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Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Win-Win-Situation

So kommen Sie an handverlesene Azubis

Auf Anhieb können viele Schüler der 8. und 9. Klassen kaum fünf Handwerksberufe aufzählen. Wer den Nachwuchs für das Handwerk oder den eigenen Betrieb begeistern will, muss aktiv werden, meint Kai Schaupmann. Er zeigt Schülern seine Berufswelt – und profitiert von guten Kontakten.

Kai Schaupmann bei der Kontaktpflege -
Foto: Hamacher

Kai Schaupmanns Devise ist "Nicht meckern, machen!" Der Chef von von Fischer Sanitär - Heizung - Klima informiert in den Schulen Osnabrücks über Berufe im SHK-Handwerk, die Praxis in seinem Betrieb und das Handwerk allgemein.

Das Ergebnis: Etwa die Hälfte der Bewerbungen, die auf seinem Tisch landen, stammen von Schülern seiner 10 Kooperationsschulen. Darüber hinaus geben Lehrer ihm von sich aus ehrliche Einschätzungen und legen ihm Jugendliche mit besonderen Eigenschaften nahe.

Aus Schaupmanns Sicht eine Win-win Situation. Einerseits: "Von den Lehrern, die ich schon lange kenne, bekomme ich handverlesen die Crème de la Crème vorgeschlagen." Andererseits: Die Lehrer können darauf vertrauen, dass Schaupmann sich Bewerbungen genauer anschaut, wenn sie ihm nahgegelegt werden. "Die bekommen dann eine zweite Chance auf einen guten Eindruck, auch wenn das Anschreiben mich nicht so überzeugt hat."

Und es gibt Sie doch: Lehrer mit denen man reden kann. Wie Sie die finden und mit Ihnen auch gute Azubis, lesen Sie auf der nächsten Seite.

1 Setzen Sie ausschließlich auf gute Kontakte

  • Suchen Sie Kontakt zu Lehrern, die persönlich für die Berufsvorbereitung der Schüler verantwortlich sind. Also lieber den Fachbereichsleiter Arbeit, Wirtschaft, Technik der örtlichen Hauptschule ansprechen als den Schuldirektor.
  • Meiden Sie Lehrer, die irrtümlich glauben, sie selbst seien die besten Berufsberater. Mit ihnen verschwenden Sie Ihre wertvolle Zeit.
  • Sie haben in Ihrem privaten Umfeld Kontakt zu Lehrern? Bestens, diese Bekannten sagen Ihnen gerne und zuverlässig, wer engagiert ist und welche Partnerschaften aussichtsreich sind.
  • Lehrer, die Ihnen ihre Schüler empfehlen, haben ein Interesse daran, dass die Jugendlichen sich bewähren. Manche setzen sich persönlich dafür ein, dass die Schüler noch mal ranklotzen und bestimmte Defizite ausgleichen.
  • Am besten aufgehoben ist Ihr Engagement bei Haupt-, Real- oder Gesamtschulen in der Nähe Ihres Betriebs. Schaupmann besucht auch Gymnasiasten, erhält von ihnen aber nur wenig Bewerbungen.
Wie wenig Wissen die Schüler mitbringen und womit Sie bei ihnen punkten können lesen Sie auf der nächsten Seite.

2 Setzen Sie keine Vorkenntnisse über das Handwerk voraus

  • Nicht einmal Arbeitsagenturen geben einen umfassenden Überblick über Handwerksberufe und ihre Inhalte. Auch bei Lehrern ist das Wissen über Handwerksberufe oft erschreckend klein (Bewerbungen für Berufe, die es nicht mehr gibt, sind keine Seltenheit).
  • Bei kurzen Schuljahren oder wenn mehrere Lehrer krank werden, fällt das Thema Berufsvorbereitung nach Schaupmanns Erfahrung teilweise komplett hintenüber. Einzige Ausnahme: fest eingeplante Praktika. Die Schulbesuche von Berufstätigen sind darum umso wichtiger.
  • Rechnen Sie nicht damit, dass Schüler Ihren Besuch automatisch als außergewöhnlich einstufen. Wissen steht bei ihnen täglich auf dem Stundenplan. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Zielgruppe. Diejenigen, die pennen oder Faxen machen, wirft Schaupmann einfach raus.

