Der T6.1 steht im 16. Jahr auf der gleichen Plattform. Gerade im Nutzfahrzeugsegment ist das kein Nachteil.
Foto: Dennis Gauert

„Hey Bulli“

Sprachbefehle, teilautonomes Fahren: Das kann VWs T6.1

Der Multivan geht ins sechzehnte Jahr auf gleicher Plattform. Das ist kein Nachteil. Beim neuen VW T6.1 baut moderne Technik auf einer stabilen Basis auf.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Update: VW hat dem Bulli ein umfassendes Facelift spendiert. Bewährte Tugenden wurden erhalten, zahlreiche Assistenten kommen ebenso hinzu wie eine elektromechanische Lenkung, die die Basis für neue Technologien liefert.
  • Premiere: Zusammen mit Kooperationspartner ABT realisiert VW erstmals eine rein elektrisch angetriebene Version des beliebten Transporters.
  • Premiumflair: Mit digitalen Displays im Armaturenbrett statt analoger Rundinstrumente und komfortablem Infotainment-System, das nun auf den Befehl „Hey Bulli“ hört und seinem Fahrer nun Navigationskommandos und andere Wünsche quasi von den Lippen abliest, wertet VW den Transporter weiter auf.
  • Preisvorstellung: Im Fokus bei der Premiere in Wolfsburg stand der Multivan. Die Preise dafür starten ab gut 35.000 Euro. Die Transportervariante soll etwas günstiger werden.

Mit der Version T6.1, so der digital anmutende Arbeitstitel, gelingt dem Bulli der Aufstieg ins teilautonome Fahren. Der Grund dafür ist die Umstellung auf eine elektromechanische Lenkung, die die Basis für neue Technologien schafft. Aber auch an anderen Stellen haben die Wolfsburger den Einsatz in vier Wänden lohnenswert gemacht. Im Herbst kommt der T6.1 mit TDI-Motoren von 90 bis 199 PS auf den Markt. Ganz neu ist ein rein elektrischer Antrieb, den Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) zusammen mit ABT realisieren wird.

Großer Grill und scharfe Kanten

Am Außenkleid des neuen Bulli ist ein Facelift unter der Regie von Chefdesigner Albert Kirzinger geschehen, das dem Multivan nun eine Chromzierleiste samt Seitenblinker und modellspezifischem Schriftzug wie eine Träne aus den LED-Scheinwerfern laufen lässt. Dadurch gelingt eine spannende Stufendiagonale im sonst so geradlinigen Kühlergrill mit der Doppelchromleiste. Im unteren Teil der Front findet sich eine aus Kunststoff gefertigte Verblendung mit Lufteinlass und einer weiteren Chromleiste.

Auch ins Heck wurden zackigere Linien gezeichnet. Die symbolartig geformten LED-Einheiten in den Rückleuchten komplettieren den kantigen Kurs. Insgesamt bleibt der Multivan seiner seit dem T4 bestehenden Grundform treu und transportiert sie in das aktuelle Fahrzeugdesign der Wolfsburger.

Premiumflair im Armaturenbrett

Der Innenraum wurde umfangreich überarbeitet. Schnelle, scharfe Linien dominieren das Armaturenbrett wie auch die Verkleidungen. Die exzentrisch geformten Lüftungsdüsen erinnern in ihrer spitzen Winkelstellung eher an einen Supersportwagen denn an ein Nutzfahrzeug.

Verantwortlich für diesen Eindruck ist auch der oktogonal eingefasste LCD-Bildschirm, der den traditionell analogen Tacho ersetzt. Auf dem Dreispeichenlenkrad tummeln sich dazu allerhand Knöpfe, mit denen die neuen Assistenten abrufbar sind. Fahrer, die kein fotografisches Gedächtnis haben, wird das eine Weile beschäftigen. Eine Mittelkonsole hätte beim Multivan noch gefehlt, um den Pkw-Charakter komplett zu machen – aber ab den Sitzen zählt ja auch die Variabilität.

Der Touchscreen wächst auf Tablet-Größe

Nüchtern, klar und einfach ist hingegen die Bedienung der Klimaanlage sowie weiterer Standardfunktionen in den Türverkleidungen, aber auch der Schaltung gelungen. So bleibt das Bediengefühl bewährt und wird durch digitale Extras ergänzt. Dazu gehört auch der neue modulare Infotainment-Baukasten (MIB 3), dessen 10,25 Zoll großer Bildschirm auf Tablet-Niveau gewachsen ist. Er ist gleichzeitig das zentrale Steuerungsorgan für verschiedene Apps, die auch im Tacho-Display angezeigt werden können.

