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Energiewende

Schluss mit dem Schlingerkurs?

Die beschlossene Energiewende kommt bei Handwerkern gut an. Aber sie mahnen: Die Fördergelder müssen für die Gebäudesanierung wirksam und vor allem verlässlich fließen.

"Die Zielsetzung ist richtig, das Einsparen von Energie vor allem im Gebäudebestand stärker zu nutzen", sagt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks über die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende. Die geplante Aufstockung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms und die raschere steuerliche Abschreibung von Herstellungskosten für energetische Sanierungen von Wohngebäuden seien dafür geeignet. Was Kentzler kritisiert: "Die Mittelausstattung ist zu gering." Ab 2012 sieht die Bundesregierung eine jährliche Fördersumme von 1,5 Milliarden vor. Zudem können zehn Prozent der Kosten für die energetische Sanierung von der Steuer abgesetzt werden. Das entspricht einem Volumen von weiteren 1,5 Milliarden Euro.

Dass zusätzlich eine steuerliche Lösung für anspruchsvolle Komplettsanierungen diskutiert wird, weiß Anne Schütte, Umweltberaterin der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen: "Zukünftig könnten solche Rundum-Sanierungen ganzer Häuser innerhalb von zehn Jahren abschreibbar sein." Bisher gelten sie als Herstellungskosten, die Abschreibedauer beträgt 50 Jahre.

"Doch auch für Einzelmaßnahmen brauchen wir weiterhin Förderung", betont Schütte. Wenn der Wohngebäudebereich bis 2020 über 30 Prozent der Sanierungen ausmachen soll, müsse die Förderung deutlich angehoben werden. Denn ordnungspolitische Maßnahmen habe Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgeschlossen.

"Nicht jeder Immobilienbesitzer kann sich eine Komplettsanierung leisten", erklärt auch Tomas Titz aus Springe. Der zertifizierte Gebäudeenergieberater im Handwerk betrachtet die Sanierungsmaßnahmen, die er seinen Kunden vorschlägt, als Legosteine: Sie ergänzen sich nach und nach, bis das ganze Haus energetisch saniert ist. Er wünscht sich für die Zukunft vor allem Verlässlichkeit von der Politik: "Es ist schon schwierig genug, Laien davon zu überzeugen, dass wir ernsthaft beraten und sinnvolle Schritte empfehlen. Das Auf und Ab bei den Fördergeldern macht das nicht leichter." Dabei bezieht sich der Handwerksmeister auf vier Novellierungen der Energieeinsparverordnung innerhalb von nur sieben Jahren. Hinzu seien das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) gekommen. „In den Förderwust muss endlich eine klare Linie“, sagt Titz.

Im Zuge der Energiewende will die Bundesregierung auch Investitionen in Energieeffizienz fördern, also zum Beispiel die Anschaffung effizienter Geräte. Würde jeder Handwerksbetrieb jetzt in neue Maschinen investieren, hätte das aufgrund der Vielzahl der Handwerksbetriebe eine spürbare Stromersparnis zur Folge, ist sich Expertin Schütte sicher. Da die Stromkosten im einzelnen Handwerksbetrieb jedoch nur zwischen einem halben und vier Prozent der gesamten Betriebskosten ausmachen, schätzt Schütte die Einsparung als überschaubar ein: "Für den einzelnen Betrieb rechnet es sich kaum, vor der Zeit in eine neue sparsamere Maschine zu investieren. Steht die Anschaffung einer Maschine ohnehin an, sollte der Effizienzaspekt in die Kaufentscheidung miteinbezogen werden", rät Schütte.

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