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Burn-out: Signale erkennen und gegensteuern

So gewinnen Sie die Kontrolle zurück!

Die Angst vor dem Burn-out geht um: Ständig im Stress und keine Zeit für Ausgleich - wie lange kann das noch gut gehen? Welche Signale Sie wirklich ernst nehmen müssen und wie sie selbst wirkungsvoll gegensteuern, verraten 4 Tipps vom Experten.

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Schlaflosigkeit, schlechte Laune, Verspannungen - es gibt kaum ein Leiden, dass zurzeit nicht durch Burn-out erklärt wird. Die Folge: Immer häufiger werden Patienten wegen "Burn-out" krankgeschrieben. Um fast das 9-Fache ist die Zahl der Krankheitstage wegen Burn-out zwischen 2004 und 2010 gestiegen, heißt es im Fehlzeitenreport der AOK.

Auch bei der aktuellen handwerk.-com-Umfrage gaben fast 70 Prozent der Teilnehmer an, dass sie Sorgen vor einem Burn-out haben.

Ist "Burn-out" die große neue Volkskrankheit?
Zur Vorsicht bei solchen Zahlen rät Axel Janßen, systemischer Management-Coach und Coach-Ausbilder aus Hamburg. Unter Burn-out werde meist ein Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung infolge von Überlastung verstanden. "Aber es gibt keine eindeutige medizinische Definition von Burn-out", betont Janßen.

Die Folge: Es gibt auch nicht die eine passende Diagnose und auch nicht die eine passende Therapie. Vielmehr komme es immer auf die konkrete Situation des Betroffenen an. Wer körperlich überarbeitet ist, habe andere Bedürfnisse als ein Mensch mit einer Sinnkrise oder einer Depression.

Das hat offenbar auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) als Problem erkannt. "Eine Taskforce Burn-out" soll nun erst einmal die Kriterien erarbeiten, was genau ein "Burn-out" ist.

Starker Begriff - und Schuld haben oft die anderen!
Dass dennoch so viel von "Burn-out" die Rede ist, liege einfach an der Stärke dieses Begriffs, meint Janßen: "Ausgebrannt zu sein, das klingt stark. Da steckt ja drin, dass jemand für seinen Job alles gegeben hat." Das findet oft Anerkennung. Und wenn jemand bei so viel Einsatz krank wird, dann werden dafür schnell andere verantwortlich gemacht: der Chef, die Kunden, die Kollegen ..." Dafür hat heute jeder Verständnis."

Herunterspielen will Janßen die Erschöpfungs-Symptome des Burn-out nicht. Er warnt jedoch vor vorschnellen Diagnosen und falschen Therapien.

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1. Tipp: Verlassen Sie sich nicht auf irgendwelche Tests!

Für völlig nutzlos hält Janßen die meistens "Burn-out"-Tests, die in Zeitschriften oder auf Internetseiten zu finden sind.

Tests sind so hilfreich wie ein Horoskop
"Solche Tests helfen bei der Selbsteinschätzung nicht weiter, die haben den Aussagegehalt eines Horoskops", betont der Experte. Das habe zwei Gründe:

  • Oft sind die Tests so allgemein gehalten, dass sie für viele Gültigkeit haben. Fragen wie "Schlafen Sie oft schlecht?" oder "Haben Sie Konzentrationsprobleme?" sagen für sich genommen wenig über den körperlichen und geistigen Zustand eines Menschen aus. Sie machen nur Angst.
  • "Das liegt auch daran, wie diese Tests meistens erstellt werden", betont Janßen. Weil es keine eindeutige medizinische Definition für das Burn-out gibt, handele es sich oft nur um die lose Aneinanderreihung aller möglicher Signale. Und je mehr Signale ein Test auflistet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einige Treffer hat.

Janßens Tipp: "Lassen Sie sich von solchen Tests nicht beeinflussen. Sie werden dadurch nur manipuliert." Dahinter steckten teilweise handfeste wirtschaftliche Interessen. Denn nicht nur Zeitschriften verkauften sich gut mit diesem Thema.

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2. Tipp: So stellen Sie fest, ob etwas schiefläuft!


"Burn-out fängt damit an, dass man die eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahrnimmt", erläutert Janßen. Wer Warnsignale erkennen will, sollte nicht erst auf Zeichen geistiger Erschöpfung warten. Oft gebe der Köper längst Warnsignale, während der Geist noch stur am eingeschlagenen Kurs festhält.

Körperliche Signale beachten!
"Wenn ich über einen längeren Zeitraum gegen meine Bedürfnisse handele, dann wirkt sich das emotional aus. Wenn ich das ignoriere und weiter gegen diese emotionalen Bedürfnisse handele, dann reagiert mein Körper sehr schnell", sagt Janßen.

Beim einen könne sich das in Verspannungen äußern, ein anderer bekomme vielleicht Schweißfüße oder habe ständig einen trockenen Mund. "Das können oft schon kleine Zeichen sein, die man leicht übersehen kann - bis es nicht mehr geht und der Organismus aufgibt."

