Foto: v.poth - fotolia.com

Geringwertige Wirtschaftsgüter: abschreiben oder sofort ansetzen?

So schreiben Sie Kleinkram richtig ab!

Kleine Ausgaben, seltsame Steuerregeln: Wieso müssen Sie den 200-Euro-Monitor über drei Jahre abschreiben, dürfen aber die 300-Euro-Software sofort komplett ansetzen? Hier die wichtigsten Abschreibungsregeln - und warum AfA-Tabellen kein Gesetz sind.

Inhaltsverzeichnis

Eigentlich gilt für die Anschaffung von beweglichen Wirtschaftsgütern eine klare Regel: Sie müssen mindestens über drei Jahre abgeschrieben werden, egal ob es sich um Autos, Büromöbel, Maschinen oder Werkzeuge handelt. Die Länge der Abschreibungsfrist ist immer eine Einzelfallentscheidung und richtet sich nach der tatsächlichen Nutzungsdauer. Die AfA-Tabellen des Finanzamtes geben dabei nur einen Richtwert für Standardprodukte vor, zum Beispiel für Standardsoftware von der Stange.

Von der Pflicht zur Abschreibung gibt es allerdings eine ganze Reihe von Ausnahmen, bei denen ein Betrieb die Ausgabe sofort komplett ansetzen kann. Und dann gibt es noch die Ausnahmen von den Ausnahmen. Worauf Sie dabei achten müssen, weiß Steuerberater Dirk Witte aus Oldenburg:

Bis 51 Euro: sofort ansetzen – ohne Kontrollen vom Finanzamt

Bewegliche Wirtschaftsgüter bis 51,00 Euro netto kann jeder Betrieb sofort als Betriebsausgaben ansetzen. Auch wenn der Schraubendreher oder die Thermoskanne für das Büro wahrscheinlich sehr viel länger als drei Jahre halten. Bei solchen kleinen Wirtschaftsgütern prüft das Finanzamt nicht nach, ob sie aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden sind. Allerdings haben die Unternehmen ein Wahlrecht – sie können auch solche Güter über mehrere Jahre abschreiben.

Bis 410 Euro: Wahlrecht – sofort ansetzen oder abschreiben.

Bewegliche Wirtschaftsgüter bis 410 Euro netto werden als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bezeichnet. Einziger Unterschied zu den Gütern bis 51 Euro Anschaffungskosten: Im Einzelfall wird das Finanzamt eher den Verbleib überprüfen.

Die GWG kann ein Betrieb ebenfalls sofort komplett im Jahr der Anschaffung ansetzen. Sie haben jedoch ein Wahlrecht und können GWG auch über mehrere Jahre abschreiben. Das ist dann sinnvoll, wenn Sie auch ohne die GWG in der Steuererklärung keine Steuern zahlen müssten.

„Ich hatte zum Beispiel gerade einen Fall, indem ein Friseur einen Betrieb übernommen hat und zusätzlich noch viele kleinere Ausgaben für Geräte und Einrichtung hatte“, berichtet Witte. „Durch den Wechsel im Salon und die Übernahme hatte der Handwerker in dem Jahr so wenig zu versteuernden Gewinn, dass er keine Steuern zahlen musste. Hätte er dann auch noch die GWG im gleichen Jahr abgesetzt, hätte ihm das steuerlich nichts gebracht. Also hat er sie über mehrere Jahre abgeschrieben.“

Der Vorteil in so einem Fall: Die Abschreibungen mindern die Steuern in den Folgejahren, wenn der Betrieb hoffentlich wieder mehr Gewinn macht.

Hardware und Computer sofort ansetzen? Nur wenn sie alleine nutzbar sind!

Eine Ausnahme gibt es allerdings bei Investitionen bis 410 Euro: Sie gelten nur dann als GWG, wenn sie auch alleine genutzt werden können. Wenn nicht, dann muss der Betrieb diese Hardware immer über mindestens drei Jahre abschreiben, selbst wenn jedes Teil weniger als 410 Euro kostet.

Also: PC für 400 Euro, Monitor für 200 Euro, Tastatur plus Maus für 60 Euro, alles im gleichen Jahr angeschafft – dann sind das 660 Euro, über drei Jahre abzuschreiben. Denn der PC wäre nicht ohne den Monitor zu nutzen und umgekehrt. Nur wenn Sie das ganze Paket zusammen 410 Euro kosten würde, könnten Sie es sofort ansetzen. Kommt dann allerdings noch ein Drucker hinzu, dann müssten Sie zumindest den über drei Jahre abschreiben, wenn er ohne PC nicht nutzbar ist.

Anders sieht es aus, wenn der Betrieb ein Gerät auch selbstständig nutzen kann:

  • Multifunktionsdrucker mit Fax- oder Kopierfunktion und Multifunktionsmonitore mit TV-Tuner können Sie ohne PC nutzen und bei einem Anschaffungspreis bis jeweils 410 Euro sofort ansetzen
  • Gleiches gilt für einen Laptop bis 410 Euro, denn der läuft auch ohne andere Hardware. Dabei spielt keine Rolle, ob Sie noch andere Hardware zusätzlich anschaffen, etwa einen Drucker. Für den gilt dann ebenfalls die Regel: Funktioniert er nur mit dem Laptop, müssen Sie den Drucker abschreiben. Handelt es sich um einen Multifunktionsdrucker, können Sie ihn bis 410 Euro ansetzen.
Sofortabschreibung ist nicht immer sinnvoll!
Foto: Natee Meepian - Fotolia.com

Steuern

Geringwertige Wirtschaftsgüter: Sofortabschreibung ist nicht immer clever!

Steuererklärung 2018: Jetzt gelten erstmals die höheren Obergrenzen für geringwertige Wirtschaftsgüter zur Sofortabschreibung. Doch wann ist das sinnvoll?

Foto: Ljupco Smokovski - stock.adobe.com

GWG-Regeln nutzen

Gehaltsextra: So schreiben Sie Smartphones schneller ab!

Smartphones und Tablets als steuerfreies Gehaltsextra für die private Nutzung: Die neuen Abschreibungsregeln für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bieten Arbeitgebern Vorteile!

Foto: Rynio Productions - stock.adobe.com

Steuern

Investitionshilfe: Degressive Abschreibung auch 2022 erlaubt!

Verlängerung für die degressive Abschreibung: Sie soll auch für Investitionen 2022 gelten. Eine Excel-Tabelle hilft bei der Kalkulation der Liquiditätsvorteile.

Handwerk Archiv
Foto: handwerk.com

Urteil

Kombi-Drucker sofort absetzen

Wann sind die Anschaffungskosten eines Druckers, eines Monitors oder eines Scanners steuerlich sofort abzugsfähig? Ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) hat diese Frage nun endgültig geklärt.

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.