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Wie gut stehen Sie wirklich da?

So nützlich sind Betriebsvergleiche

Viele Chefs freuen sich über eine hohe Auslastung und gute Umsätze. Doch wie gut steht Ihr Unternehmen wirklich da? Wo drohen Gefahren? Die Antworten finden Sie im Betriebsvergleich.

Betriebsvergleiche schaffen Klarheit. - Wie gut sind die eigenen Zahlen wirklich? Und wenn es Probleme gibt: haben Kollegen die auch?
Wie gut sind die eigenen Zahlen wirklich? Und wenn es Probleme gibt: haben Kollegen die auch?
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Ein Betriebsvergleich ist eine echte Goldgrube. Sie wollen wissen, wie hoch die Personalkosten in anderen Firmen Ihrer Größe und Branche sind? Mit welchen Verrechnungssätzen die anderen kalkulieren? …

Schauen Sie in den Betriebsvergleich. Die Zahlen stammen von anderen Handwerksbetrieben Ihrer Branche, die freiwillig und anonymisiert ihre Daten zur Verfügung stellen. Die daraus ermittelten Durchschnittswerte sind für Sie eine gute Möglichkeit, die eigenen Stärken und Schwachstellen zu erkennen.

Hier gibt es Betriebsvergleiche
Für Betriebsvergleiche im Handwerk gibt es einige Quellen: die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) in Düsseldorf, die Rationalisierungsgemeinschaft Handwerk Schleswig-Holstein e.V. (RGH) in Kiel und einige Fachverbände. Auch die Volksbanken veröffentlichen solche Zahlenwerke und nutzen dabei unter anderem die Daten aus den Handwerksorganisationen. Nicht zuletzt gibt es Betriebsvergleiche von der Datev, die Handwerker über ihre Steuerberater beziehen können.

Doch welchen Betriebsvergleich sollte man für den eigenen Betrieb nutzen? Worauf muss man dabei achten? Die Antworten kennt RGH-Geschäftsführer Thomas Thomsen. Hier seine Tipps:

Welche Informationen bekomme ich?
Betriebsvergleiche werden immer für jeweils eine einzige Branche erstellt. Die Zahlen sind Durchschnittsgrößen. Sie sind aufgeschlüsselt nach Betriebsgrößen, da es abhängig von der Größe erhebliche Unterschiede gibt. In einem Betriebsvergleich gibt es vier Schwerpunkte:

  • Wie rentabel arbeitet der Betrieb? Hier geht es um Zahlen wie Umsatzrentabilität und Cashflow, aber auch um Rohgewinne und Kostenquoten.

  • Wie produktiv arbeitet der Betrieb? Hier geht es um die Leistungsfähigkeit. Ermittelt werden zum Beispiel die Pro-Kopf-Leistung und die Wertschöpfung pro Mitarbeiter.

  • Stimmt die Kalkulation? Durchschnittliche Verrechnungssätze, Materialzuschläge und Fremdleistungszuschläge sind wichtige Anhaltspunkte für die eigene Kalkulation.

  • Wie sieht die Bilanz aus?  Diese Zahlen verraten, wie die Betriebe finanziell aufgestellt sind – und wie krisensicher.
Wegweiser zu den Schwachstellen
„Die Zahlen im Betriebsvergleich sind eine Art Wegweiser zu den Schwachstellen“, erläutert Thomsen: Wenn die Rentabilität nicht stimmt, dann kann das an der Produktivität liegen, aber auch an den Kosten. Sind die Kosten die Ursache, dann muss man sich diese Zahlen genauer anschauen: Sind es die Personalkosten oder die Materialkosten? Und so geht es in die Tiefe, bis man das Problem gefunden hat.

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Die besondere Leistung des Betriebsvergleichs besteht darin, Betriebe mit unterschiedlichen Mitarbeiterstrukturen, Schwerpunkten und Rechtsformen vergleichbar zu machen. Dazu verschicken die Experten der RGH Fragebögen und besuchen jeden Teilnehmer persönlich, berichtet Thomsen: „Wenn ein Betrieb zum Beispiel 10 Mitarbeiter hat: Wie viele sind Vollzeitkräfte, wie viele Teilzeitkräfte und mit wie viel Stunden? Das lässt sich am einfachsten im Unternehmen klären und so bekommen wir echte Vergleichszahlen.“

Diese Ergebnisse fasst die RGH zusammen und anonymisiert sie. „Vertraulichkeit und Anonymität sind für unsere Teilnehmer ganz wichtig“, betont der Experte.

Welcher Betriebsvergleich ist für mich der richtige?
RGH und LGH werten in der Regel nur Betriebe aus ihren Bundesländern aus, also aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. „Natürlich gibt es deutliche Unterschiede, ob ein Unternehmen in Hamburgs Speckgürtel sitzt oder an der Grenze zu Dänemark“, räumt Thomsen ein. Dennoch sind diese Zahlen auch für Betriebe aus anderen Regionen ein guter Anhaltspunkt: Die RGH-Zahlen eignen sich als Vergleich eher für Betriebe in ländlichen Flächenländern, LGH-Vergleiche eher für Betriebe in Ballungszentren.

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Betriebsvergleich kaufen oder mitmachen?

Bestellen kann sich so einen Betriebsvergleich zwar jeder. Doch besonders ergiebig ist er für Handwerksbetriebe, die selbst mitmachen: „Unsere Teilnehmer erhalten eine individuelle Auswertung für ihren Betrieb mit Hinweisen auf Stärken und Schwächen. Und auf Wunsch erläutern wir die Ergebnisse auch in einem persönlichen Gespräch.“ Teilnehmen können bei der RGH nicht nur Betriebe aus Schleswig-Holstein. „Wir nehmen auch andere Betriebe auf. Nur wenn der Weg zu weit ist, können wir das Unternehmen nicht persönlich aufsuchen.“

Wer sich einen Betriebsvergleich lieber bestellt, muss die eigenen Zahlen für den Selbstvergleich so aufbereiten, dass sie der Systematik entsprechen. Dabei helfen allerdings auch die genauen Erläuterungen im Betriebsvergleich. Doch warum sollten Sie das alleine machen? Thomsens Rat: „Fragen Sie Ihren Steuerberater oder einen Betriebsberater der Handwerkskammer oder Ihres Fachverbands.“

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(jw)

 


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