Nun ist nicht jede kleine Verspannung gleich ein Zeichen für einen drohenden Burn-out. "Aber wenn ein Mensch damit sonst nie Probleme hatte und auch einfache Maßnahmen wie eine Massage oder Bewegung keine dauerhafte Besserung bringen, dann sollte man sich Gedanken über die emotionalen Gründe machen."

Einfache Einschätzung: Mit dem Normal-Zustand vergleichen!
Im Prinzip kenne der Mensch nur zwei Zustände, betont Janßen: "angenehm und unangenehm". "Entweder ich fühle mich wohl, oder ich fühle mich nicht wohl."

Diese Unterscheidung helfe dabei, die eigene Situation zu beurteilen und einen drohenden Burn-out zu erkennen: "Wenn ich nicht weiß, wo ich heute gesundheitlich stehe, dann kann ich mich immer an Zeiten erinnern, in denen ich mich wohlgefühlt habe - daran, wie ich mich damals körperlich und emotional gefühlt habe." Das sei dann der Referenzpunkt, der Normal-Zustand, an dem Sie Ihren aktuellen Zustand messen können.

"Wer sich schon längere Zeit nicht mehr wohlfühlt, der hat ein sehr deutliches Signal, dass etwas schiefläuft", sagt Janßen. "Und wer dann trotzdem weitermacht wie bisher, geht weiter in Richtung Burn-out."

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3. Tipp: So können Sie selbst gegensteuern!


Wer erste Anzeichen eines Burn-outs an sich wahrnimmt, kann durchaus noch selbst gegensteuern, betont Janßen:

1. Besinnung auf die Wohlfühl-Faktoren!
Mit der Erinnerung an den "Normal-Zustand" kommen auch die Erinnerungen daran, unter welchen Bedingungen man sich wohlgefühlt hat. Dabei können eine Reihe von Fragen sehr hilfreich sein:

  • Was hat mir Freude bereitet, woran hatte ich Spaß, wozu hatte ich Lust?
  • Wie viel Zeit haben Sie damals mit der Arbeit verbracht, wie viel Zeit mit Freunden und Familie?
  • Was für Mitarbeiter hatten Sie damals?
  • Was für Kunden hatten Sie?
  • Was für Aufträge hatten Sie?
  • Welche Aufgaben hatten Sie selbst im Betrieb?
  • Und: Was hat sich daran seitdem geändert?

Die Antworten auf diese Fragen können Ihnen schon die ersten Anregungen geben, was sich aktuell ändern muss, damit Sie wieder Ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllen.

2. Besinnung auf die eigenen Stärken!
Sie sind sicher nicht das erste Mal in einer schwierigen Situation:
  • Wie haben Sie Krisen früher bewältigt?
  • Welche Fähigkeiten und Stärken haben Ihnen dabei geholfen?

Die Antworten auf diese Fragen können Ihnen dabei helfen, die vor Ihnen liegenden Aufgaben zu bewältigen, statt an ihnen zu verzweifeln.

3. Besinnung auf die eigenen Spielräume

Je angespannter Sie sind und je mehr Sie auf Anforderungen anderer reagieren, desto schwerer wird es gegenzusteuern. "Darum ist es wichtig, dass man sich über seine eigenen Spielräume klar wird", betont Janßen: Was können Sie kurz- und mittelfristig in Ihrem Betrieb und Ihrem Alltag ändern?

Und falls das nicht genügt, sollten Sie auch über die Alternativen und Konsequenzen nachdenken:

  • Sind Sie in der richtigen Branche selbstständig?
  • Haben Sie die richtige Aufgabe?
  • Ist die Selbstständigkeit der passende Weg für Sie?

Nächste Seite: Wann brauchen Sie professionelle Hilfe?4. Tipp: Wann brauchen Sie wirklich Hilfe?

Der Unterschied zwischen einem drohenden Burn-out und "normaler" Überlastung bestehe darin, ob ein Betroffener in der Lage ist, noch selbst gegenzusteuern, betont Janßen. "Wenn Sie es nicht mehr schaffen, Prioritäten zu setzen und für Ihr Wohlbefinden zu sorgen, brauchen Sie Hilfe."

Doch wer ist der richtige Ansprechpartner?
Entscheidend bei einem drohenden Burn-out sei es, die eigenen Selbststeuerungskräfte wieder zu stärken, rät Janßen. "Darum ist jede Hilfe gefährlich, die einem Betroffenen autoritär sagt, was er jetzt zu tun und zu lassen habe." Das Risiko bei solchen Hilfen: Es gibt keine Garantie dafür, dass der Helfer sich wirklich an den Bedürfnissen des Betroffenen orientiert. Oft richte sich die Hilfe vielmehr nach den Vorstellungen des Helfers. Doch genau das ist ja der Auslöser für den Burn-out gewesen: sich zu wenig an den eigenen Bedürfnissen zu orientieren.

Janßens Rat: "Egal, ob Sie sich an einen Arzt, Therapeuten oder jemand anderes wenden: Fragen Sie immer zuerst, ob er bereit ist, Ihnen dabei zu helfen, sich selbst zu helfen."

Weitere Infos zum Thema:



(jw)
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