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My-Hammer

Sechs Stimmen, ein Tenor

Der Bericht über Rainer Retlows Erfahrungen mit My-Hammer hat ein vielstimmiges Echo im Handwerk hervorgerufen. Die Tonlage ist immer die gleiche.

Schräg. Anders lässt es sich kaum nennen, welche Töne handwerk.com-Leser angestimmt haben. Die Anrufe und Zuschriften, die nach dem Bericht über "Aufträge in Absurdistan" eingegangen sind, greifen eine Vielzahl von Problemen auf. Von manchen kann jeder Handwerker, der Auftragsportale nutzt, ein Lied singen. Andere sind neu.

handwerk.com hat exemplarisch sechs Leserstimmen festgehalten #150; und eine Replik. Der Tenor zu My-Hammer ist nicht zu überhören.

Stimme 1: Reine Geldschneiderei

"Jeder Kontakt zum Auftraggeber kostet die ausführende Firma jetzt Geld. Man kann nicht einmal mehr die vom Gesetzgeber für Schriftwechsel geforderten Angaben machen, ohne bezahlen zu müssen. Die Portalbetreiber sagen, andernfalls würde My-Hammer umgangen. Dabei ist das nur Geldschneiderei.

Im Berliner Raum haben einige Elektroinstallateure My-Hammer immer wieder auf schwarze Schafe hingewiesen #150; zum Beispiel wenn Allround-Handwerker Elektroaufträge übernehmen wollten. Das war den Portalbetreiber total egal, auch wenn etwa Fliesenleger selbst in Ihren Referenzen zeigten, was sie an Elektroanlagen bereits errichtet hatten. Wir haben uns dann an die Handwerkskammer gewandt in der Hoffnung, dass die etwas unternimmt. My-Hammer macht gegen schwarze Schafe gar nichts, so lange sie nur bezahlen.

Glücklicherweise läuft mein Geschäft so gut, dass ich My-Hammer-Aufträge nicht mehr brauche."

Christoph Hensel, Berlin

Ihre Meinung: Welche Erfahrungen haben Sie mit Auftragsportalen gemacht? Schreiben Sie uns!

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Stimme 2: Nur Geld verloren

"Da gewinnt man seltsame Kunden. Ich hatte einen, der wollte eine neue Heizungsregelung. Die habe ich wunschgemäß geliefert. Aber das Geld dafür habe ich bis heute nicht gesehen. Angeblich funktioniert die Regelung nicht.

Weil ich kein Geld bekomme habe, habe auch die Gebühren für My-Hammer nicht gleich bezahlt. Daraufhin bin ich gesperrt worden. Die Sperre gilt immer noch. Meine Unterlagen seien nicht komplett, behaupten sie. Ich habe alles noch einmal gefaxt, sieben Seiten inklusive Meisterbrief. Nichts ist passiert. Hauptsache, sie haben ihr Geld.

My-Hammer macht die Preise kaputt. Vor Kurzem bin ich auf einer Baustelle einem Trockenbauer begegnet, der als Selbstständiger für elf Euro die Stunde gearbeitet hat. Die Auftraggeber hatten ihn ersteigert.

Gott sei Dank brauche ich My-Hammer nicht."

Herbert S., Sachsen

Stimme 3: Keine Win-Win-Situation

"Plattformen wie My-Hammer sind nicht schlecht, um Neukundengewinnung zu betreiben. Doch: Nicht um jeden Preis. Jeglichen Kontakt zu potenziellen Kunden lässt sich My-Hammer honorieren. Erklärt wird es damit, dass die Vorabgebühr, so nenne ich das mal, mit der Gebühr, die bei Auftragsvergabe fällig ist, verrechnet wird. Ich gebe fasst nie ein Gebot vor Auftragsbesichtigung ab, weil ich es mir nicht leisten kann, die Katze im Sack zu kaufen. Also muss ich löhnen, um den Fuß in die Tür des Kunden zu bekommen. Wenn mein Angebot beim Kunden durchfällt, heißt es für mich: außer Spesen nichts gewesen.

Ärgerlich ist auch, dass Auftraggeber einem den Zuschlag erteilen können, selbst wenn man die Auktion nur als Beobachter verfolgt. My-Hammer verlangt auch dann sofort Geld. Das kann eine echte Gebührenfalle sein.

Natürlich sollen die Betreiber solcher Portale verdienen, doch eine Win-Win-Situation sollte im Geschäftsleben schon gegeben sein. My-Hammer und Co. sollten es nicht rücksichtslos ausnützen, dass es in diesem Jahr der Rezession für Betriebe immer schwieriger wird, an Aufträge zu kommen."

