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Factoring

So machen Sie Schluss mit offenen Posten

Factoring-Gesellschaften übernehmen die Rechnungen Ihrer Kunden und zahlen binnen 48 Stunden. Auch für Handwerker mit VOB-Verträgen oder vielen Privatkunden gibt es Anbieter.

von Jörg Wiebking

Über offene Posten oder drohende Forderungsausfälle muss sich Thomas Eber (43) keine Gedanken mehr machen. „Wenn ich eine Rechnung schreibe, haben ich den vollen Betrag am nächsten Tag auf dem Konto“, freut sich der Schreinermeister aus dem bayerischen Nördlingen.

Das verdankt der 43-Jährige einer Vereinbarung mit der Teba Kreditbank. „Die Teba kauft seit 2009 alle unsere Rechnungen, bezahlt uns sofort und kümmert sich bei Bedarf um Mahnwesen und Inkasso.“

Schutz vor Zahlungsausfällen
Factoring nennt sich dieses Instrument, das für mehr Liquidität sorgt und Eber viele Sorgen nimmt. Der Fünf-Mann-Betrieb (www.designtueren.de) hat sich auf Design- und Rundbogentüren spezialisiert, beliefert private wie auch gewerbliche Kunden.

„Zahlungsausfälle gibt es da immer wieder mal. Richtig wehtun uns aber die großen Forderungen, wenn ein Bauträger oder eine Türenfabrik Insolvenz anmeldet.“

Früher ist Eber auf den Verlusten sitzengeblieben, jetzt springt auch hier die Teba ein. Die Kosten: 3,5 Prozent vom Umsatz. „Das rechnet sich schon dadurch, dass wir keine Ausfälle mehr haben.“

Mehr Liquidität und weniger Aufwand
Das ist allerdings nicht der einzige Vorteil des Forderungsverkaufs, meint Manfred Gerold, Factoringbroker aus Zangberg: „Die meisten Anbieter zahlen bei Rechnungseingang binnen zwei Tagen 80 bis 90 Prozent aus, den Rest, wenn der Kunde zahlt. Das bringt sofort Liquidität.

„Hinzu kommen Skonti im Einkauf durch die Liquiditätsvorteile, weniger Personalaufwand und Kosten im Forderungsmanagement und ein besseres Rating“, listet der Experte auf.

Viele Formen und Anbieter
Was Factoring im Einzelfall bringt, hängt nicht zuletzt vom Factor ab, dem Anbieter des Factoring. Schließlich gibt es die unterschiedlichsten Vertragsvarianten:

  • ohne oder mit komplettem Forderungsmanagement (Full-Service-Factoring),
  • mit oder ohne Übernahme bei Forderungsausfällen (unechtes Factoring),
  • für Kunden erkennbares (offenes) oder nicht erkennbares (stilles) Factoring.

Die Zahl der Anbieter ist groß, rund 140 gebe es in Deutschland, sagt Gerold. Hilfreich sei es, sich unter den Mitgliedern der zwei Factoring-Verbände umzusehen, dem Deutschen Factoring-Verband oder dem Bundesverband Factoring für den Mittelstand.

Nur wenige Anbieter für VOB-Verträge und Privatkunden
Leicht wird die Suche für Handwerker allerdings nicht. Sehr kleine Unternehmen haben kaum eine Chance. „In der Regel sollte ein Betrieb einen Jahresumsatz von mindestens 200.000 bis 250.000 Euro haben.“

Zudem machen viele Anbieter klare Einschränkungen. Bau-Betriebe sind nicht gern gesehen, ebenso wenig VOB-Verträge oder Privatkunden.

Die Teba Kreditbank sei einer der wenigen Anbieter, die bei Privatkunden-Rechnungen keine Einschränkungen haben machen. Andere Anbieter würden höchstens einen Anteil von 20 Prozent Privatkunden akzeptieren - „wenn überhaupt“.

Und was kostet Factoring?
Einkalkulieren müssten Handwerker einmalige Einführungsgebühr, hinzu kämen laufende Gebühren und Zinsen - inklusive Risikoaufschlag des Factors, berichtet Gerold. Die genaue Höhe hänge von den Leistungen des Faktors ab, aber auch von Größe und Bonität des Handwerksbetriebs. „Je größer die Firma ist und je besser die Bonität, desto weniger kostet das Factoring unter dem Strich.“

Manche Anbieter bieten eine „All-Inclusive-Factoringgebühr“, die alle Kosten zusammenfasst. Das sei für den Handwerker die einfachste und übersichtlichste Variante. „Bei günstigen Anbietern ist hier bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen von einer Gebührenspanne von circa 2,0 bis rund 3,5 Prozent auf jeden Rechnungsbetrag auszugehen.“

Privatkunden und VOB-Verträge sichert zum Beispiel die Teba-Kreditbank ab. Wie das Factoring bei ihr funktioniert, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Factoring für fast alle Branchen und Größen

Drei Fragen an Karl-Heinz Richter, Geschäftsführer der Teba Kreditbank in Landau :

Für wen steht Ihr Factoring offen?
Für fast alle Betriebe und Branchen. Wir fordern keinen Mindestumsatz. Wir kaufen auch Rechnungen von Privatkunden oder aus VOB-Verträgen an.  Bei uns gibt es nur zwei Einschränkungen: Wir kaufen keine Rechnungen von nahrungsmittelverarbeitenden Betrieben wie Bäckern oder Fleischern und auch nicht von Betrieben des Bauhauptgewerbes.

Sie nehmen 3,5 bis 4 Prozent Factoringgebühr. Ist das alles?
Das ist unsere Gebühr, wenn ein Betrieb ein durchschnittliches Zahlungsziel von 30 Tagen hat. Für jeden weiteren Monat steigt die Gebühr um 0,75 Prozentpunkte. Das ist unser All-inclusive-Preis: Darin sind Zinsen, Risikoaufschlag, Bonitätsprüfungen, Versicherungsschutz und Mahnwesen enthalten.   Dafür zahlen wir abzüglich dieser Gebühr sofort 100 Prozent der Rechnungssumme aus - auch bei Forderungsausfall.  

Was merken die Kunden?
Da wir stilles Factoring anbieten, merken die Kunden zunächst nichts. Nur wenn sie nicht bezahlen, treten wir offen auf, wenn wir mahnen - in Absprache mit dem Handwerker, damit er Kunden vorher informieren kann.

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Factoring: Forderungen verkaufen

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Wahl der Factoring-Art

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