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So finanzieren Sie Aufträge günstig vor

Förderprogramme decken Personal- und Materialkosten, bis der Kunde zahlt. Die Konditionen sind gut, doch kurzfristig gibt es sogar noch günstigstere Alternativen.

Förderprogramme decken Personal- und Materialkosten, bis der Kunde zahlt. Die Konditionen sind gut, doch kurzfristig gibt es sogar noch günstigstere Alternativen.

von Jörg Wiebking

Ulrich Haase hat gut zu tun. "Wir haben zwar Schwankungen, doch derzeit sind die Auftragseingänge sehr positiv, wir gehen mit einem guten Bestand in das nächste Jahr", berichtet der Chef der Partner Bau Quedlingburg GmbH. Bei den meisten Kunden geht der 56-Jährige mit den Material- und Personalkosten in Vorleistung. Haase finanziert Aufträge mit Hilfe eines Förderprogramms der Investitionsbank Sachsen-Anhalt vor. "Durch das Darlehen sind wir in der Lage, ein etwas größeres Rad zu drehen", betont der Unternehmer. Ein durchaus lohnendes Rad: "Die Zinsen sind vergleichsweise günstig, alle Rechnungen skontierfähig. So verdienen wir unser Geld maßgeblich mit dem Einkauf."

Das Darlehen hat die Baugesellschaft aus dem Förderprogramm "Sachsen-Anhalt MUT" erhalten. Mit den aus EU-Mitteln kofinanzierten Krediten können kleine und mittlere Betriebe Material- und Personalkosten vorfinanzieren. "Der Bedarf ist da, wir haben einen stetigen Antragseingang", berichtet Constanze Helm von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt. Dazu würden sicher "die Konditionen" beitragen, sagt Helm: Sechs Prozent Zinsen bei einer Darlehenssumme bis maximal 500.000 Euro und bis zu zehn Jahren Laufzeit. "Außerdem können Unternehmen das Programm auch mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten kombinieren, etwa mit Eigenmitteln, einem Hausbankkredit oder anderen Förderprogrammen." Können sie, müssen sie aber nicht, denn die Investitionsbank übernimmt auch alleine die Finanzierung. Einen Antrag stellen kann allerdings nur, wer eine Stellungnahme seiner Hausbank vorlegt und die zu fördernden Aufträge noch nicht unterschrieben hat. Für Firmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gibt es diese Förderung allerdings auch dann nicht.

Zinsgünstige Förderkredite, die sich für die Vorfinanzierung von Aufträgen eignen, gibt es auch aus anderen Quellen. So eignet sich zum Beispiel der Unternehmerkredit der KfW ausdrücklich zur Vorfinanzierung. Und auch der Niedersachsen-Kredit der NBank steht zur Finanzierung von Betriebsmitteln zur Verfügung - also von Material und Personal.

Die Alterativen

Die Förderprogramme haben jedoch einen Haken: Sie sind nicht immer die günstigste Lösung, meint Manfred Hein von der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland.

So könne sich ein Vergleich mit dem Kontokorrentkredit lohnen. Der scheint zwar auf den ersten Blick mit zehn bis zwölf Prozent Zinsen zunächst teurer. "Aber das Unternehmen zahlt nur für den Betrag, denn es tatsächlich in Anspruch nimmt, und der kann schwanken. Beim Förderdarlehen zahlt der Kreditnehmer immer den kompletten Darlehenszinssatz."

Auch Lieferantenkredite könnten eine Alternative sein, sagt Hein, allerdings nur für eine sehr kurzfristige Finanzierung, denn sie sind außerordentlich teuer: Wer zum Beispiel ein dreiprozentiges Skonto bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen, und einer Skontofrist von acht Tagen nicht nutzt, kommt umgerechnet auf einen Jahreszins von 49,1 Prozent. Förderdarlehen seien vor allem für die langfristige Vorfinanzierung ertragsstarker Firmen sinnvoll, rät der Betriebsberater: "Denn die Tilgung muss man ja auch verkraften können."

Die günstigste aller Alternativen bleibe allerdings die Vorauszahlung durch den Kunden, sagt Hein. "Das geht natürlich nicht in allen Branchen und nicht mit allen Kunden, doch Unternehmen sollten prüfen, was da möglich ist."

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