Jörg S., Greifswald

Stimme 4: Unliebsame Kommentare

My-Hammer behauptet immer, dass Forum sei offen für kritische Kommentare. Fakt ist, unliebsame Einträge löschen die Betreiber. Ich habe mehrfach gegenüber Aufraggebern und Handwerkern im Forum Missstände angeprangert. Kaum dass ich geschrieben hatte, hat My-Hammer zensiert. Und wer sich nicht mundtot machen lässt, wird gesperrt.

Nur der hauseigenen My-Hammer-Kasse dienen die drei neuen, kostenpflichtigen Tools ,Direktkontakt', ,Besichtigungstermin', ,Private Nachrichten'. Sie sollen die Spreu vom Weizen trennen: böse Auftragnehmer, die das Geschäft an My-Hammer vorbei abwickeln wollen, von den Braven, die Gebühren abführen, wenn sie den Auftrag bekommen. Diese Maßnahmen #150; verbunden mit dem Verbot, Kontaktinformationen im Auftragsgebot und Firmenprofil zu verwenden #150; laufen ins Leere. Grund: Die meisten der Auftragnehmer, die schon vor Einführung der Tools Aufträge gewonnen haben und von Kunden bewertet worden sind, haben in alten Einträgen ihre Kontaktdaten hinterlassen. Diese Daten sind für neue Kunden einsehbar. Das heißt: Die Auftragnehmer können mit Kunden in Kontakt kommen, ohne dafür Gebühren zu entrichten.

Wo bitte bleibt hier die Gleichbehandlung? All die Handwerker, die sich nach der Umstellung angemeldet haben, sind die Dummen!

Der Gipfel ist die Hotline der Portalbetreiber, die kostet pro Minute 99 Cent. Ich habe da einmal angerufen. Man redet an die Wand. Bis der Ansprechpartner verstanden hatte, was ich wollte, waren schon zehn Minuten vergangen. Danach hat er sich mit Sprechhülsen aus der Affäre gezogen.

Auch das Gütesiegel, mit dem sich Handwerker auf My-Hammer als ,geprüfte Mitglieder' schmücken können, scheint mir als Gelddruckmaschine gedacht zu sein. 29 Euro kostet der orange Böppel pro Jahr."

Harald D., Franken

Stimme 5: Steuerberater sucht Schwarzarbeiter

"Der Artikel spricht mir aus der Handwerkerseele. My-Hammer und die anderen Portale untergraben die Chancengleichheit im Handwerk. Wir selbstständige Meister müssen mindestens 18 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, dazu kommen andere Sozialabgaben. Um ein halbwegs vernünftiges Einkommen zu haben, muss ich mindestes 36 Euro pro Stunde nehmen. Und das ist schon ganz unten. Auf My-Hammer dienen sich vermeintliche Fachkräfe mit Stundensätze um 15 Euro an. Wenn das zum Maßstab wird, können wir die Handwerksordnung gleich aufheben.

Dreist ist das Gebaren mancher Auftraggeber. In einem anderen Portal bin ich mal an einen Steuerberater geraten. Der verlangte von mir, wie es so schön heißt, kreative Rechnungslegung. Die E-Mail kam direkt aus seiner Kanzlei. Als ich ablehnte, habe ich nie mehr etwas von ihm gehört."

Jörg Wolter-Sube, Hannover

Stimme 6: Laden nicht im Griff

"Ich warte schon förmlich darauf, bis die ersten Anzeigen und dergleichen gegen My-Hammer eintrudeln, im Griff scheinen die den Laden ja nicht wirklich zu haben, wie dieser Bericht zeigt. Da können also angebliche Handwerker, die in Polizeiakten auftauchen und keine geforderten Qualifikationen haben auf sämtliche Handwerksbereiche bieten!!! Wahnsinn eigentlich oder? Es ist doch nur zu gut möglich, dass My-Hammer früher oder später dafür haftet, was über die Plattform übermittelt wurde, das könnte schnell das Ende solcher Geschäftsmodelle sein! Auch Ebay wurde ja neulich dafür verklagt, weil Plagiate über das Portal verkauft wurden."

ambazador, Forum wallstreet-online

Replik: Nur Lobbyisten-Geschrei

"Das Thema Schwarzarbeit wird über Gebühr aufgebauscht, da alle Auktionen auf My-Hammer öffentlich einsehbar sind, und daher ist es für die Finanzbehörden sehr leicht eventuelle Schwarzarbeiter herauszupicken.

Die Handwerkerschaft und ihre Lobbyisten schreien doch nur so laut auf, weil sie anscheinend nicht mögen, dass die Preisfindung einer handwerklichen Dienstleistung in aller Öffentlichkeit stattfindet, weil dies erfahrungsgemäß meistens dem Verbraucher (dem Handwerkerkunden) zu Gute kommt.

Aber auch die Handwerker und Dienstleister können natürlich von My-Hammer profitieren, da sie in auftragsarmen Zeiten leicht und schnell über MyHammer an neue Aufträge kommen können."

Tyme, Forum wallstreet-online

(mfi)

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