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Kredite 2021: Schlechteres Rating, höhere Zinsen, mehr Sicherheiten werden die Folgen der Corona-Krise sein.

Unternehmensfinanzierung

Schlechte Aussichten für Kredite 2021

Wie wirken sich die Corona-Folgen 2021 auf Kredite, Zinsen und Sicherheiten aus? Eine Umfrage unter Bankern bietet Grund zur Sorge.

Auf einen Blick:

  • Die Folgen der Corona-Pandemie werden sich 2021 auf die Kreditversorgung kleiner und mittlerer Unternehmen auswirken. Das ergibt eine aktuelle Umfrage unter Bankern.
  • Die Banker rechnen mit einer deutlichen Verschlechterung des Ratings für viele Betriebe.
  • Die Folgen: die Forderungen nach mehr Sicherheiten, höhere Zinsen und mehr Probleme, überhaupt noch einen Kredit zu bekommen.
  • Ohne den Jahresabschluss 2020 dürfte es für viele Betriebe keinen neuen Kredit mehr geben.

Kredite, Zinsen, Sicherheiten – wie wird sich die Finanzierungsituation 2021 Unternehmen entwickeln? Antworten auf diese Frage gibt eine aktuelle Umfrage der Rating- und Finanzierungsexperten im Bundesverband Die KMU-Berater. 113 Banker beteiligten sich der Umfrage. Ihre Antworten lassen den Finanzierungsexperten Carl-Dietrich Sander gravierende Verschlechterung auch für so manchen Handwerksbetrieb erwarten.

1. Rating wird sich verschlechtern

Ein entscheidender Faktor für das Rating 2021 ist der Jahresabschluss 2020. Und von dem erwarten die Banker der Befragung zufolge nichts Gutes:

  • Mit einer Verschlechterung des Ratings bei 20 bis 50 Prozent ihrer Kunden rechnen rund 71 Prozent der Banker.
  • Ein kleinerer Teil von 16 Prozent geht sogar davon aus, dass sich bis zu 70 Prozent ihrer Bankkunden verschlechtern werden.
  • Nur 13 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung des Ratings bei weniger als 20 Prozent der Betriebe.

„Das ist schon relativ heftig“, sagt Sander. „Man denkt ja, dass längst nicht alle Betriebe von Corona betroffen sind. Aber diese Antworten spiegeln eine sehr skeptische Sicht auf die wirtschaftliche Entwicklung.“

Zwar erwarten nur 1,77 Prozent der Befragten, dass das Handwerk verstärkt von den Ratingproblemen betroffen sein wird. Doch das sei mit Vorsicht zu betrachten, warnt Sander: Der Messebau zählte in der Umfrage zum Beispiel zum stark betroffenen Wirtschaftsbereich „Tourismus, Reisen, Messen“. Und ob die befragten Banker zum Beispiel Friseure und Kosmetiker zum ebenfalls stark betroffenen Dienstleistungssektor zählten oder zum Handwerk, sei nicht nachvollziehbar.

„Wir gehen davon aus, dass sich die negativen Effekte der Corona-Krise auch auf die Finanzierungslage von weniger stark betroffenen Branchen auswirken werden“, betont Sander. Haben Banken einen hohen Anteil betroffener Kunden, so könne das zu einer restriktiveren Kreditpolitik auch gegenüber relativ gesunden Betrieben führen.

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2. Jahresabschluss 2020 entscheidet im Kreditgespräch

Wer mit seiner Bank über einen neuen Kredit oder die Verlängerung eines bestehenden Kredits sprechen will, sollte sich vorher um den Jahresabschluss 2020 kümmern. Denn den betrachten 15 Prozent der befragten Banker als „zwingend“ für eine Kreditentscheidung und weitere 61 Prozent halten ihn für „wichtig“. Nur 24 Prozent gaben an, dass eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) Stand Dezember 2020 ausreichen würde.

Betriebe und deren Steuerberater stelle das vor große zeitliche und organisatorische Herausforderungen, fürchtet Sander und empfiehlt betroffenen Handwerkern: „Vereinbaren Sie mit Ihrem Steuerberater klare Arbeitsschritte und Termine.“ Die Steuerberater seien in einer „Überlastungsschleife“: Jetzt kümmerten sie sich noch um die Anträge auf Überbrückungshilfe und wenn sie bis Mitte des Jahres damit durch sind, folgten schon die Kontrollen und Nachweise für die gestellten Anträge.

3. Mehr Sicherheiten, höhere Zinsen, Kreditklemme

Die erwarteten Verschlechterungen im Rating werden für die betroffenen Betriebe gravierende Folgen haben, fürchtet Sander:

  • Vierteljährliche BWA: 83 Prozent der befragten Banker wollen bei einem schlechteren Rating ihre Anforderungen an die unterjährige Berichterstattung erhöhen. Das bedeute: Betriebe müssten quartalsweise eine qualifizierte BWA vorlegen.
  • Zusätzliche Sicherheiten: 72 Prozent der Banker wollen in solchen Fällen zusätzliche Sicherheiten einfordern. Davor werde es auch nicht schützen, wenn ein Betrieb den Jahresabschluss 2020 lange hinauszögert, warnt Sander. „Eher im Gegenteil, dann richten sich die Banken nach Branchendaten, bis der Abschluss vorliegt.“
  • Zinssteigerungen: 67 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Kreditzinsen – eine logische Konsequenz bei einer risikogerechten Bepreisung, sagt Sander.
  • Keine Neukredite: Zudem gaben 56 Prozent an, dass Betriebe bei einer deutlichen Rating-Verschlechterung keine Neukredite mehr erhalten würden.
  • Reduzierung von Kreditlinien: Dass sie auch bestehende Kreditlinien kürzen würden, kündigten 38 Prozent der Banker an.

4. Der Schlüssel zum Kredit: Eigenkapital und bessere Aussichten!

Wissen wollten die KMU-Berater auch, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen mit einem schlechteren Rating künftig noch zusätzliche Kredite erhalten würden:

  • An wichtigsten ist für Banker dabei, dass Betriebe weiterhin über Eigenkapital verfügen (73 Prozent).
  • Eine große Rolle spielt für 63 Prozent zudem, dass die Ratingverschlechterung eine Folge der Corona-Pandemie war und demnach die begründete Hoffnung auf Besserung besteht.
  • Wichtig bleiben aber auch jene Faktoren, die laut Sander bisher schon selbstverständlich waren: die persönliche Haftung der Gesellschafter (70 Prozent) und eine (Teil-) besicherung der Kredite (64 Prozent).

5. Mehr Informationen, Know-How und Engagement

Auf die Frage, was Unternehmen 2021 in der Kommunikation mit den Banken beachten sollten, äußerten die Banker vor allem drei Wünsche:

  • zeitnahe und vollständige Daten,
  • frühzeitige Informationen und Offenheit,
  • Managementfähigkeiten und Umsetzungswillen des Kreditnehmers.

Das klang zwar auch schon nach der Finanzkrise 2007/2008 so. Doch in den vergangenen zehn Jahren „wurde dann manches wieder mit mehr Nachsicht behandelt, weil es kaum Risikokosten gab“, berichtet Sander. „Aber jetzt steigen die Risiken für die Banken wieder und damit wird das alles wieder relevanter für die Banken und für die Betriebe.“

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