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Sponsor gesucht

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Dass es reichlich Handwerker gibt, die fußballversessen sind, verdeutlicht schon der Blick auf die Tabelle unseres Bundesliga-Tippspiels Kickklick. Aber wer hätte gedacht, dass Fußballvereine das Handwerk im Namen tragen? Ein Beispiel: Die „SG Handwerk Magdeburg“ kämpft um Punkte – und um Werbepartner.

Dass es reichlich Handwerker gibt, die fußballversessen sind, verdeutlicht schon der Blick auf die Tabelle unseres Bundesliga-Tippspiels KickKlick. Aber wer hätte gedacht, dass Fußballvereine das Handwerk im Namen tragen? Die SG Handwerk

Magdeburg kämpft in der Landesliga in Sachsen-Anhalt um Punkte

und um Werbepartner.

Das KickKlick-Team hat sich auf dem Sportplatz am Magdeburger Umfassungsweg umgesehen.

Fußwerker am Ball

Schon der Anblick des Trainergespanns lohnt die zwei Euro Eintritt. Horst-Ulrich Sparmann und Frank Cebulla stehen am Spielfeldrand wie zwei Hauptattraktionen in einem Wachsfigurenkabinett. Bewegungslos, mit starren Mienen und verschränkten Armen, fixieren sie den Ball. Wer die beiden beobachtet, muss den Eindruck gewinnen, dass sie ihn allein durch die Kraft ihrer Blicke ins gegnerische Tor bugsieren können. Geschlagene 18 Minuten dauert dieses Schauspiel, dann ist die erste sachte Bewegung zu erkennen. Lässig, ohne das Geschehen auch nur einmal außer acht zu lassen, greift Sparmann in die rechte Tasche seiner schwarzen Lederjacke und holt den kleinen Block und den Kugelschreiber hervor, mit denen er die Knackpunkte des Spielverlaufs notiert. Die Begegnung plätschert so vor sich hin, aber es bahnt sich etwas an, das scheint er zu spüren

Und tatsächlich: Steffen Friedrich, der Mittelfeldmotor der SG Handwerk, fängt einen allzu lässigen Querpass seines Gegenspielers ab und spielt den Ball direkt in die linke Spitze auf Tobias Kästner. Schieß schon, machs selber, schreit ein ungeduldiger Zuschauer. Doch Kästner lässt sich Zeit. In der Mitte lauert Uwe Ratajczak. Der Maurer und kopfballstarke Mittelstürmer der SG gehört zu den Spielern, die das richtige Timing ganz einfach im Blut haben. So lieben sie ihn, seine Trainer: Mit einer kurzen Körpertäuschung lässt er seinen Bewacher stehen, geht Kästners halbhoher Flanke entgegen und hämmert den Ball volley ins Netz.

Aus Wachsfiguren werden wilde Derwische

Von einer Sekunde auf die nächste mutieren die Wachsfiguren zu wilden Derwischen, die gemeinsam mit knapp 200 Fans an der Seitenlinie auf und ab springen. Der Jubel ist verständlich: Die SG hat nicht einfach nur ein Tor geschossen, nein, die Handwerker führen 1 : 0 gegen TuS Schwarz-Weiß Bismark, den ungeschlagenen Tabellenführer der Landesliga Nord. Und das ist so, als würde Hansa Rostock gegen die Bayern in Führung gehen, zieht ein euphorischer Jugendlicher einen Vergleich zu den Profis aus der Bundesliga.

Weil die Fußballwelt am Mageburger Umfassungsweg in der 18. Spielminute noch in Ordnung ist, gönnt sich Sparmann eine kurze Auszeit für einen Plausch an der Seitenlinie. Die Fußballgötter haben es in dieser Saison nicht gut gemeint mit uns, sagt er und verstaut Kugelschreiber und Block wieder in seiner Jackentasche. Zeitweise habe es mehr verletzte Spieler auf der Bank als gesunde Akteure auf dem Platz gegeben. In dieser Situation seien dem Verein gnadenlos seine finanziellen Grenzen aufgezeigt worden, denn die SG könne weder ihre Stammspieler noch mögliche Neuzugänge für ihre Fußballkünste bezahlen. In der Landesliga ist das eigentlich üblich.

Um es positiv auszudrücken: Der Verein schrumpft sich seit der Wende gesund. 1990 gab es 14 Sparten, sieben sind bis heute übrig geblieben. In der DDR, erinnert sich Sparmann, mussten die Sportler keinen Gedanken an Themen wie Finanzierungspläne, Marketing oder Sponsorverträge verschwenden. Mit dem Fall der Mauer habe sich das radikal geändert.

Und das ist auch gut so, will sich SG-Präsident Gerald Bleidorn in das Gespräch einschalten, unterbricht sich aber selbst, weil der Trainer wieder zu Block und Kugelschreiber gegriffen hat. Das bedeutet: Auf dem Spielfeld ist Gefahr in Verzug. Mensch, das ist Abseits, brüllt Sparmann in Richtung Schiedsrichter. Der Unparteiische sieht das anders. Bismarcks Nummer 9, der Ex-Regionalligaspieler Rainer Wiedemann, geht alleine auf Handwerk-Torwart Matthias Denecke zu. Der erfahrene Stümer lässt dem 21-jährigen Keeper keine Chance. Es steht 1 : 1. Die Handwerker retten das Ergebnis in die Pause. Immerhin.