Wie Schaupmann diese Bilder mit Inhalt füllt und Schüler fürs Handwerk begeistert, lesen Sie
auf der nächsten Seite.

3 Setzen Sie auf das Gespräch und anschauliche Inhalte

  • Ob Sie eine Powerpoint-Präsentation mit Beispielfotos mitbringen oder gut vorbereitet frei sprechen: Im Gespräch mit den Schülern überzeugen Sie mit Ihrer Persönlichkeit und Berichten aus Ihrer Praxis.
  • Stellen Sie viele Fragen und binden Sie die Schüler ein, denn bei langen Vorträgen verlieren Sie Ihre Hörer.
  • Vom Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) und den Fachverbänden gibt es zwar Informationsmaterial über Handwerksberufe. Kai Schaupmann lässt es weg. Begründung: "Ich stehe nicht auf Hochglanzprospekte, die ein geschöntes Bild vermitteln."
  • Holen Sie die Schüler in Ihrem Alltag ab: Schaupmann geht mit ihnen gemeinsam den Tag vom Aufstehen bis zur großen Schulpause durch und vermittelt dabei, wie oft jeder Mensch täglich mit Handwerk in Berührung kommt.
  • Erzählen Sie anschaulich: Schaupmann zeigt alles von der Montage beeindruckender Kessel, die am Kran über Dächern schweben (ja, auch damit haben Azubis zu tun!) bis hin zu Fotos von Handwerkern, die pottdreckig schweißtreibende Arbeit verrichten.
  • Im Rahmen von Betriebserkundungstagen, die einige Schulen durchführen, fährt Schaupmann mit vier Schülern nach einer Betriebsführung verschiedene Baustellen ab und berichtet vor Ort, was dort passiert.

Und nach dem Vortrag? Wozu die meisten Fragen kommen und wie Schaupmann mit interessierten Schülern umgeht, lesen Sie auf der nächsten Seite.

4 Das wollen Schüler wissen

  • Duales Ausbildungssystem: Viele Schüler hören davon erstmals von Ihnen.
  • Ausbildungsmöglichkeit: Wenn Ihr Betrieb ausbildet, wird das einige brennend interessieren.
  • Überraschungseffekt: Machen Sie Schülern bewusst, wie viel Wert Betriebsinhaber auf gute Kopfnoten und kleine Fehlzeiten legen.
  • Bewerbungstipps: Selten haben Schüler die Chance, persönlich von einem Chef zu hören, wie er Bewerbungen liest. Geben Sie weiter, was Sie an den Unterlagen und Bewerbungsschreiben ärgert und freut.

5 Besuch – Bewerbung – Praktikum
  • Kontakt ist gut, Praxis noch besser. Bei Fischer Osnabrück fangen jedes Jahr zwei neue Auszubildende an. Jeder von ihnen macht vorher mindestens ein Schnupperpraktikum von mehreren Tagen. Lehrer, die Sie kennen, machen das bei Bedarf auch mal außer der Reihe möglich. Der Grund: Sie können Ihren Betrieb gut einschätzen.

Aufwand und Nutzen
Für Kai Schaupmann stehen Aufwand und Nutzen der Schulbesuche in einem guten Verhältnis. Er will mit den Schulbesuchen, die ihn etwa zehnmal im Jahr für jeweils zwei Stunden aus dem Betrieb reißen, aber auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. "Sich beschweren, dass Schüler nichts vom Handwerk wissen, kann jeder", sagt der 38-Jährige. Er plädiert für mehr Engagement gerade von jungen, innovativen Unternehmern, die Jugendliche begeistern können. Kleinere Kooperationen könne jeder Betrieb leisten. Zum Beispiel, indem er die Patenschaft für eine Klasse übernimmt.

Auch UFH-Mitglied Martina Hickmann-Morell setzt auf Schulbesuche: Hier geht es zum Video.

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Kai Schaupmann erzählt im Video warum er macht, was er macht.

(kö)

Unternehmer Kai Schaupmann.
Foto: Denny Gille

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