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So stoppen Sie Depressionen

Depression kann eine Antwort auf Überforderung sein. Ziehen Sie die Notbremse, wenn Sie Symptome spüren. Das ist gar nicht so schwer, weiß Friseurmeister Duyar aus Aurich.

Hakan Duyar ist einer, der es genau nimmt. „Bei der Arbeit muss alles picobello sein, da bin ich pingelig“, sagt der Friseurmeister aus Aurich. Seinem hohen Anspruch gerecht zu werden, fällt ihm nicht immer leicht. Vor drei Jahren kamen mehrere private und berufliche Faktoren zusammen. „Unter anderem habe ich zu viel gearbeitet und hatte wenig Unterstützung in jeglicher Hinsicht.“ Als wäre das nicht genug, meldete sich der Körper: Sehstörungen, Schwindel, Erschöpfung ...

„Die Warnsignale des Körpers sollte man ernst nehmen“, sagt Wolfgang Schade. Er lebt seit seiner Kindheit mit der Depression. Der 65-Jährige hat sich intensiv mit der Krankheit beschäftigt und das autobiografische Sachbuch „Leben, auch wenn es weh tut“ geschrieben.

Er unterscheidet zwei Depressionsformen:
- Depressionen, die als eine Reaktion auf eine Lebenssituation auftreten
- Depressionen, die immer wiederkehren und bei denen Hormonhaushalt und Sozialisation wesentliche Faktoren sind

Mögliche Auslöser
„Grundsätzlich kann Depression jeden Menschen treffen“, sagt Schade. Einen Unternehmer zum Beispiel könne eine Depression ereilen, wenn er sich mit seinem Betrieb überfordere. Mögliche Situationen:

  • Existenzgründung: Dabei gibt es gewaltige Belastungen, wie zum Beispiel die Finanzierung.
  • Der Chef will alles allein machen.
  • Anspruch der Kunden: Sie wollen Qualität, die aber möglichst billig.

Symptome erkennen
Symptome für eine Depression oder für die häufig vorausgehende Vorstufe Burn-out können laut Schade sein:
  • tiefe Resignation,
  • steigende Lustlosigkeit,
  • innere Erstarrung,
  • unglaublicher Ehrgeiz einerseits, gleichzeitig enorme Mühe, den Tag zu beginnen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Suchtprobleme,
  • Abkapselung von der Gesellschaft,
  • Hang zu Grübelei und Verbergen des Gemütszustands vor anderen.
  • Aus einer Vielzahl an körperlichen Problemen nennt Schade Herz-Kreislauf-Probleme, Tinnitus, Hautekzeme, Magen-Darm- und Asthmaerkrankungen.


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Tipps vom Experten

„Wenn Sie derartige Symptome an sich beobachten, ziehen Sie die Reißleine“, rät Schade. „Gestehen Sie sich selbst ein, dass Sie sich überfordert, die Vergangenheit nicht bewältigt oder sich zu hohe Ziele gesteckt haben“. Konkret empfiehlt der Experte:

  • Lassen Sie Grübeln nicht zum Zwang werden.
  • Vertrauen Sie sich Ihrem Partner oder einem Freund an.
  • Suchen Sie bei massiven Symptomen einen Neurologen auf, zum Beispiel bei permanenter Schlaflosigkeit, oder wenn sie morgens liegen bleiben, obwohl die Pflicht schon ruft.
  • Geben Sie Verantwortung ab, delegieren Sie Aufgaben und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst.
  • Tun Sie Ihrem Körper etwas Gutes. Achten Sie auf gesunde und leberfreundliche Ernährung. Denn die Leber gilt seit dem Altertum als Organ der Lebenslust.

Wenn Friseur Duyar merkt, dass ihm wieder alles zu viel zu werden droht, nimmt sich der 41-Jährige eine Auszeit von ein bis zwei Tagen. Im Salon werden weniger Kunden bedient. Regelmäßig bespricht er gemeinsam mit seinen sechs Mitarbeitern, worauf es im Salon ankommt – und er kann sich auf sie verlassen.



Weitere Infos zum Thema Gesundheit und Burn-out:
(bw)
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