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Nachwuchsmangel vorbeugen

Schüler früh begeistern

Dem Nachwuchsmangel vorbeugen, das Image als Ausbilder festigen: Kooperationen zwischen Schule und Betrieb bringen Vorteile.

Von Astrid Funck

Andreas Ennen braucht jedes Jahr neun geeignete Realschüler, die bei ihm eine Ausbildung zum Elektroniker machen. "Um die zu bekommen, arbeiten wir als Betrieb mit den örtlichen Schulen zusammen", sagt der Geschäftsführer der ebm Elektro-Bau-Montage GmbH amp; Co. KG in Osnabrück. Das Handwerksunternehmen beschäftigt rund 150 Mitarbeiter, darunter 35 Lehrlinge.

Die beiden Ausbildungsleiter von ebm stellen im Berufsorientierungsunterricht ihrer Partnerschulen die Berufe vor, in denen der Betrieb ausbildet. Und sie sind auf Schulmessen mit einem eigenen Ausbildungsstand präsent. Bei den Unterrichtsbesuchen und Messen sind meist auch einige von Ennens Auszubildenden dabei, weil die aus seiner Sicht "einen besseren Draht"  zu den Schülern haben. Interessierten Schülern bietet das Unternehmen die Möglichkeit, als Gruppe an einem einwöchigen Praktikum in der betriebseigenen Lehrwerkstatt teilzunehmen.

Schulen und deren Lehrer kooperieren mit Unternehmen, um ihren Unterricht praxisnäher zu gestalten und die Jugendlichen über mögliche Ausbildungswege zu informieren. "Für die Betriebe gibt es ebenfalls viele gute Gründe, sich in den Schulen zu engagieren", sagt Marina Kronemann, Referentin für berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin. Die Unternehmen könnten so potenzielle Bewerber frühzeitig auf sich aufmerksam machen. Praktika seien zudem ein gutes Testfeld, um zu sehen, wie die Schüler im betrieblichen Alltag und im Umgang mit den Kunden zurechtkommen.

Wer als Unternehmer mit Schulen zusammenarbeiten möchte, muss das Rad nicht neu erfinden. In vielen Regionen existieren bereits funktionierende Netzwerke zwischen Schulen und Wirtschaft, in die man sich einklinken kann. Ein wichtiges Netzwerk stellen die von den Arbeitgeberverbänden getragenen Bundes- und Landesarbeitsgemeinschaften "SchuleWirtschaft" mit ihren bundesweit rund 450 regionalen Arbeitskreisen dar (www.schulewirtschaft.de). Daneben helfen auch die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern den Betrieben dabei, geeignete Partner zu finden.

Außerdem stoßen die Kammern eigene Projekte und Initiativen an. So hat die Handwerkskammer Hannover zum Beispiel 2008 das Mentorenprogramm "Unternehmen in Schulen" gestartet, das aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums und der Europäischen Union gefördert wird. Erfahrene Handwerker verschiedener Gewerke, darunter auch Ruheständler, gehen als Mentoren in die Schulen, halten dort Vorträge, führen praktische Übungen durch oder organisieren Betriebsbesichtigungen und Praktikumsplätze für Lehrer und Schüler.

"Zurzeit häufen sich die Anfragen der Schulen", berichtet Katharina Baier, die das Projekt bei der Handwerkskammer betreut. Das Programm läuft bereits an Schulen in der Region Hannover und im Landkreis Nienburg. In diesem Jahr soll der Landkreis Hameln-Pyrmont hinzukommen. "Wir machen das, weil viele Betriebe aufgrund des demographischen Wandels künftig noch mehr Probleme haben werden, passende Lehrstellenbewerber zu finden", sagt Kammerexpertin Baier.

Andreas Ennen verweist in diesem Zusammenhang auf den weiblichen Nachwuchs. Elektronik als Männerdomäne? Für ihn ein veraltetes Klischee. Seine letzte Auszubildende, erzählt Ennen, sei Innungssiegerin geworden und wolle jetzt das Abitur machen und studieren. Er hofft, dass sie danach "zurückkommt".

So kooperieren Schule und Firmen

Schülerpraktika und kontinuierliche Praxistage: Neben mehrwöchigen Praktika werden seit einigen Jahren Betriebspraktika für Lehrer aller Schulformen angeboten.

Betriebserkundungen und Projektarbeit: Schüler erhalten Einblicke in Unternehmensstrukturen und Ausbildungsberufe. Sie können sich auch mit theoretischen Fragestellungen beschäftigen oder einen bestimmten Arbeitsauftrag erledigen - zum Beispiel indem sie in der Lehrwerkstatt ein Werkstück aus Metall fertigen.

Mentoring/Lernpatenschaften: Berufserfahrene Unternehmensmitarbeiter übernehmen die Betreuung einzelner Schüler, um sie gezielt auf ihre Ausbildungszeit vorzubereiten. In der Regel arbeiten diese Paten oder Mentoren ehrenamtlich.

Unterrichtsbesuche: Experten und Auszubildende aus den Betrieben gestalten Unterrichtseinheiten und stellen im Rahmen der schulischen Berufsorientierung einzelne Ausbildungsberufe vor.

Runde Tische: Regelmäßige Treffen zwischen Lehrkräften und Ausbildern der Unternehmen dienen der besseren Abstimmung der Maßnahmen. Zum Teil werden auch Azubis und Schüler zu den Gesprächsrunden eingeladen.

Weiterführende Infos finden Sie unter diesem Link.

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