Marc Staubach (links) und Marcus Gerbener.
Foto: Babian Nockel

Strategie

Spezialisierung: Kita-Möbel in Modulbauweise

Marc Staubach und Marcus Gerbener haben die Produktion von Kita-Möbeln für sich entdeckt – und per Modulbauweise ein zweites Standbein geschaffen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Mit Kita-Möbeln hat sich die Tischlerei Gerbener & Staubach ein zweites Standbein geschaffen und macht damit 25 Prozent ihres Umsatzes. Das war mit einigen Herausforderungen verbunden.
  • Herausforderung Nr. 1: die Regeln. Es sind viel technische und bauliche Anforderungen an Kita-Möbel zu beachten. Es geht um die Sicherheit der Kinder.
  • Herausforderung Nr. 2: die Ansprüche. Individuell, hochwertig und dennoch bezahlbar sollen die Kita-Möbel sein. Die Tischlerei schafft das durch Modulbauweise.
  • Herausforderung Nr. 3: die Akquise. Empfehlungen und ihre Homepage sorgen gleichermaßen dafür, dass die Tischlerei ihre Möbel inzwischen bundesweit verkauft.

Möbel für eine Kita kann doch jeder bauen? Muss man sie nicht nur etwas verkleinern und möglichst bunt machen? Nein. Wenn es so einfach wäre, dann würde es ja jeder machen. Fakt ist, dass hinter dem Bau von Kita-Möbeln ein ganzes Regelwerk steht. „Und dieses Regelwerk bekommt man beim TÜV oder bei der Dekra“, sagen Marc Staubach und Marcus Gerbener.

Die beiden Tischler haben sich bereits auf der Berufsschule kennengelernt und nach der Meisterprüfung 2003 die Tischlerei Gerbener & Staubach in Essen eröffnet. „Anfangs haben wir noch fast alles gemacht, uns dann aber auf den hochwertigen Möbelbau spezialisiert, weil wir uns beide dort zuhause fühlen“, erzählt Staubach. Und dann sei ihnen die Idee mit den Kindermöbeln gekommen. Das ist acht Jahre her. Ausschlaggebend für diese Idee waren Gerbeners Schwester, die eine Kita leitet, und ein Freund der beiden Tischler, der ebenfalls in diesem Bereich arbeitet. „Wir haben schnell herausgefunden, dass Bedarf da ist, es aber nur industrielle Anbieter gibt“, sagt Gerbener. Heute machen die Kita-Möbel etwa 25 Prozent des Geschäftes aus, mit leichten Schwankungen – je nachdem, wie locker gerade das Geld bei Bund und Ländern sitzt.

Detaillierte Regeln für Kita-Möbel

Mit der ersten Anfrage stiegen die beiden Tischler tiefer in die Materie ein. „Wir haben hier gänzlich andere Anforderungen als im Küchen- oder Möbelbau“, erzählt Staubach. So schreibt das Regelwerk beispielsweise ganz genau Mindest- und Maximalabstände vor. Bei einem Zaun darf beispielsweise der Abstand der Latten nicht größer als 89 Millimeter sein, da sonst eine sogenannte „Kopffangstelle“ entstehen könnte. Das heißt, ein Kind könnte seinen Kopf durchstecken und sich verfangen. Deswegen sind auch sich verjüngende Bauteile oder zu kleine Ausschnitte tabu. Fingerklemmstellen sind natürlich ebenso verboten. „Man muss schon fünfmal um die Ecke denken, um alle Eventualitäten zu berücksichtigen“, sagt Gerbener. Seine zwei Kinder haben ihm dabei geholfen, ein Gespür für die Problematik zu entwickeln. „Und natürlich auch die vielen, vielen Mitarbeiter aus Kitas, mit denen wir gesprochen und Projekte gemeinsam entwickelt haben“, ergänzt Staubach.

Markenbildung und guter Ruf statt Werbung

Von der Idee zu den ersten Aufträgen und hin zu einem eigenen Geschäftsbereich, der den Namen „Möbel für Minis“ trägt, war es nicht weit. „Der Name ist beim Patent- und Markenamt eingetragen. Wir haben die weiteren Schritte konsequent verfolgt und sehr schnell zusammen mit unserem Grafiker ein Logo und eine Homepage entwickelt“, erzählt Staubach. „Wir wollen damit signalisieren, dass wir auf diesem Gebiet Spezialisten sind und inzwischen viele Jahre Erfahrungen gesammelt haben“, sagt Gerbener.

Die Auftragsbücher seien voll, berichten die beiden Unternehmer. „Möbel für Minis“ sind inzwischen bundesweit gefragt. Und das, obwohl sie aktuell keinen einzigen Cent in Werbung investieren. Gerbener und Staubach führen diesen Erfolg auf zwei Umstände zurück: Zum einen seien sie bei den großen Kita-Trägern wie der Diakonie, den Kirchen und anderen Einrichtungen bekannt, zum anderen sei es eindeutig die Homepage, über die neue Kunden hereinkämen. „Hier entstehen beispielsweise Kontakte zu Architekten, die eine Kita nicht 08/15 planen wollen und nach einem Partner suchen, der ihre Ideen umsetzen kann“, berichtet Staubach.