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Mehr Datenschutz im Smartphone

So fesseln Sie die Datenkrake!

Der Nachrichtendienst Whatsapp sichert sich jetzt auch noch Copyright-Rechte seiner Nutzer. Lesen Sie hier, welche Alternativen Sie haben und wie Sie datenhungrige Apps auf Diät setzen können.

Datenkrake - Viele Smartphone-Apps sammeln mehr Daten als ihnen zustehen. Dagegen kann man etwas tun, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Viele Smartphone-Apps sammeln mehr Daten als ihnen zustehen. Dagegen kann man etwas tun, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Grafik: fotolia.de / trex_mf

Drei Monate ist es her, dass der Social-Media-Riese Facebook den Nachrichtendienst Whatsapp gekauft hat. Nun hat die App neue Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) bekommen. Sie wurden den Gepflogenheit von Facebook angepasst: User, die über eine bestimmte Funktion von Whatsapp Bilder veröffentlichen, treten ihre Bildrechte an das Unternehmen ab.

Zunächst die beruhigende Nachricht: Anders als die Handelsblatt-Überschrift „Bild verschickt – Rechte verschenkt“ zunächst ahnen lässt, sind nicht alle versendeten Bilder davon betroffen. Fotos die privat als Direktnachricht oder in Gruppenchats verschickt werden, sollen von der Copyright-Enteignung verschont bleiben.

Wer aber über die Funktion „Status“ Fotos hochlädt, erlaubt dem Unternehmen uneingeschränkt, diese Bilder zu vervielfältigen, zu verbreiten und zu verkaufen. Das ist besonders problematisch, wenn der Nutzer gar nicht die Rechte an den Bildern hält. Liegen die bei einem Drittanbieter, muss der Nutzer mit einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung rechnen.

Okay, das klingt datenschutzrechtlich heikel. Aber habe ich eine Alternative? Ja! Sogar mehrere: Seite 2.

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Die aktuelle Erweiterung der Whatsapp-AGBs ist nur das letzte Glied in der Kette fragwürdiger Berechtigungen, mit denen die App die Rechte ihrer Nutzer einschränkt und verletzt. Dazu gehören auch die vielen datenschutzrelevanten Inhalte zu denen sich Whatsapp erklärtermaßen Zugang verschafft.

Wer das Programm installiert, erlaubt der App Zugriff auf die persönlichen Fotos, Videos; zudem darf Whatsapp sich ansehen, auf welchen Internetseiten der Nutzer unterwegs war und kann zu jeder Zeit auf Kamera und Mikrofon zugreifen. Die theoretischen Möglichkeiten der App sind damit enorm (siehe Artikel „die Super-Wanze“), wobei nicht alles was denkbar ist auch durch die AGBs gedeckt ist.

Alternativen von Anbietern, die es mit dem Datenschutz bewusst ernster nehmen gibt es mittlerweile genügend. Allen voran Threema. Der Nachrichtendienst funktioniert so wie Whatsapp, mit zwei Unterschieden: Threema ermöglicht eine wirkungsvolle Verschlüsselung der Chats und unterliegt wegen seines Schweitzer Firmensitzes strengeren Datenschutzrichtlinien als die US- Angebote.

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Threema steht bereits kurz vor dem dreimillionsten Kunden und kostet einmalig 1,60 Euro (Android) oder 1,79 Euro (iPhone). Andere Anbieter sind etwa Myenigma und Telegram. Mehr zu den alternativen Messengern erfahren Sie hier.

Natürlich kann man in der Hoffnung auf mehr Datenschutz nicht immer den Anbieter wechseln. Es gibt zwar unzählige Apps, aber nur wenige kostenlose, die einen erträglichen Datenschutz bieten. Doch was ist zu tun, wenn eine App zwar eine Datenkrake ist, man aber nicht auf ihren Komfort verzichten will? Auch hier gibt es eine einfache Lösung.