In der normalen Konfiguration finden sich hier Rundinstrumente, in der Mitte kann zum Beispiel die Navigationskarte angezeigt werden. In einer weiteren Konfiguration steht eine digitale Ansicht ohne Ziffernblätter mit verschiedenen Infofeldern zur Verfügung. So kann beispielsweise das Telefonbuch oder die Mediathek nebst Navi angezeigt werden. Funktionen, die aus Synergien mit der hauseigenen Premiumklasse entstanden sind. Erst kürzlich hielt der MIB 3 Einzug in den Passat.

"Bulli, lass uns reden"

Bei allen Infotainment-Systemen ist nun eine integrierte SIM-Karte dabei. So konnte VWN eine eCall-Funktion und eine Verbindung mit "Volkswagen We" realisieren. Die Infotainment-Systeme im T6.1 reagieren auf natürliche Sprachbefehle. Mit "Hey Bulli" wird das System aktiviert und setzt natürlich formulierte Wünsche wie "Ich möchte zum Jungfernstieg." im Navigationssystem um. Hinzu kommt eine kabellose Verbindung mit Smartphones. Auch iPhones werden über Apple Carplay kabellos verbunden. Smartphone-Apps lassen sich so auf dem Infotainment-Display dirigieren.

Mehr Serienausstattung, viele Optionen

Die Serienausstattung des neuen Transporters umfasst nun elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, neue H7-Scheinwerfer, Innenleuchten in LED-Technik und ein Radiosystem mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Der Multivan 6.1 Trendline hat gegenüber dem Vorgänger die neue Schalttafel, das Audiosystem "Composition Colour" mit 6,5-Zoll-Touchscreen, eine elektrische Betätigung der Kindersicherung für die Türen, die neuen H7-Scheinwerfer und ein neues Leder-Multifunktionslenkrad an Bord.

Beim Multivan 6.1 Comfortline kommen unter anderem die Multifunktionsanzeige "Premium", Dekore in der Schalttafel und den Seitenverkleidungen, das "Licht & Sicht"-Paket sowie zusätzliche USB-Schnittstellen im Fahrgastraum hinzu. Die Serienausstattung des Multivan 6.1 Highline wurde darüber hinaus zusätzlich um neue Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, die ebenfalls neuen LED-Rückleuchten, den "Park Assist" (inklusive "Parkpilot" vorn und hinten und Rangierbremsfunktion), das 8-Zoll-Navigationssystem "Discover Media" und das "Digital Cockpit" ergänzt.

Das Parken und Rangieren regeln die Assistenten

Bei den Assistenten wird es jetzt richtig bunt. Ein Seitenwindassistent – so viel schon vorab – ist serienmäßig in jedem T6.1 zu finden. Darüber hinaus sind ein Spurhalteassistent sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandstempomat für den T6.1 zu haben.

Doch nicht nur beim Fahren gibt es neue Hilfen: Der T6.1 kann selbstständig einparken. Der Fahrer muss beim Parkassistenten nur noch Gas und Bremse bedienen. Zum Ausparken kommt ein weiteres System zum Einsatz, das vor Fahrzeugen warnt, die im 90-Grad-Winkel hinter dem eigenen Fahrzeug herannahen. Aus dem Crafter wurde außerdem der ultraschallbasierte Flankenschutz übernommen, der kleine Hindernisse am unteren Ende von Bug und Heck wahrnimmt.

Im T6.1 sind Anhängelasten von bis zu 2,5 Tonnen möglich. Gerade deshalb bringt Volkswagen einen Assistenten mit, der das Rangieren vereinfachen soll. Per Drehknopf der elektrischen Außenspiegeleinstellung – der hier zum Joystick wird – und einer Anzeige im Cockpit stellt der Fahrer den Winkel ein, mit dem der Trailer zurückgesetzt werden soll. Ab diesem Punkt übernimmt der Bulli die Regie. Für den "Trailer Assist" fusionieren mehrere Systeme wie der Parkassistent und die Rückfahrkamera zu einem System.

