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Berufsunfähigkeit

So sorgen Sie richtig vor

Risiko Berufsunfähigkeit: Die wichtigsten Entscheidungen für eine gute Vorsorge treffen Sie vor Vertragsabschluss. Diese acht Fehler sollten Sie dabei vermeiden!

 - Bei einer Berufsunfähigkeits-Versicherung kommt es auf die richtigen Entscheidungen vor dem Antrag an.
Bei einer Berufsunfähigkeits-Versicherung kommt es auf die richtigen Entscheidungen vor dem Antrag an.
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Die Berufsunfähigkeit, kurz: BU, gehört zu den großen Risiken im Leben. Nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für viele Chefs im Handwerk, die voll produktiv in ihrem Betrieb mitarbeiten. Absichern können sie sich für diesen Fall mit einer BU-Versicherung.

Ob so eine Police im Ernstfall jedoch etwas taugt, entscheidet sich schon lange vorher: während der Vorauswahl und beim Ausfüllen der Antragsunterlagen. „Hier werden häufig gravierende Fehler gemacht“, warnt Versicherungsberater Klaus Blumensaat aus Mülheim an der Ruhr. Die Folgen: „Im besten Fall ist die Versicherung zu teuer, im schlimmsten Fall muss sie nicht zahlen“, berichtet der Experte, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater ist.

Hier verrät Blumensaat die größten Fehler vor dem Abschluss – und wie sie sich vermeiden lassen:

1. Kombinieren Sie die BU nicht mit einer Basisrente
Bei Abschluss einer Basisrente bieten Versicherungsvermittler und -verteter häufig eine kombinierte BU-Versicherung an. Das habe zwar Steuervorteile bei Beitragszahlungen. Doch im Leistungsfall müssen Sie bis zu 100 Prozent der BU-Leistungen mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern, ein erheblicher Nachteil, wenn man auf das Geld aus der Versicherung angewiesen ist. Zudem sind Sie mit einer eigenständigen BU-Versicherung bei finanziellen Engpässen flexibler: Sie können die Beiträge zur Basisrente ohne Folgen für die BU-Versicherung aussetzen. Beim Kombi-Produkt läuft das anders: Jede Beitragsrückstellung der Basisrente gilt dann auch für die BU-Police. „Dadurch würde die BU-Leistung erheblich reduziert“, warnt Blumensaat.

2. Beantworten Sie Gesundheitsfragen immer vollständig und richtig
Wer in seinem Antrag unvollständige oder falsche Angaben zu seiner Gesundheit und Vorerkrankungen macht, riskiert den Versicherungsschutz. Im Leistungsfall prüfen die Versicherer das sehr genau. „Diese Angaben sollte man peinlichst genau machen“, sagt der Versicherungsberater: Als privat Versicherter liegen Ihnen die gesamten Abrechnungen Ihrer Ärzte vor. Als gesetzlich Versicherter können Sie die Leistungsabrechnungen der Krankenversicherung oder einen Auszug aus der Patientenkartei der behandelnden Ärzte anfordern. Relevant sind jeweils die letzten fünf Jahre, bei stationären Aufenthalten sogar die letzten zehn Jahre. Diese Unterlagen sollten sie prüfen, gegebenenfalls korrigieren lassen und dann zusammen mit dem Antrag auf BU-Versicherung einreichen.

3. Nutzen Sie die Risikovoranfrage
Statt eines Antrags auf Versicherung sollten Sie eine anonyme Voranfrage stellen. Wer stattdessen direkt einen Antrag ausfüllt, gehe ein erhebliches Risiko ein, sagt der Berater: Kommt der Versicherungsvertrag nicht zustande, landen alle Daten aus dem Antrag in einer zentralen Datenbank der Versicherer, der sogenannten HIS-Datei. Die Daten werden erst nach 10 Jahren gelöscht. Warum das eine Rolle spielt? Vor dem Angebot können sich Versicherer hier informieren und sehen so auch Gesundheitsprobleme, die länger als fünf Jahre zurückliegen. Das kann zu schlechteren Angeboten oder einer Ablehnung des Antrags führen. Im Leistungsfall wird ein Versicherer in der HIS-Datei außerdem prüfen, ob Sie im Antrag die Frage nach früheren, abgelehnten Anträgen wahrheitsgemäß beantwortet haben. Falls nicht, könnte das zur Leistungsverweigerung führen.

