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Finanzierung

So teuer sind Lieferantenkredite tatsächlich

Würden Sie 24 Prozent Zinsen oder mehr für einen Kredit bezahlen? Würden Sie nicht - oder vielleicht doch? Denn so viel kostet es, wenn Sie Lieferantenkredite nutzen. So rechnen Sie richtig.

Von Jörg Wiebking

Wer im Einkauf auf den Lieferantenkredit verzichtet, kann viel Geld einsparen. Denn in der Regel räumen Lieferanten bei Zahlung innerhalb einer Frist ein Skonto von 2 bis 3 Prozent ein. Bei einem Betrieb mit einem durchschnittlichen Materialeinsatz von 50.000 Euro im Monat geht es aufs Jahr gerechnet schnell um einen großen fünfstelligen Betrag.

Viele Unternehmer unterschätzen die Nachteile
Das scheint nicht nur vielen Existenzgründern nicht so richtig klar zu sein, berichtet Wolfgang Miethke, Betriebsberater der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. "Es gibt auch gestandene Unternehmer, die die Nachteile des Lieferantenkredits nicht richtig einschätzen.

Tipp: Sofort zahlen - notfalls aus dem Kontokorrent
Miethkes Empfehlung: "Wer die Möglichkeit hat, den Einkauf aus liquiden Mitteln zu zahlen oder zumindest aus dem Kontokorrent oder einem Betriebsmittelkredit zu finanzieren, sollte sie unbedingt nutzen, um Skonto zu ziehen."

So rechnen Sie Ihren Kreditzins aus
Auf die paar Prozent Skonto zu verzichten, klingt zwar nach wenig. Warum die Kombination aus Bankfinanzierung und Skonto dennoch immer günstiger ist als der Lieferantenkredit, zeigt ein einfacher Vergleich. Dazu müssen Sie den Skontosatz in einen Zinssatz pro Jahr umrechnen.

Der Grund: Wer auf Skonto verzichtet, zahlt dem Lieferanten damit faktisch eine Art Zins für den Lieferantenkredit. Aufs Jahr umrechnen müssen Sie den Skontosatz, da er sich immer auf den Zeitraum bezieht, innerhalb dessen die Zahlung erfolgen muss, zum Beispiel 20 oder 30 Tage.
Eine sehr einfache Faustformel für die Umrechnung lautet: (356 Tage / Tage Zahlungsziel) x Skontosatz = Jahreszins.

Daraus ergeben sich zum Beispiel:

2% Skonto für 20 Tage = 36 % Jahreszins
2% Skonto für 30 Tage = 24 % Jahreszins
3% Skonto für 20 Tage = 54 % Jahreszins
3% Skonto für 30 Tage = 36 % Jahreszins

Ein Beispiel
Sie kaufen regelmäßig bei einem Lieferanten Materialien ein, zum Beispiel für durchschnittlich 10.000 Euro netto im Monat.

Zahlen Sie immer innerhalb der Skontofrist von 30 Tagen, so würden Sie jeden Monat 300 Euro im Einkauf sparen. 12 Monate lang jeden Monat 300 Euro gespart, das entspricht 3600 Euro im Jahr - dafür, dass Sie bei Ihrem Lieferanten mit durchschnittlich 10.000 Euro in der Kreide stehen. Das sind 36 Prozent Zinsen jährlich!

Warum ein Kontokorrentkredit immer günstiger ist und welche Alternativen Sie sonst noch nutzen können, wenn die Hausbank den Materialeinkauf nicht finanzieren will, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Kontokorrent ist immer günstiger

"Der gleiche Kreditbetrag würde bei der Hausbank im Kontokorrent kaum mehr als 12 oder 13 Prozent Zinsen im Jahr kosten", zieht Miethke den Vergleich. Selbst für Betriebe mit deutlich höheren Bankzinsen lohne sich die Kreditfinanzierung, da der Skontovorteil die Kosten überwiege.

Lieferantenkredit als letzter Ausweg ...
Sinnvoll könne der Lieferantenkredit nur dann sein, wenn der Kreditrahmen bei der Hausbank für den Materialeinkauf nicht ausreicht und die Bank ihn nicht erweitern will. "Dann ist der Lieferantenkredit manchmal der letzte Ausweg", sagt Miethke. Oder wenn die Hausbank zusätzlichen Kredit nur mit völlig überzogenen Anforderungen an Sicherheiten leisten würde.

... oder gibt es doch noch Alternativen?
Doch auch dann sollten Handwerker vorher noch einmal alle Alternativen prüfen:

  • Würde eine andere Bank einsteigen?
  • Lassen sich Kunden auf Vorkasse für den Materialeinkauf ein?
  • Wie sieht es mit einem Förderkredit für Betriebsmittel aus oder mit Sicherheiten von der Bürgschaftsbank?
  • Gibt es vielleicht Verwandte oder Bekannte, die ein Darlehen geben könnten?
"Auch diese Möglichkeiten werden in der Regel günstiger sein, als auf das Skonto zu verzichten", rät Miethke.
Für Kunden ist diese Entscheidung richtig teuer.
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