Leicht erhöhter Nutzwert per Unterladefunktion

Hinsichtlich der Funktionalität hat Volkswagen Nutzfahrzeuge beim Update ebenfalls zugelegt. Am Fahrersitz ist nun eine 230-Volt-Steckdose zu finden, in der Doppelsitzbank kommt ein abschließbares Staufach hinzu. Die Doppelsitzbank hat zusätzlich eine Unterladefunktion, die die maximale Laderaumlänge von 2450 auf 2800 Millimeter in der kurzen Variante verlängert.

Beim langen Radstand sind 3300 Millimeter möglich. Bei den Transportern wird es eine separate Laderaumschließung geben. Für den Verteilerverkehr verspricht VWN außerdem ein Kurierpaket mit verstärktem Generator, Batterie und Antriebswellen.

TDI-Motoren oder Strom von ABT

Unter der Haube schlagen entweder nagelnde Herzen oder künftig auch Elektromotoren. Das Dieselportfolio umfasst 2.0-Liter-Selbstzünder mit einfacher Turboaufladung in den Stufen 84, 110, 150 PS. Als Top-Motorisierung kommt ein 2.0-TDI-Biturbo mit 199 PS zum Einsatz. Ab der 150-PS-Variante können Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb mitbestellt werden. Der Biturbo-Diesel wird serienmäßig mit DSG und optional mit Allradantrieb ausgeliefert.

Über eine Kooperation mit dem Partner ABT wird es den T6.1 auch als lokal emissionsfreies Fahrzeug geben. Mit einer Leistung von 112 PS (82 kW) und Batteriekapazitäten von wahlweise 38,8 kWh oder 77,6 kWh sollen Reichweiten von über 400 Kilometern (NEFZ) möglich sein. Als E-Variante wird der T6.1 dann mit langem Radstand zu bekommen sein. Die Batterien sind unterflur angebracht, die Nutzlast soll je nach Batteriekapazität zwischen 900 und 1200 Kilogramm betragen.

Erster Eindruck

Insgesamt ist der T6.1 keine Neuerfindung. Der Begriff "Update" beschreibt die Modellpflege gut. Bewährtes funktioniert weiterhin, hinzu kommen Styling-Elemente, die dem Bulli etwas mehr DNA verleihen und Assistenzsysteme auf dem Niveau konzerneigener Premiumfahrzeuge. Gespannt sein darf die Automobil-Welt auf den vollelektrischen Antrieb von Kooperationspartner ABT. Ab gut 35.000 Euro ist der T6.1 zu bekommen, die Transportervariante soll etwas günstiger werden.

Auch interessant:

Unterwegs mit dem neuen Opel Combo Cargo

Top-Ausstattung, geringer Verbrauch und viel Platz im Ladeabteil – mit dem Combo Cargo gibt Opel Gas. Wir waren mit dem kleinen Rüsselsheimer unterwegs.
Artikel lesen >

Fiat Doblò Natural Power: Der steckt was weg

Erdgasantrieb, Schiebetüren und geräumiger Innenraum: Der neue Fiat Dobló ist für viele Einsätze bestens gerüstet – mit ein paar kleinen Abstrichen.
Artikel lesen >

-Anzeige-

Dieser junge Handwerker zumindest kämpft mit dem Zollstock...
Foto: DDRockstar - stock.adobe.com

Humor

Die 8 besten Azubi-Witze

Man kann mit Auszubildenden lachen – aber manchmal auch über sie! Hier unsere liebsten Azubi-Witze! Kennen Sie auch einen?

Hat die FKS Ihnen schon mal einen Besuch abgestattet?
Foto: Andreas Scholz - stock.adobe.com, Montage: handwerk.com

Umfrage

Wurden Sie schon von der FKS geprüft?

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit prüft regelmäßig Baustellen und Betriebe. Haben die Fahnder Ihnen schon mal einen Besuch abgestattet?

Wann können Sie Ihren Mitarbeiter haftbar machen?
Foto: WITTAYA - stock.adobe.com

Personal

Teurer Fehler – wann haftet der Mitarbeiter?

Kann ein Mitarbeiter haftbar gemacht werden, wenn er einen teuren Schaden anrichtet? Eine Arbeitsrechtsexpertin gibt Auskunft.

18 Stuckateure schafften mit ihrem Stuckstab einen Eintrag in Guinness Buch der Rekorde.
Foto: Argus - stock.adobe.com

Panorama

Weltrekord: Stuckateure fertigen 105-Meter-Stuckstab

Azubis und Profis arbeiteten für einen Eintrag ins Guinness-Buch Hand in Hand. Handwerker wollten so auch für die Attraktivität der Bauberufe werben.