4. Achten Sie auf die Bonität des Versicherers
Derzeit gebe es viele Anbieter, die mit guten Tarifen oder günstigen Beiträgen werben, berichtet Blumensaat. Darunter seien auch finanziell schlecht aufgestellte Versicherungsunternehmen, die durch Neugeschäft kurzfristig ihre Zahlen verbessern wollen. Die Gefahr: Anbieter mit Bonitätsproblemen werden tendenziell im Leistungsfall besonders hartnäckig nach Wegen suchen, wie sie um die Zahlungen herumkommen.

5. Die Police sollte dynamisch sein
Eine dynamische Anpassung der Beiträge hat den Vorteil, dass sie automatisch jedes Jahr über eine Erhöhung um maximal 5 Prozent der Beiträge und damit auch der Leistungen entscheiden können. Ist das zu viel, können Sie mit der Erhöhung aussetzen. „Es gibt Anbieter, die das Aussetzen auf zwei Jahre begrenzen und danach ist eine neue Gesundheitsprüfung fällig. Andere verzichten auf solche Regelungen“, berichtet Blumensaat. Ebenso wichtig sei die sogenannte Leistungsfalldynamik im Rentenbezug. Sie gleicht den inflationsbedingten Kaufkraftverlust aus. „Sonst sehe ich im Leistungsfall bei einer Inflation von zwei bis drei Prozent nach 10 bis 15 Jahren alt aus“, warnt der Versicherungsberater.

6. Leistungszeitraum bis zum Ruhestand
Als Endalter für den Leistungszeitraum sollten Versicherte das für sie geltende gesetzliche Rentenalter wählen. Ein Fehler sei es, als Endalter „60“ anzugeben, warnt Blumensaat. Das werde zwar oft gemacht. Doch die BU-Gefahr steigt mit dem Alter, verstärkt träte sie erst ab 50 ein. Also droht bei Endalter „60“ eine Lücke: Wer mit 61 berufsunfähig wird, bekommt dann weder Geld von der Berufsunfähigkeitsversicherung und muss noch lange auf seine Rente warten. Nicht zuletzt werden die Aussichten auf die Rente in ein paar Jahren schlechter. Denn ohne das Geld aus der BU-Versicherung können Betroffene ihre Rentenbeiträge nicht weiter zahlen – was im Rentenalter zu Kürzungen führt.

7. Geben Sie Ihren Beruf korrekt an!
„Geschäftsführer“ ist für einen BU-Antrag die verkehrte Berufsangabe. „Geschäftsführer“ sei zwar verlockend, weil es im Vergleich zu „Selbstständiger Maurermeister“ zu einer günstigeren Risikoklasse führt. „Aber wie will man da ermitteln, ob der Versicherte noch berufsfähig ist?“, fragt Blumensaat. Bei so einer Berufsangabe sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die zu einer Rentenzahlung erforderliche Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent nicht erreicht wird.

8. Wählen Sie eine angemessene Leistungssumme
Je höher die erwünschte Leistungssumme, desto höher die laufenden Beiträge. Andererseits: Denken Sie daran, dass Sie aus den Zahlungen der BU-Versicherung nicht nur Ihren Alltag finanzieren müssen, sondern auch Sozialversicherungsbeiträge und Altersvorsorge. Nutzlos wäre eine Police, bei der am Ende nicht mehr zum Leben bleibt als die Grundsicherung vom Sozialamt. Der Rat des Experten: „Kalkulieren Sie Ihren finanziellen Bedarf realistisch ein: Was brauchen Sie wirklich, inklusive Altersvorsorge und Krankenversicherung?“

(jw)

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