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Sinusformel gegen Stolperfallen

Bei vlelen Treppen stimme das Schrittmaß nicht, warnt der Tischler Hellmut Müller. Seine neue Formel soll für mehr Sicherheit sorgen.

Bei vielen Treppen stimme das Schrittmaß nicht, warnt der Tischler Hellmut Müller. Seine neue Formel soll für mehr Sicherheit sorgen.

Jahrelang hat er geforscht. Nicht so sehr aus Liebe zur Mathematik, sondern weil er Praktiker ist. Es gibt viele Treppen, vor allem in älteren Häusern, da ist das Schrittmaß nicht in Ordnung, sagt der Gründer der WM-Treppenbau GmbH. Gefahr: Kunden, die das nicht gewohnt sind, kommen leicht ins Stolpern.

Worüber Treppenbauer stolpern können, ist die seit mehr als drei Jahrhunderten gebräuchliche Schrittmaßformel

2 x Steigung + Auftritt = 63 cm. Sie eigne sich nur für Treppen mit Steigungsverhältnissen (S/A) von 14/37 über 17/29 bis 20/23, sagt Müller. Für flachere und steilere Treppen ist sie untauglich. Konstruiere man mit ihr steile Treppen, nehme die Unfallgefahr zu.

Müllers Idee: Die Steigungswerte liegen im Diagramm nicht auf einer Geraden, sondern auf einer sinusförmigen Kurve. Einer Kurve, die bei mittleren Werten kaum von der klassischen Schrittmaßgeraden abweicht.

Die Formel lautet S = 9 x cos (2,9 x A - 14) + 14.

Wie bei der linearen Gleichung sind für die Praxis Toleranzintervalle erforderlich. Sie müssen möglichst klein sein, aber es müssen damit auch alle Zwischenmaße erfasst werden, erklärt der Treppenbauer aus Hadamar.

Die oberen und unteren Grenzwerte ergeben sich bei ihm aus den Gleichungen Smax = 9,1 x cos (2,9 x A - 16,5) + 14,7 und Smin = 8,9 x cos (2,9 x A - 11,5) + 13,3. Je nach Auftrittsbreite errechnen sich Steigungstoleranzen von 7 bis 11 mm. Soweit die Theorie. Die Praxis?

Wir wenden die Formel seit Jahren an, ich weiß von Kollegen, die mit ihr rechnen. Und es rufen immer wieder Bauherren an, die sich dafür interessieren, erzählt Müller. Auch wenn die DIN-Norm größere Steigungen nicht erfasse, könne man doch nicht so tun, als gäbe es solche Treppen nicht. Und er verweist auf das Buch des Treppenbauers Wolfang Diehl. Da sind 20 aktuelle Modelle abgebildet, auf die die alte Formel nicht zutrifft. Ein Gr0ßteil der Aufträge heute seien Renovierungen, in den alten Häusern sei oft so wenig Platz, dass nur eine steile Treppe in Betracht komme. Da stehen wir Handwerker in der Pflicht, dass sie trotzdem sicher und gut begehbar ist, betont er.

Der Tischler und Ingenieur, der das Unternehmen inzwischen an den Sohn übergeben hat, hat viele alte Treppen ausgebaut, weil sie ihm zu gefährlich schienen. Gefahren mit der Sinuskurve? Sie gilt für alle Treppen, die man vorwärts herabsteigt von der flachen Gartentreppe bis hin zur Raumspartreppe mit wechselseitig ausgesparten Stufen.

Von der Sicherheitsregel A + S = 46 und der Bequemlichkeitsregel A - S = 12 rät Müller ab. Ein optimales Steigungsverhältnis würden die beiden Formeln nur für S = 17 und A = 29 ergeben. Für flachere und steilere Treppen seien sie unbrauchbar. Um seine Formel macht der Erfinder kein Geheimnis, jeder kann sie frei nutzen. Wir alle sollten der Stolpergefahr auf Steiltreppen vorbeugen.

Download:

Eine Wertetabelle für die Sinusfunktion können Sie sich hier kostenlos herunterladen: Wertetabelle Sinuskurve

(mfi)

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