Nachwuchs aus dem direkten Umfeld

Während die Trainer ihrer Mannschaft in der Kabine die Leviten lesen, kommt Präsident Bleidorn auf den positiven Aspekt der angespannten finanziellen Situation zurück: Wir waren immer gezwungen, junge Spieler aus unserem direkten Umfeld in die in die Mannschaft einzubauen. Schon deshalb könnten sich die Fans der SG uneingeschränkt mit dem Team identifizieren. Es stelle sich nur eine Frage: Wir halten seit zwölf Jahren die Liga. Aber wie lange können wir das schaffen?

Dass die Frage berechtigt ist, verdeutlicht der Spielverlauf. Die ersten zehn Minuten nach der Halbzeit, das sind unsere Schlafminuten, wird Sparmanns angefressener Kommentar nach dem Match lauten. Beim 1 : 2 in der 52. Spielminute macht die Abwehr der Handwerker in der Tat einen etwas müden Eindruck. Und dann wird der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften auf dem Platz deutlich. Bismarck schaukelt das Ergebnis professionell über die Runden. Chancen der Handwerker bleiben bis zum Schluss Mangelware. Wir müssen uns verstärken, sagt Bleidorn, nachdem er den ersten Ärger über die unnötige Niederlage verdaut hat.

Und worin würde der Reiz für potenzielle Sponsoren liegen? Der soziale Faktor ist unheimlich nach vorne getrieben worden. Damit sind wir ein Vorzeigeverein, antwortet Bleidorn. Im Norden Magdeburgs kooperieren die Handwerker mit verschiedenen Schulen und Behinderteneinrichtungen. Inhaltlich ist das ein Erfolg, finanziell aber ein extremes Risiko, sagt der SG-Präsident.

Gefundenes Fressen für Handwerksbetriebe

Aus Bleidorns Sicht ist der Verein ein gefundenes Fressen für Handwerksbetriebe, die den Namen SG Handwerk für ihre Werbung ausschlachten wollen. Dass der Vereinsname mehr ist als Schall und Rauch, zeigt ein Blick in die Spielerliste. Nicht nur Stürmer Uwe Ratajczak, sondern der größte Teil der ersten Mannschaft sind Handwerker: Abwehrchef Thomas Ehrhardt ist selbstständiger Kassen- und Waagenbauer, der Vorstopper Matthias Gotsch ist Tischler, das Mittelfeld bilden der Straßenbauer Steffen Friedrich und der Trockenbauer Thomas Stier, der Bauunternehmer Rene Plexnies unterstützt Ratajczak im Sturm.

Bandenwerbung, die Beschriftung des Vereinsbusses und der Trikots, Werbeflächen im Programmheft, Internetpräsenz, Berichte in einem lokalen Fernsehsender und im Videotext der Sponsorenkatalog unterscheide sich im Wesentlichen auch nicht von den Angeboten der Bundesligavereine. Nur unsere Preise sind moderater, schmunzelt Bleidorn beim Bier nach dem Spiel. Eines sei aber nicht drin: eine Namensänderung. Vor zwei Jahren hatte ein Sponsor 60.000 Mark unter dieser Voraussetzung investieren wollen. Mit dem Satz Das ist ein Proletenname habe der Mann die Verhandlungen zum Scheitern gebracht. In diesem Punkt seien sich die 300 Vereinsmitglieder einig: Wir sind die Handwerker. Und das soll auch so bleiben.

Wer mehr über die SG Handwerk erfahren möchte, kann sich mit Gerald Bleidorn in Verbindung setzen. Die Telefonnummer: (03 91) 621 90-63 (Fax -61).

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Gezielt, geschossen - Tor!

Gezielt, geschossen – Tor!

Viele Handwerker engagieren sich ehrenamtlich oder aktiv in Fußballvereinen – von der Kreisklasse bis in die Bundesliga. Das bringt Prestige für den Betrieb und macht außerdem Spaß. Und oft springt am Rande der eine oder andere Auftrag raus.

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Vier gewinnt

Vier gewinnt

Der Blick auf die Tabelle der Bundesliga hat auch schon mehr Spaß gemacht. Oben, ganz weit oben, thronen die unschlagbaren Vier aus Kaiserslautern, München, Leverkusen und Dortmund. Und dahinter: gähnende Leere bis zur fußballgewordenen Farblosigkeit des VfB Stuttgart.

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Handwerk in WM-Stimmung

Jogi, hier kommen die Meister!

Anlauf nehmen, jubeln, „klick!“, und das Ganze noch einmal. Die Fußballspieler des FC Hertha Hilkerode werfen sich im Namen des Handwerks mit vollem Einsatz in die Torjubelpose.

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Abstiegsplatz verteidigt

Abstiegsplatz verteidigt

Unter Millionen von Fußballexperten gab’s keine zwei Meinungen: St. Pauli und Nürnberg waren schon abgestiegen, da hatte die Saison noch gar nicht angefangen. Doch während die Hamburger hartnäckig den vorletzten Platz besetzen und damit den Erwartungen gerecht werden, wehren sich Augenthaler und Co mit Händen und vor allem Füßen gegen ihr Schicksal.

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