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Work-Life-Balance

So werden Sie Ärger und Frustration schnell los

Eine Baustelle wird nicht pünktlich fertig, weil Sie auf Teile warten oder Kunden Rechnungen nicht zahlen. Der Ärger darüber beeinflusst Ihre gesamte Arbeit. Dass muss nicht sein: Mit dieser Methode bekommen Sie die Gelassenheit zurück.

Auf einen Blick:

  • Der Frust über den Alltag beeinflußt den gesamten Tagesablauf und die Arbeit.
  • Negative Gedanken übertragen sich auf Ihre Kommunikation mit Kunden.
  • Drehen Sie den Spieß um: Durch geschicktes Hinterfragen können Sie negative Gefühle ins Positive umkehren. Wie das geht, sagt Autor Moritz Boerner.

Über welche alltäglichen Dinge ärgern Sie sich gerade? Es fallen Ihnen sicher spontan drei Dinge ein, die Sie stören. Oft ist der Ärger so groß, dass er sich auf Ihre Stimmung überträgt oder Sie in anderen Aktivitäten ausbremst. Die Folge: Sie sind unproduktiv oder unfreundlich zu anderen, weil Sie diese Dinge so beschäftigen.

Warum ärgern sich Menschen? „Weil sie frustriert sind, wenn die Realität nicht mit ihren Wunsch­vorstellungen übereinstimmt und sie das nicht schnellstmöglich ändern können“, sagt Moritz Boerner. Frust entstehe vor allem dann, wenn Wünsche sich auf Dauer nicht erfüllen, erklärt der Autor aus München.

Weitersuchen oder Aufgeben?

Dann ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder, wir suchen einen geeigneteren Weg, um doch noch zum Ziel zu kommen. Oder wir geben den Wunsch auf. Frustration sei in beiden Fällen kontraproduktiv.

„Wenn Sie eine ärgerliche Situation nicht abstellen können, macht es keinen Sinn, weiter darüber nachzudenken“, sagt Moritz Boerner. „Denn Ihr negatives Gefühl kommt genau von diesem Nachdenken.“

Er hat eine Methode entwickelt – „das Hinterfragen“. „Damit können Sie die negativen Gefühle in positive umprogrammieren“, erklärt er. Durch das Hinterfragen verbinden Sie positive Gefühle mit dem Ereignis, das zuvor negative Gefühle bei Ihnen ausgelöst hat.

Ärger und Frust schnell loswerden

Im Grunde geht es darum, sich fünf Fragen zu dem konkreten Ärgernis zu stellen. Die Antworten auf die Fragen sollen Ihnen helfen, den Frust loszuwerden. Denn Sie machen sich damit klar, dass der Ärger eher „hausgemacht“ ist und dass Sie dem eigentlichen Ärgernis auch etwas Positives abgewinnen können.

Die Fragen:

  • In wessen Macht steht das? Zeigt Ihnen, ob Ihr Wunsch hoffnungslos ist oder nicht.
  • Ist es wahr? Zeigt Ihnen die Wirklichkeit.
  • Kann ich es wirklich wissen? Lockert Ihre bisherigen Denkgewohnheiten auf.
  • Was habe ich davon, wenn ich es denke? Zeigt Ihnen, wie Sie leiden, wenn Sie an dieser Sache festhalten.
  • Wer wäre ich, wenn ich das nicht denken würde? Zeigt Ihnen, wie Sie sich fühlen könnten, wenn Sie diese Gedanken loslassen würden.

Die Methode funktioniert deshalb, weil sie einen Lerneffekt hervorruft: Je öfter Sie ärgerliche Situationen hinterfragen, je schneller lernen Sie, die Dinge nicht mehr negativ zu sehen. Das Ergebnis: Der Ärger schwindet schnell - Sie fühlen sich wohler und sind glücklicher. Später werden Sie nur noch „registrieren“, dass Sie sich früher einmal über die eine oder andere Sache geärgert haben.

Anwendung: Hinterfragen in der Praxis

Handwerker verbringen viel Zeit auf der Straße, da kommt sicher mal ein unvorhersehbarer Stau dazwischen, und das ist für viele ärgerlich. Ihr Wunsch lautet also: „Ich sollte jetzt nicht im Stau stehen“. Auf diese Aussage wenden Sie alle Fragen an:

  • In wessen Macht steht, ob ich im Stau stehe oder nicht? Der Stau war nicht vorhersehbar. Im Augenblick steht es offenbar nicht in meiner Macht.
  • Ist es wahr? Wie ist die Realität? Momentan sieht die Realität anders aus, als ich sie mir wünsche. Ich stehe im Stau. Wunsch und Realität widersprechen sich. Meine Vorstellung, dass ich ungehindert vorankomme, widerspricht der Wirklichkeit.
  • Kann ich wirklich wissen, dass es besser wäre, wenn ich nicht im Stau stünde? Ich meine zu wissen, dass freie Fahrt besser für mich wäre. Aber ich muss zugeben: Hundertprozentig wissen kann ich es nicht. Wenn ich hier nicht stünde, wäre ich vielleicht derjenige, der den Stau ausgelöst hat.
  • Was habe ich von dem Gedanken? Wie reagiere ich, wenn ich das denke? Ich bin frustriert und angespannt, bin unfreundlich zu den Kollegen oder Mitarbeitern. Löst sich der Stau durch diese Gedanken auf? Nein!
  • Wie würde ich mich fühlen, wenn ich das nicht denken würde (rein theoretisch)? Ich würde mich mit Sicherheit besser fühlen. Denn im Grunde geht es mir gut: Ich sitze bequem, höre Musik, die Sonne scheint. Ich könnte mir auch die Landschaft anschauen, wie der Raps blüht …

Ganz zum Schluss drehen Sie die Aussage von oben um. Was dann herauskommt lautet: Es sollte wohl so sein, dass ich jetzt im Stau stehe. Das ist die Realität. Sie ist stets wahrer als meine Gedanken. Mein Denken sollte nicht im Stau stehen! Ärgere ich mich über den Verkehrsstau, gerät mein Denken in einen Denkstau.

Buchtipp: „30 Minuten - Ärger und Frustration auflösen“ von Moritz Boerner, Gabal Verlag (2012), 96 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 978-3-86936-319-6

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