Alternativen zum Löschen: So setzen Sie datenhungrige Apps auf Diät. Lesen Sie die dritte Seite.

Apple gibt Nutzern App-Kontrolle
Spürnase enttarnt Datenkraken - Die kostenlose App Clueful zeigt Ihnen, was installierte Apps hinter Ihrem Rücken treiben.
Die kostenlose App Clueful zeigt Ihnen, was installierte Apps hinter Ihrem Rücken treiben.
© javier brosch - Fotolia.com

Wer schon einmal im Dunkeln stand, weiß: Taschenlampen-Apps sind nützlich. Um zu funktionieren benötigt die App Zugriff auf die Kamera, aber wozu sollte sie auch Zugriff auf Bilder, Videos, Audiodateien und das Internet haben?

Wer nicht auf das Angebot einiger Datenkraken verzichten will, kann ihnen zumindest ein paar Arme abschlagen. Am einfachsten gelingt das iPhone-Nutzern: Ab dem Betriebssystem iOS 7 lassen sich die Berechtigungen beim iPhone ganz einfach verwalten. Nutzer öffnen dazu die System-App „Einstellungen“ und dann „Datenschutz“. Hier können sie für jede App den Zugriff auf Funktionen wie die Kontaktdatenbank oder den Kalender regeln.

Was Apple im Gegensatz zu Android-Betriebssystemen seinen Nutzern allerdings nicht sagt, ist, welche Rechte die Apps überhaupt erhalten. Einen Überblick darüber liefert die App Clueful des Virenschutzanbieters Bitdefender. Da Apple mit dieser Transparenz beim Datenschutz offenbar nicht einverstanden war, gibt es Clueful nicht mehr im Appstore; aber unter www.cluefulapp.com steht sie zum Download bereit.

Wie Sie als Android-Nutzer die volle Kontrolle über Ihre Apps bekommen, erfahren Sie auf der letzen Seite.

Datenschutzschild SRT Appguard
Rüstung für den Datenschutz - SRT Appguard sperrt unerwünschte App-Berechtigungen aus.
SRT Appguard sperrt unerwünschte App-Berechtigungen aus.
Foto: Jurec / pixelio.de

Ähnlich wie Apple hat auch Google eine versteckte Datenschutzfunktion in seinem Android-Betriebssystem eingebunden. Sie ist allerdings nur in den Android-Versionen 4.3 bis 4.4.1 verfügbar und kann mit dem Programm App-Ops genutzt werden. Allerdings hat Google diese Möglichkeit in den neueren Versionen wieder entfernt. Der Grund: Die Funktion sei versehentlich freigeschaltet worden.

Nutzern von Android-Versionen, bei denen die Datenschutz-Funktion nicht vorgesehen ist, können sich mit einer App helfen, die ein Professor der Universität Saarbrücken entwickelt hat: Das Programm SRT Appguard verwehrt den Apps unliebsame Datensammelfunktionen.

Wie Clueful ist auch Appguard in keinem Appstore erhältlich. Interessierte Nutzer können sie von der Herstellerhomepage herunterladen. Die Demoversion mit der sich vier Apps unter Kontrolle bringen lassen ist kostenlos. Die Vollversion kostet vier Euro. Damit Appguard die Zugriffe der Apps beschränken kann, installiert es sie zunächst erneut. Das geht vollautomatisch, kann aber mit dem Verlust von Speicherständen in der App einhergehen.

Appguard vergibt auch einen sogenannten Riskscore, der zeigt wie bedenklich jede einzelne App für den Datenschutz ist. Die höchste Gefahr besteht bei zehn Punkten. Facebook erreicht 8,6. Denn die App darf ganz schön viel. Zum Beispiel Anrufe tätigen, Kontaktdaten und Anrufprotokolle lesen und schreiben; Fotos, Videos und Ton aufzeichnen. (Denny Gille)

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