, denn sie erachtet die Prügelei als rein private Auseinandersetzung. Der geschädigte Arbeitnehmer ist anderer Meinung und reicht Klage ein.

Das Urteil: Die Entscheidung der Unfallversicherung ist rechtswidrig, entschied das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg. Es wertete die erlittene Körperverletzung als Arbeitsunfall. Denn nachdem der Fahrer seine Arbeitskollegen zu Hause abgeliefert hatte, befand er sich auf dem Heimweg. Und die Heimfahrt von der Arbeit steht unter dem Schutz der Wegeunfallversicherung. Schließlich werde dieser Weg grundsätzlich nicht aus privatem Interesse zurückgelegt, so die Richter. Vielmehr steht er immer im Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit.

LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 22. November 2017, Az. L 1 U 1277/17

Auch interessant:

Sturz mit Kaffeetasse kann Arbeitsunfall sein

Ist ein Sturz mit einer Kaffeetasse in der Hand über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt? Diese Frage musste das Landessozialgericht NRW klären. Zumindest im vorliegenden Fall war die Entscheidung klar.
Artikel lesen >

Recht

Mängelhaftung: Wo bleibt die Reform?

Handwerker müssen dafür geradestehen, wenn sie mangelhafte Produkte verbauen. Politiker wollen das Handwerk aus der Haftungsfalle holen. Doch hinter den Kulissen gibt es Streit – um eine wesentliche Forderung des Handwerks.

Arbeitsrecht

Keine Privatsache: Bowlen auf Dienstreise

Beim Bowling-Turnier die Schulter verrenkt: Der Sturz während einer Dienstveranstaltung kann als Arbeitsunfall durchgehen. So hat es das Aachener Sozialgericht entschieden.

Arbeitsrecht

Arbeitsunfall oder nicht? Die Details machen den Unterschied

Betrunken gestürzt: Arbeitsunfall. Auf Firmentoilette verunfallt: leider Privatsache. Wir erklären die Feinheiten des Versicherungsschutzes – und worauf es bei der Unfall-Schilderung ankommt.

Recht

Sturz mit Kaffeetasse kann Arbeitsunfall sein

Ist ein Sturz mit einer Kaffeetasse in der Hand über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt? Diese Frage musste das Landessozialgericht NRW klären. Zumindest im vorliegenden Fall war die Entscheidung klar.