Unternehmensgründer Joachim und Petra Kälz und Sohn Robin.
Foto: Katharina Wolf

Mitarbeiterbindung

Schlosserei Kälz: Ein Familienbetrieb mit Ambitionen

Die Schlosserei Kälz in Bad Sachsa schafft als kleines Unternehmen den Spagat zwischen familiärer Atmosphäre und anspruchsvollen Projekten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • In der Schlosserei Kälz in Bad Sachsa ist das Betriebsklima familiär. Bei Problemen sind die Chefs für ihre Mitarbeiter da.
  • Unternehmensgründer Joachim Kälz führt mit Frau Petra und Sohn Robin den 18-Mann-Betrieb.
  • Die enge Bindung der Mitarbeiter an den Betrieb macht es möglich, auch technisch anspruchsvolle Projekte in kurzer Zeit zu stemmen.

Die Schlosserei Kälz in Bad Sachsa ist ein Familienbetrieb. Und dass nicht nur, weil die Familienmitglieder zahlreich vertreten sind: Unternehmensgründer Joachim und Petra Kälz leiten mit Sohn Robin das Unternehmen. Dessen Frau hilft stundenweise aus, der Schwager und seine Mutter arbeiten ebenfalls im Betrieb.

Doch auch die nicht blutsverwandten Kollegen gehören praktisch zur Familie. „Wenn es den Mitarbeitern nicht gut geht, bedrückt mich das“, sagt Petra Kälz, die im Büro dafür sorgt, dass der 18-Mann-Betrieb läuft.

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Deshalb kümmern sich die Chefs um ihre Leute: Werkzeug darf ausgeliehen werden, wer kurzfristig und dringend Urlaub braucht, bekommt ihn. Ein Mitarbeiter fiel wegen einer Krankheit länger aus. Die Unternehmer hielten den Kontakt und ermöglichten ihm die Wiedereingliederung. Ein Azubi, der große Probleme in der Berufsschule hatte, wurde mit Nachhilfe durch die Prüfung gebracht.

Gemeinsame Aktivitäten stärken den Zusammenhalt

Damit die Stimmung im Team gut bleibt, setzt der Betrieb auf gemeinsam verbrachte Zeit: Geburtstagsfrühstücke, Betriebsausflüge und die jährliche Weihnachtsfeier, zu der traditionell auch die Ehepartner mitgebracht werden. „Da kommen dann wirklich alle“, sagt Joachim Kälz.

Auch die Gesundheit der körperlich schwer arbeitenden Kollegen liegt ihnen am Herzen: Über die IKK classic nahm der Betrieb schon zwei Mal am Wettbewerb „Topfit im Handwerk“ teil und konnte einmal den dritten Platz und in diesem Jahr den Sieg feiern.

„Es war ganz erstaunlich, wie schnell sich einige Verbesserungen umsetzen ließen“, sagt Robin Kälz, der in einigen Jahren den Betrieb übernehmen wird. Als sich bei der Betriebsbesichtigung herausstellte, dass Schreibtisch und Stuhl einer Mitarbeiterin zu hoch waren, wurde schnell eine Fußbank gebaut. Für die Kollegen in der Werkstatt schaffte der Betrieb eine weitere Hebeeinrichtung an.

Die Mitarbeiter hängen sich rein, wenn’s drauf ankommt

Die Mitarbeiter zahlen das Vertrauen und die Fürsorge zurück. Nicht nur, dass die Bindung an den Betrieb groß ist – die Hälfte der Belegschaft hat in der Schlosserei gelernt. Auch wenn wegen eines großen Auftrags mal länger oder samstags gearbeitet werden muss, ziehen die Mitarbeiter mit.

So kommt es, dass die kleine Schlosserei in Bad Sachsa auch bei besonderen Projekten dabei sein kann. „Wir sind innovativ und flexibel“, sagt Joachim Kälz, der eigentlich gelernter Werkzeugmacher ist, aber seinen Meister als Maschinenbaumechaniker gemacht hat. „Wenn jemand etwas Extravagantes haben möchte, dann bekommt er es auch. Die besonderen Sachen machen am meisten Spaß.“

Das Steggeländer an der Elbphilharmonie stammt aus Bad Sachsa

Für Privatkunden sind das ausgefallene Vordächer oder raffinierte Balkone. Aber auch bei großen Kunden ist die Schlosserei Kälz dabei: Das Geländer am Steg der Elbphilharmonie in Hamburg oder die Stahlkonstruktion, die die Lichtinstallation an der Außenfassade des hannoverschen „Museum August Kestner“ trägt, stammen aus Bad Sachsa.

Das größte Projekt dieser Art kam aus St. Petersburg: Für die Montage der Außenfassade am Lakhta Zentrum, dem höchsten Gebäude Europas, wurden besondere Arbeitsbühnen gebraucht. Denn anders als bei Hochhäusern üblich, sind die Fassadenelemente nicht außen vor der tragenden Stahlkonstruktion befestigt, sondern zwischen den Stahlträgern montiert. Also wurden Bühnen gebraucht, die von außen an den Trägern befestigt wurden. „Wir haben innerhalb von zwei Wochen 25 Tonnen Stahl verarbeitet“, erinnert sich Joachim Kälz. „Die Halle war voll, weil alles hier vormontiert wurde.“ Ohne Überstunden war das nicht zu stemmen. Aber wie das so ist in einem Familienbetrieb – wenn‘s drauf ankommt, halten alle zusammen.

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