Uwe Heuer und Tochter Clarissa Heuer.
Foto: Denny Gille

Panorama

So viel Nutzen steckt in grünen Dächern

Dachdecker Uwe Heuer schwört auf Dachbegrünung. Die bepflanzten Dächer sind nicht nur für Klima und Wohnqualität gut. Sie schützen auch das Dach.

Auf einen Blick:

  • Dachdeckermeister Uwe Heuer hat 25 Jahre Erfahrung mit der Dachbegrünung. Er ist ein Fan der bepflanzten Dächer. Nicht nur, weil sie besser aussehen.
  • Die Vorteile grüner Dächer: Sie verbessern laut dem Meister die Haltbarkeit des Daches, den Wohnkomfort und das Stadtklima.
  • Die Umsetzung einer extensiven Dachbegrünung ist häufig ohne besondere Vorkehrungen möglich. Zudem sind die Dächer leicht zu pflegen.

Sie sind oft schwarz, eher unauffällig und schützen unsere Gebäude vor Wind und Wetter. Flachdächer sind vor allem funktional, als Hingucker aber eignen sie sich selten. Dabei kann ein Flachdach so viel ansprechender und nützlicher sein, wenn es begrünt wird. Detlof und Inge Sack sind Bewohner eines Neubaus für seniorengerechtes Wohnen der Alerds Stiftung in Braunschweig. Immer, wenn sie aus dem Küchenfenster blicken, schauen sie direkt auf eine satt bewachsene Fläche. Hier blühen Immergrünchen und gedeiht der Mauerpfeffer – fast komplett ohne menschliches Zutun. „Ich finde das sehr schön“, erzählt Inge Sack. „Wir sagen immer, das ist unser Garten.“

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Ein grünes Dach, viele Vorteile

Dachdecker Uwe Heuer darf diesen Satz als Kompliment nehmen. Er hat das Gründach auf dem Neubau der Alerts Stiftung realisiert. Der 57-Jährige ist auch persönlich ein Fan der Dachbegrünung, nutzt sie im Wolfenbütteler Betrieb und hat in dem Bereich 25 Jahre Erfahrung. „So ein Gründach hat unheimlich viele Vorteile“, sagt Heuer.

Dazu gehöre nicht nur, dass ein bepflanztes Dach ansprechender aussieht und sich positiv auf Stadtklima und Artenvielfalt auswirkt. „Es verbessert auch Abdichtung und Haltbarkeit des Daches“, erklärt Heuer. Die Schicht aus Erde und Pflanzen schütze das Dach vor UV-Strahlung. Zudem erhöhe ein Gründach den Wohnkomfort. Stichwort Dämmung: „Es verzögert extrem, dass Temperaturen durch das System ins Innere wandern“, sagt der Dachdeckermeister.

Uwe Heuer hat sich auf extensive Gründächer spezialisiert. Die sind besonders pflegeleicht, haben nur eine geringe Aufbauhöhe auf dem Dach und setzen auf widerstandsfähige, meist dickblättrige Pflanzen, die auch längerer Trockenheit trotzen. Die intensive Dachbegrünung mit dickeren Erdschichten und anspruchsvolleren Pflanzen werde hingegen meist von Gärtnereien angeboten, erzählt der Dachdeckermeister.

Schnell verlegt, leicht gepflegt

Uwe Heuer setzt bei jeder Begrünung meist auf dasselbe System eines Lieferanten. Eine Palette enthalte alles, was dazu nötig ist und reiche für 10 Quadratmeter Grünfläche aus. Besonders anspruchsvoll sind die Voraussetzungen an das Dach bei der Begrünung nicht, sagt Heuer: „Statik, Anschlusshöhe und die Abdichtung des Daches müssen passen.“ Handelt es sich um einen Betonbau, sei die Statik meist kein Problem. Bei Holzkonstruktionen müsse man sie etwas genauer prüfen. Beim System, das Heuer einsetzt, erhöhen sich die Lasten mit der Begrünung um bis zu 100 Kilogramm pro Quadratmeter.

Stimmt die Tragfähigkeit des Daches, lässt es sich in wenigen Schritten begrünen, erklärt der Unternehmer. Zunächst werden Matten als Schutz-, Drän- und Filterschicht verlegt. Die Schicht sorgt dafür, dass das Dach Regenwasser zwischenspeichern kann und das Erdreich nicht weggespült wird. Auf die Schicht kommt Pflanzerde, danach werden die Pflanzen einzeln eingesetzt.

Etwa einmal im Jahr braucht ein extensives Gründach eine kleine Pflege. Die steht auch gerade auf zwei Dächern der Braunschweiger Alerds Stiftung an. Uwe Heuer und seine Tochter steigen auf ein Dach und entfernen größere Pflanzen, die sich hier selbst ausgesät haben. Für einen gleichmäßigen Bewuchs versetzt er auch einige Sprossen. „Hier kommt noch etwas Langzeitdünger drauf und dann schauen wir nächsten Sommer wieder vorbei“, sagt Heuer. Die Pflege eines Gründachs ist zwar schnell gemacht und mit wenig Aufwand verbunden, dennoch sei es ein großes Problem der Dächer, dass sich oft niemand darum kümmere. „Bei manchen städtischen Dächern steht das Unkraut meterhoch“, sagt Heuer.

Mehr Gründächer für die Stadt

Dass Gründächer häufig einmal ausgeschrieben und realisiert, dann aber vergessen werden, ärgert den Unternehmer. Den meisten seiner Gründach-Kunden kann das zum Glück nicht passieren. Das seien überwiegend Privatleute, die ihre Garagen, Carports oder Vordächer begrünen wollen – und diese Flächen sollen möglichst gepflegt aussehen. Etwa zehn Prozent seines Umsatzes macht der Unternehmer so mit der Dachbegrünung. Tendenz steigend: „Braunschweig hat gerade ein Förderprogramm aufgelegt, das private und gewerbliche Bauwerksbegrünungen fördert“, sagt Heuer. Für die Stadt habe das insbesondere bei Starkregen einen weiteren Nutzen: „Gründächer können Wasser zwischenspeichern und reduzieren so das Risiko von überlasteten Abwassersystemen und vollgelaufenen Kellern“, erklärt der Dachdeckermeister.

Gute Aussichten für das Unternehmen, um Dachbegrünungen auch künftig anzubieten. Sein Wissen gibt Uwe Heuer dafür schon an die nächste Generation weiter: Im Mai hat die 29-jährige Clarissa Heuer erfolgreich ihre Meisterprüfung abgelegt. „Meine Tochter soll dieses Jahr noch ihr erstes Gründach-Projekt durchführen“, sagt der Unternehmer.

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